Tag des Prekariats: Santa-Precaria die verdrängte Schutzheilige der prekarisierten Massen

Gewerkschaften und AK gehen auf Tauschstation

(Wien/Graz/Klagenfurt, 29.2.2016) Heute, Montag, 29.02.2016, ist es wieder einmal soweit: Es findet der Santa-Precaria-Tag statt. Dieser wurde im Jahr 2001 in Italien ins Leben gerufen und wird weltweit alle vier Jahre zelebriert. Santa Precaria bzw. San Precario sind die Schutzheiligen für prekär Beschäftigte.

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir erkennen müssen, dass es dank technischer Rationalisierung (Robotisierung, Industrie 4.0, weitere Informatisierung, …) und Globalisierung die Wirtschaft für immer mehr Menschen immer weniger Existenz sichernde Erwerbsarbeit anbietet. Viele der Erwerbsarbeits­plätze, die es noch gibt, sind schlecht bezahlt, sind prekäre Arbeitsplätze in Form von geringfügigen Beschäftigungen, Teilzeit- und Leiharbeit, Praktika, befristeten Dienstverhältnissen und Scheinselbständigkeit.

Die von Prekarisierung Betroffenen sind die modernen Tagelöhner, „Working Poor“, „All-Inclusive-Vertragsnehmer“. Sie sollen am Santa-Precaria-Tag in den Mittelpunkt gestellt werden, um ein Bewusstsein für die weiter voranschreitenden Prekarisierung von immer mehr Arbeitsbereichen zu schaffen.

Der Rest des „Menschenmaterials“ wird vom immer totalitärer agierenden Wirtschaftssystem einfach als „Überflüssige“ ausgeschieden und in kleinen Schritten vernichtet bzw. hin und her geschoben und gegeneinander ausgespielt. Die zum Teil künstlich geschaffene und hoch gespielte „Flüchtlingskrise“ zeigt eindrucksvoll das Versagen der Politik und wie die Herrschenden mit den entrechteten Menschenmassen umgehen.

Der Tag der Prekarisierten wird mit Aktionen im öffentlichen Raum gestaltet.

Nicht so im sozialpartnerschaftlichen Österreich. Nachdem 2008 sogar Erwerbsloseninitiativen zu gemeinsamen Aktionen eingeladen worden waren, sind Gewerkschaften und AK mittlerweile auf Tauchstation gegangen. Die grundlegende Mehrfachdauerkrise des Kapitalismus wird nun erst recht geleugnet und das Wirtschaftswachstum, das Jobs schaffen soll, wird wie unter Drogen stehend weiter angebetet.

Weil uns die BerufsfunktionärInnen der parteipolitisch beherrschten Gewerkschaften und Arbeiterkammern völlig im Stich lassen bleibt uns stumm Gemachten einstweilen nur noch das stille Gedenken an Santa Precaria.

Löbliche Ausnahme: Die parteiunabhängige „Linke Steiermark“ verteilt von 15:00 – 18:00 Uhr Flugblätter am Grazer Hauptpatz

http://www.linkestmk.at/?p=7391

Auch zum internationalen Aktionstag „transnationalen Streik“ am 1. März herrscht großteils Funkstille im paternalistischen Österreich.

http://www.aktive-arbeitslose.at/news/20130301_transnationaler_migrantinnenstreik.html

Gebet der San Precaria und des San Precario (http://prekaer.at/gebet/):

Oh heilige Precaria, Oh heiliger Precario!

Beschützer unser, der Prekären dieser Erde.
Gepriesen sei die Krise des Kapitalismus,
dessen Ende und das schöne Leben komme.

Ein Wunder geschehe!
Verhilf uns zu bezahltem Urlaub, Mutterschutz und Krankenstand,
zu Arbeitslosengeld, Pensionsbeiträgen und Mindestlohn.
Erlöse uns von Scheinselbstständigkeit, von Leih- und Zeitarbeit.
Schütze uns vor unsicheren Existenzen als undokumentiert Arbeitende und arbeitende Arme.

Heilige Precaria,
erhöre unsere bescheidenen Bitten: Errette uns von der Lohnarbeit.
Bewahre uns vor Polizeirepression und Fahrscheinkontrollen, Sozialämtern und AMS,
vor der Not an Freiräumen und Kinderbetreuungsplätzen.
Öffne uns leerstehende Häuser, gib uns Wagenburgen und Kost-Nix-Läden.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse du uns von Regierungen, Banken und Konzernen.
Unser bedingungsloses Grundeinkommen gib uns heute,
wie auch Bewegungsfreiheit und Bleiberecht.
Jetzt für alle und in alle Ewigkeit.

MAYDAY!

Im Namen des Klassenkampfes,
der alternativen Ökonomien,
und des Luxus’ für alle.
Organisieren wir uns!

(1) Online-Kampagne: Nein zur Arbeitszeitverlängerung und zu All-Inclusive-Verträgen
http://www.aktive-arbeitslose.at/news/20151202_all-inclusiv-arbeitsvertrag_arbeitszeitverlaengerung.html

Quelle: Aktive Arbeitslose Österreich