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Samstag, der 10. Januar 2009 Tip  Ihre Pressemitteilung / News einreichen   English  English flag    French  French flag

 

Schulpaket ist heuchlerisch und nicht wirklich ernsthaft

Frankfurt/Bonn/Göttingen/Wuppertal - Die Bundesregierung hat ein “Schulbedarfspaket” beschlossen.

Es sieht vor, dass am Schuljahresbeginn jeden Jahres ab 2009 an jedes bedürftige Kind bis zur 10. Jahrgangsstufe … 100€ für Schulkosten zusätzlich ausgezahlt werden sollen. Ankündigungen dazu gibt es schon seit Ende 2007, doch Merkel und Steinmeier haben gewartet, bis der Einschulungstermin 2008 vorbei ist. So konnte man 150 Millionen Euro sparen.

Noch Ende Juni hatte dieselbe Regierung, einschließlich der Familienministerin, unverdrossen behauptet, dass die Schulkosten im gekürzten Regelsatz enthalten seien (Bundestags-Drucksache 16/9810 vom 26.06.2008, Seite 16). Wer damit nicht auskomme, könne nicht wirtschaften (ebda., 26). Jetzt gibt die Bundesregierung indirekt zu, dass die Schulkosten doch nicht im Regelsatz enthalten seien. Wenn sie enthalten wären, bräuchte man ja keine einmalige Beihilfe. Der Gesinnungswandel ist nur durch den jahrelangen Druck zu erklären, dem die Regierung ausgesetzt war. Es ist ein kleiner Erfolg all der Kräfte, die sich für kommunale Schulfonds, für die Wiedergewährung einmaliger Beihilfen usw. eingesetzt haben. Allerdings verkauft die große Koalition das Schulpaket laut FAZ anders, nämlich als Maßnahme, “der erwarteten konjunkturellen Abschwächung entgegenzuwirken.” (FAZ 07.10.2008) Es geht um Binnennachfrage, nicht um den Schulerfolg von Kindern.

100 Euro pauschal ist nur akzeptabel, wenn es möglich ist, notwendige Schulausgaben, die diesen Betrag übersteigen, gesondert zu beantragen. Weder Einschulungskosten können davon gedeckt werden noch besondere Anschaffungen. Insbesondere für höhere Klassen dürfte der Betrag auch im Durchschnitt zu niedrig sein. Die Begrenzung des Pakets auf SchülerInnen bis zur 10. Jahrgangsstufe (Realschul- bzw. Hauptschulabschluss) zeigt auch, wieviel Interesse die Bundesregierung daran hat, das “Bildungspotential” von Kindern aus Armutsfamilien zu nutzen. Abitur zu machen wird nicht gefördert. Abitur ist Privatsache. Schulkindern aus Hartz IV-Familien wurde aber mit Einführung von Hartz IV nicht nur der Schulbedarf aberkannt, sondern auch der Wachstumsbedarf. Ihnen wurden Mittel für Essen und Trinken in erheblichem Maße entzogen. Das organisierten SPD und CDU unter dem Reklameschild des Förderns und Forderns auch von Kindern aus Armutsfamilien. Die große Koalition denkt immer noch nicht daran, diese Kürzung sofort zurückzunehmen. Ihr Schulpaket ist also heuchlerisch und nicht wirklich ernsthaft.

Wie kann man angesichts der Steuermilliarden, nach denen die Banken schreien, noch an die bedeutungslosen Bedürfnisse von SchülerInnen denken? Wenn, dann allenfalls als (allerdings wirklich lächerliche) “Maßnahme zur Konjunkturstabilisierung”. Hier klafft ein unüberwindbarer Graben der Interessen. Diejenigen, die im hiesigen Kapitalismus schon früher unter die Räder gekommen sind, sollten sich nicht scheuen, ebenfalls Milliardenforderungen zu stellen, damit man sich über sie nicht lustig macht.

Quelle: Presse Erwerbslosen Forum Deutschland

Startseite - Veroeffentlicht von: Sozialticker   am: 17. Oktober 2008 um 7:24 Uhr - Haftungsausschluss     Sie moechten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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2 Kommentare / Fragen

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1. ... Kommentar von Armin Willutzki am Freitag, 17.10.2008.

Die Bundesregierung hat eine einmalige Chance vielen sozial schwachen Familien, besonders denen in der Hartz IV, dadurch eine bessere Chance zu geben ,in dem sie das Kindergeld bei den Betroffenen nicht mehr als Einkommen anrechnet. Kindergeld und der volle Regelsatz für Kinder (der auch erhöht werden muss) sind in den Haushaltsplänen enthalten.


2. ... Kommentar von Sindy am Freitag, 17.10.2008.

Man denkt für den Moment.
Auf lange Sicht machen diese Regierenden die Wirtschaft kaputt weil der Nachwuchs fehlt. Da helfen auch keine geschönten Zahlen mehr.

Aber was kümmert sie heut, was in 20-30 Jahren ist? Da regieren andere, die das dann ausbaden können.

Arme Irre!!!


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