Tatort Arbeitsplatz – lieber ausgenutzt als arbeitslos?
Berlin – „Tatort Arbeitsplatz – lieber ausgenutzt als arbeitslos?“ lautet das Thema der Sendung ANNE WILL am Sonntag, 1. Februar 2009, um 21.45 Uhr im Ersten.
Extremer Druck auf die Angestellten, unbezahlte Überstunden, eine Atmosphäre des Misstrauens – und das alles dient nur einem Ziel: Billig zu sein um jeden Preis. So schildert der „Tatort“ mit dem Titel „Kassensturz“ am Sonntagabend im Ersten die Zustände bei einem deutschen Lebensmittel-Discounter.
- Ist dies nur Fiktion oder tatsächlich Realität?
- Wie steht es wirklich um die Arbeitsbedingungen in Deutschland, speziell im Discounter-Bereich?
- Wer schützt die Arbeitnehmer vor unzumutbaren Bedingungen?
- Tragen auch die Kunden mit ihrer „Geiz-Mentalität“ Verantwortung?
- Und werden sich die Arbeitsbedingungen in Deutschland im Zuge der Wirtschaftskrise noch verschlechtern?
- Müssen Arbeitnehmer also immer mehr Zugeständnisse machen, um ihren Job zu behalten?
Hierzu werden am 1. Februar bei Anne Will zu Gast sein:
- Rudolf Dreßler (SPD), Sozialexperte
- Laurenz Meyer (CDU), wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
- Michael Rogowski, ehemaliger BDI-Präsident
- Lilo Friedrich, Putz-Unternehmerin
- Roland Tremper, Geschäftsführer ver.di Berlin
- Ulrike Schramm-de Robertis, Filialleiterin und Betriebsrätin bei Lidl
Quelle: Presse ANNE WILL– politisch denken, persönlich fragen
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1. ... Kommentar von freidenker
am Montag, 2.2.2009.
Tatort Arbeitsplatz- lieber ausgenutzt als arbeitslos?
Dass dies ein “neues” Thema in unserer Gesellschaft ist, glaube ich nicht. Ebenso wenig, dass es auf den Discouterbereich beschränkt ist. Persönlich erfahren habe ich z.B. vielfältige Formen der Ausbeutung, Diskriminierung und Mobbing in der Bankbranche seit vielen Jahren. So war es bei einem Institut z.B. üblich, Mehrarbeit nicht zu verrechnen, die über die gesetzlich zulässige Stundenzahl hinausging, obwohl die Arbeitsleistung verlangt wurde. Dies geschah in zweierlei Weise: bei Dienstreisen, die zulange tägliche Arbeitszeiten mit sich brachten, wurde pro Tag nur die höchstzulässige Arbeitszeit anerkannt, der Rest gestrichen. Wenn ein Mitarbeiter in der Bank zu lange arbeiten musste, waren die Stempeluhren so geschaltet, dass die Arbeitszeit über die gesetzliche Höchstgrenze nicht mehr registriert wurde. Dies muss in den Vorstandsetagen und der Personalabteilung bekannt gewesen sein. Auch ein Betriebsrat war vorhanden.
Persönlich Blossstellung und Demütigung vor anderen durch Vorgesetzte sind nicht ungewöhnlich, gerne bei Mitarbeitern, die der Führungskraft fachlich gefährlich sind oder andere Meinung vertreten. Auch nicht unüblich sind “vergessen” was man zugesagt, angeordnet, vereinbart hat. Auch Aufhetzen gegen unliebsame Mitarbeiter hat traurige Tradition (wobei hier durchaus auch krankhafte persönliche Rachegelüste die Triebfeder sein können). Wer die Makellosigkeit deutscher Führungskräfte glaubt, ist schlicht naiv.
Auch die in der Sendung “Anne Will” präsentierten Beispiele machen für mich nur eines deutlich: es gibt eine Vielzahl an gesetzlichen Regelungen, nur an der Anwendung und der staatlichen Kontrolle zur Einhaltung fehlt es.
