Beheizbarkeit der Wohnung

4. November 2019

Nachdem es im Oktober 2019 noch recht warm war und wir einige schöne Tage genießen
konnten, ändern sich nunmehr die Temperaturen drastisch. In den Nächten sinken die
Außentemperaturen gegen Null und auch tagsüber werden deutlich geringere
Temperaturen erreicht.

Wer bislang die Heizung noch nicht angestellt hat, wird dies wahrscheinlich nunmehr tun wollen. Doch was passiert, wenn die Heizung kalt bleibt? Ein Heizungsausfall ist nicht nur eine unangenehme Situation, sondern kann auch gesundheitliche Folgen haben. Was muss also beachtet werden? Wie geht der Mieter in dieser Situation richtig vor?

Eine nicht funktionierende Heizung im Herbst oder gar Winter. Das ist wahrscheinlich für
jeden eine äußerst unangenehme Vorstellung. Leider kommt es immer wieder zu solchen
Fällen. Umso wichtiger ist es für Mieter, ihre Rechte zu kennen und zu wissen, was zu tun
ist.

Wenn man das Gefühl hat, dass es in der Wohnung nicht ausreichend warm wird,
empfiehlt es sich, die Raumtemperatur in allen betroffenen Räumen zu messen.
Gemessen wird hierbei in der Mitte des Raumes in ca. einem Meter Höhe. Häufig finden
sich Regelungen im jeweiligen Mietvertrag zu einer vereinbarten Mindesttemperatur von
ca. 20 bis 22 Grad Celsius.

Gibt der Mietvertrag keine Auskunft darüber, sollten in den Wohnräumen mindestens 20 Grad, in den Bädern mindestens 22 Grad und in Schlafräumen mindestens 18 Grad erreichbar sein. Nachts, zwischen 24:00 Uhr und 06:00 Uhr, darf der Vermieter eine Nachtabsenkung einstellen. Auch in dieser Zeit sollten aber 18 Grad in den Räumen möglich sein.

Liegt die gemessene Raumtemperatur unter diesen Werten, ist von einem Mangel
auszugehen. Der Vermieter ist unverzüglich zu benachrichtigen. Dies kann zunächst
telefonisch erfolgen, sollte jedoch auch schriftlich als Mängelanzeige nachgeholt werden.
Der Mieter sollte die von ihm gemessene Raumtemperatur zudem protokollieren und
nachhalten. Dies ist insbesondere für eine spätere Mietminderung wichtig.
Der Vermieter muss schnellstmöglich handeln und für eine Beheizbarkeit der Wohnung
sorgen, die Heizung gegebenenfalls reparieren lassen. Solange der Mangel besteht, kann
in der Regel auch eine Mietminderung erfolgen. Diese bestimmt sich maßgeblich nach der
Raumtemperatur. Bei einem Totalausfall der Heizung im tiefsten Winter kann eine
Wohnung auch als unbewohnbar gelten. Eine Gesundheitsgefährdung ist dann nicht mehr
auszuschließen.

Eine ausreichende Warmwasserversorgung muss der Vermieter über den gesamten Tag
gewährleisten. Hier darf es auch in der Nachtzeit keine Einschränkungen geben. Die
Wassertemperatur sollte mindestens 40 bis 50 Grad betragen. Diese Temperatur sollte in
der Regel bei einem Vorlauf von maximal 5 Litern über höchstens 10 Sekunden zu
erreichen sein. Ist dies nicht möglich, kann auch hier ein Mangel gegeben sein, der den
Mieter zur Mietminderung berechtigt.

Wie heize ich richtig?

Auch wenn die oben beschriebenen Mindesttemperaturen erreichbar sein müssen, gibt es
für den Mieter keine pauschale Verpflichtung, die Wohnung in dieser Höhe zu beheizen.
Er muss jedoch darauf achten, dass keine Schäden an der Mietsache entstehen, dass
sich insbesondere im Herbst und Winter kein von ihm verursachter Schimmel bilden kann.
Dafür ist es zum einen wichtig, die Wohnung nicht auskühlen zu lassen. Die Heizung sollte
in Abwesenheit nicht vollständig ausgestellt werden. Das Thermostat kann auf eine
niedrigere Stufe gestellt werden. Bei beispielsweise einem längeren Urlaub kann auch die
Frostschutzstellung gewählt werden. Werden die Räume einer Wohnung sehr
unterschiedlich beheizt, heißt es, Türen schließen.

Genauso wichtig, wie das richtige Heizen, ist das richtige Lüften. Eine Kippstellung der
Fenster muss vermieden werden. Die Fenster müssen vollständig geöffnet werden. Je
kälter es draußen ist, desto kürzer kann die Lüftungsdauer sein. In der Regel genügen
wenige Minuten. Es empfehlen sich Querlüftungen. Ein kurzer Durchzug schafft die
warmfeuchte Luft aus der Wohnung nach draußen. Besonders wichtig ist die Lüftung nach
dem Aufstehen im Schlafzimmer und in weiteren Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Über den Tag verteilt sollten ca. 2 bis 3 Lüftungsvorgänge durchgeführt werden. Dies richtet
sich nach dem jeweiligen Wohnverhalten. Ist man sich unsicher, wann und wie häufig
gelüftet werden muss, empfiehlt es sich, die Luftfeuchtigkeit zu überprüfen. Diese sollte in
der Regel zwischen 40 bis 60 % liegen. Durch das Stoßlüften sollten eventuell höhere
Werte schnell in diesen Bereich sinken und auch niedrig bleiben.

Zu guter Letzt müssen Möbelstücke mit einem ausreichenden Abstand zu den Wänden
aufgestellt werden. Die Luft muss die Möglichkeit haben, zu zirkulieren. Besonders wichtig
ist dies vor den Außenwänden.

„Immer wieder stellen Mieter fest, dass sie ausreichend heizen und auch richtig lüften und
gleichwohl eine hohe Luftfeuchtigkeit messen. Die Fenster beschlagen, manchmal bildet
sich Schimmel. In diesen Fällen sollten sich die Betroffenen zunächst die Unterstützung
von einem Mietrechtsexperten sichern“, rät Claus O. Deese, Vorstand des
Mieterschutzbund e. V. „In diesen Fällen kann es bauseitig bedingte Mängel geben, die
der Vermieter beseitigen muss.“

Quelle: Mieterschutzbund e.V.


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