Schnuffispiele – Geldbußen in Höhe von 200 – 300 Euro auferlegt

17. April 2018

Disziplinarmaßnahmen wegen Teilnahme an sog. Aufnahmeritualen rechtmäßig. Die Disziplinarmaßnahmen gegen Beamte eines Kölner Sondereinsatzkommandos wegen Teilnahme an sog. Aufnahmeritualen sind rechtmäßig. Dies hat die 2. Landesdisziplinarkammer des Verwaltungsgerichts Düsseldorf mit Urteilen vom 22. März 2018, die den Beteiligten jetzt zugestellt wurden, entschieden.

Im Mai 2014 unternahm eine Gruppe von Beamten eines Kölner Sondereinsatzkommandos eine Fahrt nach Südtirol, um das Ende der informellen Probezeit zweier jüngerer Beamter zu feiern. Diese beiden Beamten wurden allerdings abends mit Handschellen aneinander gefesselt und mussten jedenfalls eine Nacht aneinander gefesselt verbringen. Nach der Rückkehr feierten die Beamten auf einem Polizeigelände in Brühl mit aktiven und ehemaligen Beamten der Kölner Spezialeinheiten weiter. Die beiden jüngeren Beamten sollten unter anderem ekelerregend schmeckendes Eis essen, das sich im Bereich der Oberschenkel eines anderen Beamten befand. Danach wurde ihnen eine Tauchermaske aufgesetzt und Bier über den Luftschlauch eingefüllt.

Die Staatsanwaltschaft Aachen stellte das eingeleitete strafrechtliche Ermittlungsverfahren im August 2015 ein. Das Land Nordrhein-Westfalen leitete aber nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits im Juni 2015 mehrere Disziplinarverfahren gegen die beteiligten Beamten ein. Im Sommer 2016 wurde den nun klagenden drei Beamten durch Disziplinarverfügung jeweils eine Geldbuße in Höhe von 200,- Euro bzw. 300,- Euro auferlegt.

Die 2. Landesdisziplinarkammer hat die Klagen der drei Beamten jetzt abgewiesen: Die Beamten hätten gegen die (außerdienstliche) Wohlverhaltenspflicht, nämlich die Pflicht zur Kollegialität, verstoßen. Das Verhalten der Beamten lasse die erforderliche Achtung und Rücksicht gegenüber den beiden jüngeren Kollegen vermissen. Auf eine „freiwillige“ Teilnahme der beiden jüngeren Beamten komme es – anders als im Strafrecht – nicht an. Die verhängten Geldbußen seien auch unter Berücksichtigung des ansonsten positiven Persönlichkeitsbildes der Beamten erforderlich, um sie zu ermahnen, künftig ihre Dienstpflichten einzuhalten.

Gegen die Urteile kann Antrag auf Zulassung der Berufung gestellt werden, über den der Disziplinarsenat des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen entscheidet.

Az.: 35 K 10700/16.O, 35 K 10458/16.O und 35 K 9371/16.O

Quelle: Presseservice des Ministeriums der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen

Anmerkung Sozialticker … „wurde ihnen eine Tauchermaske aufgesetzt und Bier über den Luftschlauch eingefüllt“ – solche Schnuffispiele (Staubsauger) wurden auch bei der NVA getätigt und hatten unweigerlich ernsthaftere Konsequenzen als diese „Streichel-Geldbuße-Justiz“ heutzutage. Ein Rausschmiss wäre das einzig Richtige gewesen.


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