Perverserweise versuchte man, Kunden von Discountern Schuld an arbeits- und menschenrechtlichen Verstössen in diesem Einzelhandelssektor zu suggerieren. Es ist aber kein Verbrechen, in einem Discounter einzukaufen- die Verletzung geltender rechtlicher Normen geschieht in den Führungsebenen der entsprechenden Unternehmen! Und diese Personen können sich in unserem “Rechtsstaat” den möglichen Sanktionen sehr gut entziehen, siehe angesprochene Bewährungsstrafe wegen Steuerdelikten.
Und dies gilt leider für sehr viele weitere Bereiche in unserem Staat genauso: die gesetzlichen Voraussetzungen wären gegeben, allein mangelt es an der notwendigen staatlichen Kontrolle über die Einhaltung und der Ahndung von Gesetzesverstössen.
Mehr noch: die Finanzkrise hätte nie diese Ausmasse annehmen können, hätten die Aufsichtsbehörden ihre Tätigkeit in vorgeschriebenem Masse erfüllt. So wird der Bürger um mehrstellige Millardenbeträge geprellt- da mutet es schon skurril an, dass eine Kassierin nach 30jähriger Betriebszugehörigkeit wegen Verdacht der Unterschlagung von € 1,60 fristlos gekündigt werden kann. Würde man diesen Grundsatz auf Manager anwenden, würden in den Führungsetagen deutscher Unternehmen viele Büros dauerhaft leer stehen.
Was Deutschland braucht, sind wieder frei und unabhängig denkende Bürgerinnen und Bürger, die nicht von Blendern, wiederwahlorientierten Politikern, marketinggeschulten Lobbyisten und Geld manipuliert werden können. Wehrt Euch gegen die Lügen und Aufhetze!
Der Betrug um die Altersabsicherung durch Kürzung der Rentenansprüche auf ein für ein menschenwürdiges Leben nicht ausreichendes Niveau und Verlängerung der Lebensarbeitszeit bei extrem hoher Arbeitslosenquote ist ein existentielles Thema für die meisten Bundesbürger (außer die bereits in Rente sind oder in absehbarer Zeit Rente erhalten). Jedem logisch denkenden Menschen muss klar sein, dass ein System, bei dem alles, was auf einer Seite eingenommen wird, auf der anderen sofort wieder ausgegeben wird, nicht lange funktionieren kann. Bei der geringsten Verschiebung dieses labilen Gleichgewichtes bricht das System zusammen, was wir beim Rentensystem seit Jahren erleben.
Weiterhin endlich ein Ende der Volksverhetze gegen Arbeitslose, ein Ende des Arbeitslosenstatistikbetruges, ein Ende der immer dreisteren Ausbeute Erwerbstätiger in Billiglohnjobs!
Fordert Politik für mehr Arbeitsplätze, nicht für Unternehmen, die dann nach dem Kassieren von Subventionen die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern!
Es wird Zeit, die soziale Absicherung in Deutschland wieder aufzubauen, beendet den Raubbau der gewissenlosen Politiker! Es kann kein Argument sein, dass die Absicherung in vielen Ländern schlechter ist- schlechtere Lebensbedingungen zu schaffen kann kein Ziel sein.
Jeder sollte sich vor Augen führen, dass er seine Arbeit verlieren oder erkranken kann- nach maximal 12 Monaten Arbeitslosengeld darf dann jeder erst mal sein lebenslang erwirtschaftetes Guthaben verbrauchen, bevor ihm der Staat ein Existenzminimum zugesteht. Super!
Absolut unabdingbar wäre auch die gesetzliche Rente für Politiker und Beamte, eine Ungleichbehandlung ist in keinster Weise nachvollziehbar und würde damit auch indirekt die Altersversorgung der Bürger sichern, da dann von politischer Seite für ein auskömmliches Rentenniveau gesorgt würde. Auch weitere Ausnahmen von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht (Juristen, Architekten, Ingenieure, Ärzte, Apotheker) sind in keinster Weise zu rechtfertigen- endlich Schluss mit dieser Ungerechtigkeit! Wer mehr möchte, kann sich ja zusätzlich absichern- wie dies ja mittlerweile auch den gesetzlich Rentenversicherten vom Staat empfohlen wird- nur haben die keine Möglichkeit, sich vor dem gesetzlichen Rentenbeitragsdiebstahl zu schützen.
