Sozialticket für Bochum
Obwohl wir in einem der reichsten Länder der Welt leben, wächst seit Jahren die Zahl der von Armut betroffenen Menschen auch in unserer Stadt. Allein die ARGE Bochum bilanziert, dass im Jahr 2007 rund 38.600 Menschen auf ihre Leistungen angewiesen waren. Hinzu kommen Tausende weitere von Armut betroffene, die z. B. eine niedrige Rente empfangen, einen Lohn bekommen, der kaum zum Leben reicht oder die auf Unterstützung als Asylsuchende angewiesen sind. Eine menschenwürdige Teilhabe an unserer Gesellschaft wird ihnen verweigert, obwohl dies zumindest in Teilbereichen oft mit relativ geringem Aufwand möglich wäre. Ein Beispiel hierfür ist der Ausschluss von den Möglichkeiten der Mobilität, die unsere Gesellschaft bereit hält.
Mobilität wird zum Luxus
Für den öffentlichen Nahverkehr sind im Regelsatz für Menschen, die “Hartz IV” empfangen, weniger als 12 Euro vorgesehen. Ein 4er-Ticket der Preisstufe A (also zwei Hin-und Rückfahrten) kostet 7,40 Euro. Die preiswerteste Monatskarte (Ticket 1000, Preisstufe A, ab 9.00 Uhr) kostet bereits 39,20 Euro. Mobilität wird für Arme damit zum Luxus.
Mobilität ist eine entscheidende Bedingung, um am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben.
Die Möglichkeit, Busse und Bahnen zu nutzen, ist Voraussetzung, um soziale Kontakte aufrecht zu halten. Selbst Suppenküchen oder Kleiderkammern sind häufig nur über lange Anfahrtswege erreichbar. Mobilität ist wichtig beim Finden eines Arbeitsplatzes oder um preisgünstig einzukaufen.
Als der Sozialstaat noch als Errungenschaft galt und nicht als Belastung diffamiert wurde, war es selbstverständlich, dass für Behinderte und auch ihre Begleitungen ein Nulltarif im Nahverkehr eingeführt wurde. Das gilt zum Teil noch heute. Auch für Familien, die drei oder mehr Kinder haben, gibt es ab dem dritten Kind das „Schoko-Ticket“ zum Null-Tarif. Dieser Nulltarif muss ausgeweitet werden. Eine soziale Gesellschaft sollte niemanden von Mobilität ausschließen. Die Möglichkeiten dazu, der ÖPNV, werden ohnehin bereit gehalten.
Berlin hat´s, Köln hat´s, Dortmund hat´s…
Andere Städte, wie z.B. Dortmund, haben wenigstens ein Sozialticket eingeführt, das 15 Euro im Monat kostet und für arme Menschen damit kein unerschwinglicher Luxus mehr ist. Das Beispiel in Dortmund zeigt, dass eine solche Lösung auch im VRR möglich ist.
…und wir wollen es endlich auch in Bochum!
Wir fordern für Bochum kurzfristig ein Sozialticket für alle, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Wir hoffen, dass diesem Beispiel andere Städte folgen und ein Sozialticket im gesamten VRR eingeführt wird. Dies sollte rechtzeitig umgesetzt werden, damit die Kulturhauptstadt Europas auch eine soziale Komponente bekommt.
Quelle: Pressemeldung von Unterstützerliste
Startseite - Veroeffentlicht von: Sozialticker am: 5. April 2008 um 9:03 Uhr - Haftungsausschluss ![]() |
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