Die SPD hatte ein selbstverschuldetes Problem, dass darin bestand, dass die Partei, einschließlich ihres Vorsitzenden, der Überzeugung war, mit Sigmar Gabriel bei der Wahl zum Deutschen Bundestag im September keinen Blumentopf gewinnen zu können – und – dass die Partei, einschließlich ihres Vorsitzenden, der irrigen Überzeugung war, sie müsse einen Kanzlerkandidaten aufbieten, um mit der CDU/CSU auf Augenhöhe in den Wahlkampf ziehen zu können.

Unglücklicherweise befindet sich die SPD aber in der gleichen Situation wie die CDU. Es fehlt an dem, was man gewöhnlich „Personaldecke“ nennt, und diejenigen, die vielleicht heimlich mit dem Gedanken der eigenen Kanzlerschaft spielen, wie Olaf Scholz, Hannelore Kraft, Thomas Oppermann, Andrea Nahles, ja sogar Ralf Stegner, waren realistisch genug, um zu wissen, dass sie weder den notwendigen Rückhalt in der eigenen Partei finden würden, noch ihre Kandidatur von Erfolg gekrönt sein könnte, weil die SPD für die Wahl 2017 einfach schon viel zu weit in den Keller gerutscht war, um den Gedanken an eine Regierungsbildung unter SPD-Führung auch nur träumen zu wagen.

Anderslautende öffentliche Meinungsäußerungen, die Wahlchancen der SPD betreffend, gehören in die Rubrik „alternative Fakten“.

Dass der in Brüssel gerade arbeitslos gewordene Martin Schulz da wie ein Geschenk des Himmels daherkam, kann man durchaus verständnisvoll nachvollziehen. Auch dass Martin Schulz zusagte, der SPD den Kandidaten zu machen, kann man verständnisvoll nachvollziehen. Was hätte er denn sonst machen sollen? Rente mit 61? Oder noch einmal Bürgermeister von Würselen?

So haben sich also mit Martin Schulz und der SPD zwei getroffen die sich gegenseitig als jenen Strohhalm angesehen haben, an den man sich klammern muss, will man nicht untergehen. Da war es auch nicht mehr schwer, Schulz auch gleich noch den Parteivorsitz zu überlassen, denn damit war sichergestellt, dass er den Misserfolg am Ende ganz alleine zu verantworten haben würde.

Der Freudentaumel der alten Tante SPD darüber, Gabriel endlich ohne schmerzhafte und langwierige Selbstzerfleischung losgeworden zu sein, erforderte es allerdings auch, den Nachfolger und Kanzlerkandidaten als den Erlöser zu feiern.

Der König ist tot – es lebe der König!

( … )

Wie er nun weiter lebt, erfahren sie unter der Quelle: Egon W. Kreutzer

7. Februar 2017