Ein weiteres Betrugsthema- der Gesundheitsfonds- muss endlich entlarft werden- Mehrkosten für fast alle bei massivem Aufbau von Verwaltungsaufwand, der niemandem nützt. Besser wäre ein einfaches Verrechnungssystem, das jeder durchschauen kann und Rechnungen für den Patienten für jede Leistung, ausserdem der Erhalt des Wettbewerbs der Krankenkassen untereinander durch eigene Beitragsgestaltung- und die Abschaffung des Privilegs der Privatversicherung. Auch hier kann man bei Bedarf persönliche Zusatzversicherungen abschliessen.
Ich bin der Überzeugung, nur wenn alle Rahmenbedingungen in unserem Staat stimmen, sind Gerechtigkeit und menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen für den einzelnen möglich, nur dann verdient die Gesellschaftform den Namen Sozial- und Rechtsstaat. Damit sich Leistung lohnt, müssen die Lohnnebenkosten und Steuern gesenkt werden. Und es wird endlich Zeit, den Solidaritätszuschlag zu streichen- auch der ist absolut nicht mehr zu rechtfertigen.
Und für viele Bereiche würden die vorhandenen gesetzlichen Regelungen ausreichen, sie müssten nur angewandt werden und den Bürgern ein einfacherer Zugang zur gerichtlichen Umsetzung möglich gemacht werden.
2. ... Kommentar von Ernie
am Montag, 2.2.2009.
Ich meine, schon seit einigen Jahren zwei Entwicklungen beobachten zu können: eine zum Arbeitsboykott und eine zur Leistungsvortäuschung. Die Qualität von Arbeit wird immer schlechter, weil die Entlohnung immer schlechter wird. Immer mehr arbeitenden Menschen wird klar, dass sich das Arbeiten für sie nicht mehr lohnt.
Als jemand, der schon einmal in einem Supermarkt gearbeitet hat, könnte ich einen TV-Krimi (”Tatort”) mit Schikane-Szenen im Supermarkt nicht ertragen. Für diejenigen, die das noch nicht kennen, ist das eventuell eine gute Aufklärung. Wofür die Anne-Will-Sendung gut sein soll, weiß ich nicht.
MfG Ernie
3. ... Kommentar von Solidar
am Montag, 2.2.2009.
Der KOmmentar ist zu 100% Stimmig,auch ich habe ähnliches erlebt.
Das gab es alles schon vor Jahrzehnten,nur seit HARTZ,ist alles nocheinmal drastisch verschärft worden,weil Deutschland um jeden Preis,Exportweltmeister bleiben will,und um jeden Preis den GEWINN MAXIMIEREN will.
Sozial ist abgeschafft!
Wer von Sozial spricht,………reine Lippenbekenntnisse.
4. ... Kommentar von alex
am Montag, 2.2.2009.
Tja, da bin ich aber dieses Jahr einmal gespannt, wer gewählt wird. Ich bin mir sicher, die Hessen-Wahl war nur ein Vorgeschmack für unsere künftige Bundesregierung. Die Wohlhabenden haben ihr Ziel doch schon erreicht - den Armen einzureden: “mit Wahlen ändert man ja doch nichts und alle Politiker sind eh gleich, alle Parteien gleich korrupt - geht erst gar nicht wählen, ihr Armen, oder würgt den Politikern so richtig eins rein, in dem ihr den Wahlzettel ungültig macht!”
Das ist auch der Fluch des Informationszeitalters per Internet - vermeintliche Aufklärung in Blogs, die ständig empfehlen, nicht wählen zu gehen oder die Wahlzettel ungültig zu machen.
Die Armen werden immer mehr - daher will die Politik und die Elite nicht, dass diese Ihr Wahlrecht auch ausüben. Verschwörung hin, Verschwörung her - der Elite ist es lieber, die Armen rasten aus und machen mit Gewalt ihrem Unmut Luft. Denn dann kann der Polizeiapparat erst richtig ans Laufen gebracht werden.
5. ... Kommentar von Harry Gambler
am Dienstag, 30.6.2009.
Die Discounter fallen uns nur auf, weil viele von dort auch Kunden sind. Mobbing, denn darunter gehört die Ausnutzung, ist bei uns heute üblich, um das Personal zu leiten. Früher hieß das, Vogel friß oder stirb.
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