Zum Tag der Sehbehinderten am 6. Juni: Barrieren im Haushalt – Sehbehinderte Menschen können Geräte oft nicht bedienen

Moderne Haushaltsgeräte haben heutzutage statt Druckknöpfen, Kipp- und Schiebeschaltern immer öfter Touchscreen und Sensortasten. Was für die einen modern und gut zu bedienen ist, stellt blinde und sehbehinderte Menschen vor ein großes Problem. Sie können die Waschmaschine oder den Herd dann nicht mehr benutzen.

Stellen Sie sich vor, Ihre Waschmaschine gibt den Geist auf. Eine Reparatur käme zu teuer, deshalb soll eine neue her. Vielleicht ein Gerät der aktuellen Generation ohne Schalter, dafür mit Tasten, die auf Fingerdruck reagieren. Für Menschen ohne Beeinträchtigung kein Problem. Wer schlecht sieht oder blind ist, kann diese Geräte nicht mehr bedienen.

Denn sie haben keine fühlbaren Schalter mehr, die man einrasten merkt und klicken hört. Moderne Bedienelemente setzen dagegen allein auf den Sehsinn. Zudem machen viele Displays mit zu kleiner Schrift und kontrastarmen Symbolen sehbehinderten Menschen das Leben schwer.

Keine Ausgrenzung

„Wenn man Haushaltsgeräte angeboten bekommt, die man nicht mehr selbst bedienen kann, ist das diskriminierend“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Technik, die in so elementaren Lebensbereichen wie Wäschepflege, Nahrungszubereitung und Kommunikation eingesetzt wird und mangels Bedienbarkeit behindert, anstatt zu helfen, gehört nicht in unsere moderne Zeit. Barrierefreiheit muss zum grundlegenden Design- und Qualitätsmerkmal werden. Niemand darf im Alltag wegen seiner Beeinträchtigung ausgeschlossen werden. Das ist das Grundanliegen der bundesweiten VdK-Kampagne Weg mit den Barrieren!

Umdenken erforderlich

Die VdK-Forderung teilt auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), der festgestellt hat: Mittlerweile ist mehr oder minder die gesamte Produktpalette der Haushaltsgeräte für Blinde und Sehbehinderte gar nicht mehr oder nur eingeschränkt bedienbar. „Es gibt hier noch viel zu tun, das haben auch die Hersteller erkannt“, so Hilke Groenewold vom DBSV.

Ein positives Beispiel konnte Susanne Wegener-Dreckmann auf der Internationalen Funkausstellung 2016 (IFA) in Berlin präsentieren. Sie ist blind und arbeitet in der Produktion bei Miele. „Ich habe den Kollegen im Design-Center gesagt, worauf sie achten müssen, wenn sie neue Geräte planen“, sagt sie. Das Ergebnis ist eine neue Waschmaschine, die von Blinden und Sehbehinderten gut zu bedienen ist und im Frühjahr auf den Markt kommen soll. Das Bedienfeld ist mit einer Folie versehen, auf der man durch eine fühlbare Linie zu den Programmen geleitet wird. Zusätzlich wird mit akustischen Signalen gearbeitet. Je höher der Ton, umso höher die eingestellte Temperatur.

Von einfach bedienbaren Geräten im Haushalt profitieren übrigens nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern alle. Denn wer ist nicht schon mal an einer unverständlichen Bedienungsanleitung verzweifelt und brauchte Stunden, um seinen neuen Fernseher in Gang zu bringen?

Quelle: Presse Sozialverband VdK

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6. Juni 2017