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Täuschungsmanöver der Bundesagentur für Arbeit gegen Hartz IV-Kunden

Bild: Hartz IV PlattformHartz4-Plattform kritisiert: Rechte-Einschränkung statt sog. „Bürgerfreundlichkeit“

„Das ist ein skandalöser, neuerlicher Versuch der Bundesagentur für Arbeit (BA), die Rechte von Hartz IV-Betroffenen einzuschränken,“ stellt Hartz4-Plattform Sprecherin Brigitte Vallenthin empört gegenüber dem Sozialticker fest.

„Mit beschämendem Täuschen und Tarnen wollte die BA der Öffentlichkeit mit einer Presseerklärung der letzten Woche als angeblich „bürgerfreundlicher“ verkaufen, was in Wahrheit die rechtlichen Chancen der Betroffenen einschränkt – wie bisher erfolgreich gegen rechtswidrige Bescheide vor den Sozialgerichten um ihre Rechte zu kämpfen. Nach unserer Einschätzung und Erfahrung offenbart diese Aktion keineswegs den Wunsch der BA, tatsächlich „Bürgerfreundlichkeit“ in ihren Verwaltungen einkehren zu lassen. Im Gegenteil: wir sehen darin den untauglichen Versuch, der nicht beherrschbaren Flut von überwiegend erfolgreichen Prozessen vor den Sozialgerichten Herr zu werden.“

Mit Presseerklärung vom 17. Mai hatte die BA den Start „bürgerfreundlicherer Bescheide“ in Sachen Hartz IV angekündigt. Sie gab darin vor, „Verständigungsschwierigkeiten“ durch die Beseitigung von „Amtsdeutsch“ beheben zu wollen. Dass bei allen Betroffenen gegenüber diesen ungewohnt freundlichen Tönen begründete Skepsis angesagt ist, lässt die BA selber erkennen, wenn sie schreibt, „unnötige Hürden zwischen Bürgern und Verwaltung“ abbauen zu wollen. Und noch deutlicher: „Heinrich Alt (…) erhofft sich dadurch auch eine Reduzierung von Widersprüchen.“

Die BA fährt in ihrer Presseerklärung fort, dass sie die „neuen Formulierungen (…) in der Praxis getestet“ habe. Ihr – mit Sicherheit nicht repräsentatives – Ergebnis: „Die Reaktionen der Kunden waren durchweg positiv.“

Dass es nur um Vertuschen und Behindern des Rechtsweges für die BA-“Kunden“ geht, wird nach Einschätzung der Hartz4-Plattform spätestens mit den angeführten Beispielen deutlich. „Da wird nicht „Amtsdeutsch“ weg genommen sondern vielmehr die Paragrafen raus genommen, auf die ein Widerspruch begründet werden kann,“ stellt Brigitte Vallenthin gegenüber dem Sozialticker fest. Das bedeutet schlicht und einfach, dass die BA mal wieder, und nicht zum ersten Mal zur Umgehung ihrer Rechtspflichten auffordert. Denn Sozialgesetze und Rechtsprechung verlangen ausdrücklich von den Verwaltungen, Begründungen und Rechtsgrundlagen für ihre Verwaltungsakte zu benennen. Es reicht nicht – wie im angeführten Beispiel – pauschale und allgemeine Erklärungen abzugeben. Für die BA-“Kunden“ aber wird auf diese Weise die Sache mit zusätzlichem Schriftverkehr erschwert, um erst einmal Begründung und Rechtsgrundlage anzufordern. Und dieser Umweg ist nicht problemlos, denn gleichzeitig läuft die Widerspruchsfrist.

Das Beispiel der BA:

„Die BA kann sich im Sinne der großen Zahl von Betroffenen nicht mit flotten Sprüchen aus ihren gesetzlichen Pflichten stehlen, die lapidar lauten „Alles klar?! - Amtsdeutsch ade“. Nichts ist klar, wie das Beispiel des neuen Textes zeigt,“ so Vallenthin.

