Unaufrichtige Betreuungspolitik
Zum anhaltenden Koalitionsstreit um die Einführung eines Betreuungsgeldes erklärt Ekin Deligöz, kinder- und familienpolitische Sprecherin:
Das groteske Getöse um das Betreuungsgeld übertönt das komplette Schweigen von Bundesregierung und Ländern zur Qualität von Kinderkrippen und Kindergärten. Es wäre zu schön, würde auch nur einmal so lautstark um höhere Kitaqualität wie um das Betreuungsgeld gestritten. Hochwertige Betreuung und Bildung kommt nur in ihren Sonntagsreden vor.
Mehr Angebotsqualität ist aber nur mit zusätzlichen finanziellen Anstrengungen zu erreichen. Davor schrecken vor allem die Länder zurück, obwohl sie Betreuung und Bildung immer als ihre ureigenste Domäne betrachten. Einige sähen es lieber, dass der Bund auf ihren Wunsch hin Milliarden dafür bezahlt, dass Kinder nicht in eine Kita gehen. Das ist unaufrichtig und lässt Zweifel aufkommen, ob ihnen nicht Parteistrategien doch wichtiger sind als eine auf das Kinderwohl orientierte Politik.
In der Fachwelt ist man sich einig: Die Qualität unserer Kindertagesbetreuung ist im Durchschnitt unzureichend. Gemessen an der Bedeutung, die die Frühförderung für die kindliche Entwicklung hat, ist eine gerade mal mittelmäßige Angebotsqualität nicht zu rechtfertigen. Die Ansatzpunkte für eine wirksame Qualitätsinitiative liegen auf der Hand. Der strukturelle Rahmen für die pädagogische Arbeit muss verbessert werden, wie etwa kleinere Gruppen und weniger Kinder pro Erzieherin oder Erzieher, Grund- und Weiterqualifikation des Personals muss angehoben werden, für einen Gutteil der Beschäftigten auf (Fach)Hochschulniveau. Nationale Grundstandards bei der Qualität sind die Voraussetzung für ein effizientes und transparentes Qualitätsmanagement
Quelle: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
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