Wenn die Bundesregierung heute gegen drohende Altersarmut mehr private Altersvorsorge empfiehlt, so kann das durchaus als Hohn gegenüber den Betroffenen bezeichnet werden

Gesetzliche Rente stärken statt auf private Vorsorge setzen

„Wenn die Bundesregierung heute gegen drohende Altersarmut mehr private Altersvorsorge empfiehlt, so kann das durchaus als Hohn gegenüber den Betroffenen bezeichnet werden.“ Damit reagierte der Präsident der Volkssolidarität, Dr. Wolfram Friedersdorff, am Mittwoch auf Medienberichte zu Ergebnissen des im Auftrag der Bundesregierung erstellten Berichts zur Alterssicherung in Deutschland (ASiD).

„Die Alterssicherung in Deutschland hat durch die politisch gewollte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Absenkung des Leistungsniveaus der gesetzlichen Rente erheblich gelitten. Niedriglöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitslosigkeit bewirken niedrige Renten und Altersarmut.“ Gerade jetzt, nachdem parteiübergreifend ein Scheitern der Riester-Rente festgestellt wurde, sei der Rat zu mehr privater Altersvorsorge mehr als ein schlechter Scherz und ignoriere die Ursachen, betonte der Verbandspräsident. „Statt auf mehr private Altersvorsorge zu setzen, brauchen wir eine stärkere Orientierung der gesetzlichen Rente auf die Sicherung eines Lebensstandards im Alter, der nach einem längeren Arbeitsleben deutlich oberhalb der Grundsicherung liegt – auch für diejenigen, die mit ihren Löhnen unterhalb des Durchschnittseinkommens liegen. Dazu muss als erster Schritt die weitere Absenkung des Leistungsniveaus der gesetzlichen Rente gestoppt werden.“

Dr. Friedersdorff verwies auf die Vorschläge der Volkssolidarität zum Reformbedarf in der Alterssicherung, die der Verband kürzlich mit seinen „Rentenpolitischen Leitlinien“ vorstellte.

Quelle: Volkssolidarität

26. Oktober 2016

2 Kommentare

  1. Was wir brauchen ist keine Rente, in der NUR ein Teil der Bevölkerung einzahlt.

    Wir brauchen ein System, an dem JEDER einen Anteil am Bruttosozialprodukt bekommt.

    Und dieses umfasst auch die 35%, die jedes Jahr als Gewinne in die Taschen Weniger gehen.

  2. Jörg Freundlich (Pseudonym)

    27. Oktober 2016 um 14:57

    Selbstverständlich kann man nicht sparen und private Altersvorsorge betreiben von Geldern, die man nicht hat. Das betrifft in erster Linie die prekär Beschäftigten und Geringverdiener, die aufgrund ihrer gebrochenen Erwerbsbiographien keine Rentenbeiträge leisten und auskömmliche Rente nicht ansparen konnten. All jene werden im Alter Armut erleiden müssen und ihre Gesundheit nicht mehr bezahlen können. Die Erfahrung zeigt, dass auf die gesetzliche Krankenversicherung eben kein Verlass ist. Die Betroffenen werden also quasi durch ein „sozialverträgliches Frühversterben“ ihren Beitrag zur Rentensicherung leisten müssen – dies, um dem früheren Ärztepräsidenten, Karsen Vilmar, die Ehre zu geben, der geschasst wurde allein deshalb, weil er weise in die Zukunft hat blicken können.

    In zweiter Linie betrifft es aber auch den Mittelstand und die selbstständig Erwerbstätigen. Denn die kriegen erst gar nichts für ihr Erspartes, weil die seit Jahren andauernde faktische Null-Zinspolitik keine Zinsen mehr hergibt. Das Ergebnis ist ein gigantischer Klau und gemeiner Raubzug des Staates gegen all jene, die – gleich ob sie nun können oder nicht – private Altersvorsorge betreiben wollen. Und warum ist das so? Einfach deshalb, weil diese und kommende Regierungen die enorme Staatsverschuldung anders als durch Null-Zinspolitik nicht finanzieren können. Auf einen Nenner gebracht heißt das: Du bis nichts, der Staat ist alles!

    Nein, ich will keine Parallele zur Nazi-Zeit ziehen, sondern nur aufmerksam machen darauf, dass der Widerspruch, wieso eine Summe von nichts plötzlich alles sein soll, weder mathematisch noch physikalisch darstellbar ist und die Niedrigzinsphase jedweder Art gleich einem Naturgesetz von vornherein zwingend zum Scheitern verurteilt ist.

    Ob die Stärkung der gesetzlichen Rente tatsächlich ein Ausweg ist, wage ich zu bezweifeln – angesichts der umgekehrten Alterspyramide, die im Übrigen aussieht wie ein Atompilz. Mir persönlich kommt die Diskussion um die Stärkung der Alterssicherung vor wie ein schauriger Hexentanz vor dem Abgrund.

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