Betreuungsvereine können keine Tariflöhne mehr bezahlen

2. August 2018

Betreuungsvereine sind nicht mehr in der Lage, Tariflöhne zu refinanzieren. Darauf verwies Hennes Göers, Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Berufsbetreuer/innen (BdB) und Geschäftsführer des Betreuungsvereins Bremerhaven im Rahmen von Gesprächen mit den rechtspolitischen Sprechern Friedrich Straetmanns, DIE LINKE, und Dr. Jürgen Martens, FDP.

Diese Treffen waren der Auftakt zu Gesprächen, die der BdB in den nächsten Wochen mit den rechtspolitischen Sprechern aller Bundestagsfraktionen führen wird.

„Betreuungsvereine sind deutlich schlechter gestellt als der öffentliche Dienst in vergleichbaren Funktionen“, betonte Göers im Gespräch mit dem sächsischen FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Jürgen Martens. Göers verwies auf das Missverhältnis zwischen den unterschiedlichen Tarifsystemen des öffentlichen Dienstes im Vergleich zur Finanzierung der Betreuungsvereine. Diese Kalkulation legte er auch dem Bielefelder Bundestagsabgeordneten Friedrich Straetmanns von der Fraktion DIE LINKE vor.

Zum Hintergrund: Die fehlenden Vergütungsanpassungen betreffen nicht nur selbstständige Betreuer, sondern wirken sich auch auf angestellte Vereinsbetreuer aus. Um qualifizierte Fachleute als Berufsbetreuer/innen in den Betreuungsvereinen zu refinanzieren, müssen jährlich 92.000 Euro für Personal- und Sachkosten aufgewendet werden, wenn man sich an den entsprechenden Tarifen im Öffentlichen Dienst und bei Wohlfahrtsverbänden orientiert. Mit Pauschalsätzen für Betreuer/innen von maximal 44 Euro pro Stunde und durchschnittlich 3,3 Stunden, die pro Klient und Monat abgerechnet werden können, lassen sich jedoch nur rund 69.000 Euro refinanzieren. Die Folge ist unbezahlte Mehrarbeit bis zu einem Drittel der Jahresarbeitszeit, damit die Vergütung refinanziert werden kann. „Nur durch geschickte Organisation, ein ausgeklügeltes Delegieren von Aufgaben und der Inanspruchnahme von kaum noch vorhandenen Rücklagen lassen sich Betreuungsvereine heute noch managen“, so Hennes Göers.

Das Gleiche gilt für die fachliche Unterstützung der Ehrenamtlichkeit. Diese Querschnittsarbeit ist eine Kernaufgabe von Betreuungsvereinen. Auch hier reichen die Zuschüsse der Länder bei weitem nicht aus, um die Personal- und Sachkosten zu tragen. „In manchen Bundesländern werden nur zwischen zehn und 20 Prozent der Kosten einer Vollzeitstelle getragen. Gleichzeitig betont die Politik das Primat der Ehrenamtlichkeit“, machte Hennes Göers auf einen grundsätzlichen Widerspruch aufmerksam.

Dazu sagt FDP-Politiker Martens: „Es ist nachzuvollziehen, dass nach 2005 und den Kostensteigerungen für Gehälter und Material bis zum heutigen Tage sich die Bundesländer um eine Anpassung bemühen müssen.“

Quelle: Bundesverband der Berufsbetreuer/innen e.V. (BdB)


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