Dabei wäre nach Einschätzung der Hartz4-Plattform in Wahrheit alles ganz einfach, die „Kunden“ wären zufrieden und die Sozialgerichte würden nicht mehr überflutet: und dieser ganze schönfärbende Etikettenschwindel wäre überflüssig. Die BA-Verwaltungen müssten einfach nur ordentliche, ungekürzte Leistungs-Bescheide ausstellten – so wie es das Gesetz von ihnen verlangt.

„Deshalb fordern wir die BA auf, unverzüglich diese neuen Bescheide einzustampfen und endlich ihre „Kunden“ ehrlich zu bedienen und ohne Täuschungsmanöver,“ fasst Brigitte Vallenthin gegenüber dem Sozialticker zusammen. „Andernfalls können wir nur jedem empfehlen, gegen diese neuen Bescheide wegen rechtlich ungenügender Form grundsätzlich Widerspruch einzulegen und der BA das erneute Anschwellen der Sozial-Prozess-Flut zu bescheren, das sie mit ihrem Rechtsverstoß selber provoziert hat.“

Quelle: Presse Hartz4-Plattform - keine Armut! - kein Hunger! - kein Verlust von Menschenwürde!

Startseite - Veröffentlicht von: Steinbock   am: 25. Mai 2010 um 17:57 Uhr - Haftungsausschluss     Sie möchten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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4 Kommentare / Fragen

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1. ... Kommentar von Hans am Dienstag, 25.5.2010.

Lügen und Betrügen ist das Motto unserer derzeitigen Regierung und anderer Ämter……….. !!!


2. ... Kommentar von Sancho am Mittwoch, 26.5.2010.

Das ist nicht nur auf dem Misst der BA gewachsen sonder kommt von ganz oben und ist durch Fachleute in den Ministerien zur Kostendämpfung genau auskalkuliert. Das war auch mit den Bescheiden schon immer so, und wer Erfahrung mit diesem Gesoc……….hat weiß, dass man sich nicht beirren lassen darf und wenn nötigt sein Recht, soweit man es in Deutschland, trotz Gesetze, überhaupt noch bekommt, einklagen muss. Wobei diese Institution trotzdem, bei der absichtlichen Arbeitsgeschwindigkeit unserer Gerichte, oder soll man lieber sagen den Gerichten dieses Staates, noch Zeit gewinnt, wenn die Verfahren verschleppt werden.


3. ... Kommentar von Korbacherjunge am Mittwoch, 26.5.2010.

JA genau Lügen und Betrügen tun sie auch in der ARGE in Waldeck - Frankenberg und hier im besonderen in Korbach.


4. ... Kommentar von willeried am Mittwoch, 26.5.2010.

Das Grundlegende Problem von Hartz IV ist die Umsetzung seitens der Kommunen und die sich daraus ergebenden Ausgliederungen von Leistungsabteilungen der ARGEN in eigene kommunale Rechtsbehelfstellen. Somit reglementieren kommunale Politiker die Sozialausgaben der Kreisfreien Städte und Landkreise. Dieser soziale Rechtbruch wurde nun per Grundgesetzänderung in legale Bahnen geleitet um die Kommunen vorerst zu entlasten.
Sozialgesetze und Rechtsprechung finden bei den Rechtsbehelfstellen nur wenig gehör, handeln Sie doch zum Wohle der jeweiligen Kommunen. Was die Handlungsunfähigkeit der Kommunen lediglich hinauszuzögern wird und sich eher in einem Verteilungsproblem widerspiegelt.
So wird die Union auch weiterhin Ihre bereits im Hartz IV-Vermittlungsausschuss auf 600 Seiten verschärfte Gesetzgebung nützen um mit verschiedenen Täuschungsmanövern den gesetzlichen Individualanspruch letztendlich auszuhebeln.


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