Zukunftsaussicht – Bauern vs. Chemieriesen

Gottseidank, schon wieder März!

Natürlich spannt unter 1.000 Bauern höchstens noch einer die Rösslein ein, und dies auch nicht um damit zu eggen und zu säen, sondern nur um zeigen, was er hat – doch die Natur selbst, die heute, soweit „urbar“ gemacht, mit der großen Zugmaschine und dem reichhaltigen Zubehör von der Landmaschinenmesse beackert wird, funktioniert noch.

Funktioniert noch?

Wodurch unterscheidet sich ein Acker von einer Legehennenbatterie? Nun ja. Das Licht kommt von der Sonne und das Wasser aus den Wolken. Aber sonst?

Saatgut, patentiert vom Saatgutriesen. Zumeist so gezüchtet, dass die daraus entstandene Pflanze keine keimfähigen Samen mehr hervorbringt.

Pflanzennahrung vom Düngemittelriesen. Ist zumeist auch zugleich der Saatgutriese.

Dazu jede Menge Gift, gegen Pflanzen und Getier, nach Anweisung des Giftriesen, der zugleich der Düngemittelriese und der Saatgutriese ist, mehrfach ausgebracht, was von den Laboren der Einzelhandelsriesen gewissenhaft überprüft wird. Getreide, Gemüse, Früchte, die nicht richtig begiftet worden sind, kommen nicht in den Handel – jedenfalls nicht da, wo die Einzelhandelsriesen ihre Hallen errichtet haben.

Noch sind die Bauern unverzichtbar, doch bald wird auch die Arbeit des Landwirts nicht mehr bezahlbar sein – und statt Äckern, Wiesen und Feldern werden riesige Tanks mit Nährflüssigkeit befüllt, in denen Bakterien sitzen, die mit den Genen von Tomaten und Kartoffeln, Weizen und Weißkohl, Äpfeln und Birnen so umgebaut wurden, dass sie die Grundstoffe von Ketchup und Pommes, Weißmehl und Sauerkraut, Apfelmus und Birnenschnaps als Stoffwechselprodukte absondern. Der Bakterienscheiß wird kontinuierlich vollautomatisch abgesaugt und den weiteren Verarbeitungsprozessen zugeführt, bis am Ende das appetitlich verpackte Öko-Endprodukt in der mikrowellenfesten Wegwerfschale zum Kauf und zum Verzehr angeboten wird.

Spätestens dann ist alles, was draußen noch grünt und blüht, wächst und gedeiht nur noch Unkraut und kann mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden, damit wir eine vollkommen hygienische Umwelt betreten können, ohne Sorge vor Krankheitserregern und anderem, schlimmen Kleingetier.

Natürlich wachsen künftig auch fertige Bretter aus Nährlösungen, so dass auch der Wald ein überflüssiges, den Blick auf die Werke der Menschen verstellendes Übel darstellt – und wenn es noch ein bisschen weiter geht, dann werden auch die Menschen in Bakterientanks gezüchtet und fix und fertig als nützliche Fachkräfte in blauen Monturen verpackt in die Regale gestellt.

Sie fragen nach dem Sinn dieser Entwicklung?

Irgendwo, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen steht ein prächtiges Schloss mit hunderten von Türmen, Springbrunnen, Wandelgängen, Whirlpools und türkischen Dampfbädern, Kino- und Konzertsälen. Ein Haus, wie ein Kreuzfahrtschiff, nur größer.

Tief im Keller steht der Zentralcomputer, der alles steuert – und im Liegesessel im Wohnzimmer, liegt seit Jahren die ausgedörrte Leiche des großen Gestalters, der der Menschheit alle verfügbare Technik solange nutzbar gemacht hat, bis die Menschen selbst vollkommen unnütz geworden waren. Erst jetzt war der große Gestalter glücklich. Er hatte sich die ganze Welt untertan gemacht – und vor lauter Glück starb am Ende auch er, ganz allein, in seinem riesigen Schloss hinter den sieben Bergen.

Irgendwo inmitten des riesigen, zubetonierten Brachlandes bricht die Spitze eines Grashalms aus einem Riss im Beton.

Quelle: Egon W. Kreutzer

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