Schwerbehindertenausweis klingt diskriminierend

Alle sind gefragt! Neuer Name für die Hülle des Schwerbehindertenausweises wird gesucht. Vielen Menschen mit Schwerbehinderung geht es wie Hannah aus Pinnebergin Schleswig-Holstein: Sie empfinden die Bezeichnung „Schwerbehindertenausweis“ als diskriminierend. Die 14-Jährige mit Down-Syndrom verdeutlichte das in einem Gedicht und sorgte mit der Umbenennung ihres Schwerbehindertenausweises in„Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ für Furore.

„Hannah hat einen wichtigen und richtigen Denkanstoß gegeben, denn die Bezeichnung ‚Schwerbehindertenausweis‘ stellt die vermeintlichen Defizite in den Vordergrund. Das widerspricht dem Gedanken von Inklusion“, unterstützt Sozialministerin Dr. Carola Reimann die Idee. „Wir müssen die Barrieren in den Köpfen wegbekommen, und das fängt z.B. auch bei der Änderung von Bezeichnungen an, die aus- bzw. abgrenzen.“

Die Landesregierung setzt nun ein Zeichen und sucht einen anderen Namen für eine kostenfreie Hülle des Schwerbehindertenausweises, mit der die Bezeichnung des Ausweises überdeckt wird. Aussehen und Name des Ausweises selbst können nicht ohne weiteres geändert werden, da beides bundesrechtlich geregelt ist.
„Gemäß dem partizipativen Motto ‚Nichts über uns ohne uns‘ bitte ich daher alle Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen, Vorschläge für eine neue Bezeichnung auf der Ausweishülle zu machen. Ich freue mich schon sehr auf zahlreiche kreative Ideen!“, ruft Ministerin Reimann zu der Aktion zur Namensfindung auf.

Zwar haben bereits bei der Inklusionskonferenz „Ich bin dabei! Wie können wir Inklusion in Niedersachsen noch besser umsetzen?“ Anfang Dezember 2017 haben in Hannover die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Vorschläge für die Beschriftung der neuen Einsteckhülle des Schwerbehindertenausweises abgegeben. Da der Teilnehmerkreis auf der Inklusionskonferenz aber begrenzt war, sollen nun alle in Niedersachsen lebenden Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit haben, Vorschläge für eine Bezeichnung der Hülle des Schwerbehindertenausweises einzureichen. Eine Jury, bestehend aus u.a. Vertreterinnen und Vertretern von Menschen mit Behinderungen sowie Sozialministerin Dr. Carola Reimann, der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, wird dann den Vorschlag auswählen, der künftig eine transparente Ausweishülle schmücken soll. Die Entscheidung der Jury wird voraussichtlich im Februar bekanntgegeben.

Vorschläge können bis zum 31. Januar 2018 eingereicht werden – per E-Mail an Aktionsplan.Inklusion@ms.niedersachsen.de oder per Post an das Niedersächsische Ministerium für Soziales,Gesundheit und Gleichstellung, Hannah-Arendt-Platz 2, 30159 Hannover.

Es können nur Vorschläge berücksichtigt werden, die innerhalb der Frist eingehen. Der Schutz der Privatsphäre ist uns wichtig. Daher erfolgt die Angabe der Daten (Name und Anschrift) auf freiwilliger Basis. Diese Daten werden weder gesammelt noch an Dritte weitergegeben. Informationen sind auch auf der Internetseite des Sozialministeriums zu finden unter https://www.ms.niedersachsen.de/startseite/schwerbehindertenausweis/sie-sind-gefragt-schwerbehindertenausweis-160714.html bzw. https://goo.gl/aiihgY.

Quelle: Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

11. Januar 2018

3 Kommentare

  • x

    11. Januar 2018 at 17:45 Antworten

    unglaublich .

    der minderjährigen hannah kann man keinen vorwurf machen . man kann davon ausgehen , daß hannah als erwachsener mensch intelligenter und menschlicher sein wird , als carola es je war oder sein wird .

    man ( zufällig SPD ) steckt nicht nur ausweise in hüllen , sondern “ verkauft “ behinderte an moderne sklaventreiber ( teils in moderne art von arbeitslager siehe monatealte wallraff – reportage ) und läßt diese am existenzminimum ( und darunter ) menschenunwürdige schicksale durchleben . perspektiven und chancen sind ausschließlich heimbetreiber , “ sklaventreiber “ sowie berufsbetreuern vorbehalten – alle verdienen sich dumm und dämlich und schaffen durch dieses installierte system erst die trennung von behinderten zu “ normalen “ bürgern .

    allein schon diese vorstellung , daß ein hülle über eines ausweis ( weil man ja gesetzlich / rechtlich nichts ändern will bzw . vorgibt nicht ändern zu können ! ) positives für behinderte bewirken solle und als integrationsbemühungen an den nagel gehängt wird , spricht für sich :
    – keine eigenen ideen ( bzw . von hannah geklaut . . . )
    – keine politische durchsetzungskraft
    – keine wirklichen realen änderungen
    – populismus vom feinsten

  • Joerg Freundlich (Pseudonym)

    11. Januar 2018 at 17:50 Antworten

    Meiner Meinung gehört es zur Persönlichkeit eines Menschen doch zu seiner Erkrankung oder Behinderung zu stehen und diese als solche auch zu bezeichnen. Das Provcedere in der Politik, indem man unliebsame Gegebenheiten mit wohlklingenden Bezeichnungen verbrämt, halte ich bei einem integren Menschen im mitmenschlichen Umgang für absolut unpassend und entwürdigend. Man denke nur an Himmelfahrtsstraße und Sonderbehandlung, wenn man Mord meinte, oder heute an den Entsorgungspark, wenn man die Müllhalde meint.

  • Gustav

    11. Januar 2018 at 18:21 Antworten

    Die deutschen Politiker sind ja schon immer Meister im Umbenennen von grundgesetzwidrigen Begriffen gewesen. Als bestes Beispiel ist da Hartz IV zu nennen, wo Begriffe aus der Nazizeit verschönt wurden, um dem Michel diese Begriffe als revolutionären Arbeitsmarkt zu verkaufen.

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