Ausbildungspolitik – so lehrt und lernt man nichts

Eklatante Mängel bei der Ausbildungsqualität. „Der Ausbildungsreport bestätigt erneut eklatante Mängel bei der Ausbildungsqualität. Weniger als 70 Prozent der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Überstunden ohne Anrechnung, fehlende fachliche Anleitung und Betreuung der Azubis sowie schlechte Bezahlung sind in bestimmten Branchen Alltag.

Da muss man sich nicht wundern, wenn Unternehmen ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können oder Azubis ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen“, erklärt Birke Bull-Bischoff, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zum Ausbildungsreport 2019 der DGB-Jugend. Die Abgeordnete weiter:

„Schlechte Arbeitsbedingungen für Azubis sind auch ein Symptom einer verfehlten Ausbildungspolitik. Der von der Bundesregierung vorgelegte Gesetzentwurf zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) reicht nicht aus, um diese Ausbildungsmissstände zu beheben. Wir brauchen endlich gesetzlich definierte Standards, die auf Ausbildungsqualität abzielen. Das beinhaltet: keine Beschäftigung, die über die vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit hinausgeht, Einrichtung von Beschwerdestellen, die ein niedrigschwelliges und barrierefreies Beschwerdemanagement ermöglichen, Abschaffung der Rückkehrpflicht in den Betrieb nach der Berufsschule, einen geeigneten Betreuungsschlüssel von Ausbildern und Azubis sowie Kostenfreiheit der Ausbildung.

Die Bundesregierung und vor allem Bildungsministerin Anja Karliczek müssen sich endlich aktiv für eine Nachjustierung zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und für bessere Arbeitsbedingungen von Azubis einsetzen. Daneben sind auch die Unternehmen in der Pflicht, für mehr Ausbildungsqualität und bessere Ausbildungsbedingungen zu sorgen.

Ein großes Problem besteht in der Vorbereitung der Auszubildenden auf den digitalen Wandel. Berufsschulen und Betriebe müssen die Auszubildenden endlich fit für die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt machen. Derzeit sind kurz vor der Abschlussprüfung nur 60 Prozent der Auszubildenden optimistisch, was ihre Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt angeht.

Es kann nicht sein, dass junge Menschen ohne ausreichende Vorbereitung in die Arbeitswelt 4.0 entlassen werden. Die Berufsschulen müssen endlich modernisiert und das pädagogische Personal für den Einsatz neuer Technologien qualifiziert werden. Dazu ist es nötig, dass die Mittel des Digitalpaktes erhöht werden und auch bei den Berufsschulen ankommen.“

Quelle: Fraktion DIE LINKE

4. September 2019

Weitere Meldungen