Rentenbericht

„Wir brauchen umfassende Reformen der Alterssicherung“, kommentierte der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler den aktuellen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung. Dieser war Thema der Kabinettssitzung. Nach Einschätzung der AWO ist das Kernstück der deutschen Alterssicherung, das so genannte Drei-Säulen-System gescheitert. „Die Rentnerinnen und Rentner werden schon heute immer mehr vom Lebensstandard im Land abgekoppelt“, so Stadler und betont: „Wenn jetzt nicht gehandelt wird, wird Altersarmut in 20 Jahren zum Massenphänomen.“

Das Drei-Säulen-System meint, dass die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr allein den Lebensstandard im Alter sichern soll, sondern mit Hilfe der Säulen Betriebsrente und Riesterrente. Der Gesetzgeber plante Anfang der 2000er Jahre, dass diese drei Säulen gemeinsam den Rückgang im Rentenniveau auffangen sollten. „Dieser Plan ging nicht ganz auf“, kritisiert Stadler und beruft sich dabei auch auf die Zahlen des aktuellen Rentenberichts der Bundesregierung. Demnach ist das Sicherungsniveau vor Steuern von 48,0 Prozent im Jahr 2014 auf 44,4 Prozent im Jahr 2028 gesunken. Dieser Wert drückt die Entwicklung der Renten im Verhältnis zur Lohnentwicklung aus. Nach allen vorliegenden Informationen kann die Lücke durch Riester und Betriebsrenten kaum geschlossen werden.

„Die Riesterrente erreicht gerade die nicht, die besonders profitieren sollten“, kritisiert Stadler. Zudem sei die Riesterrentenausbeute zumindest fragwürdig. Auch die heutigen Betriebsrenten helfen zu wenigen Menschen, denn sie nützen vor allem Beschäftigte in stabilen Arbeitsverhältnissen in tarifgebunden Unternehmen. Wer aber, wie immer häufiger Realität, oft seinen Job wechselt, Lücken in der Erwerbsbiografie aufweist oder in Branchen mit geringer Tarifbindung arbeitet, profitiere kaum. Das System der Betriebsrenten müsste so verändert werden, dass sehr viel mehr Beschäftige davon profitieren können. „Wird das Rentensystem nicht reformiert, werden viele Menschen, die lange gearbeitet haben im Alter zum Sozialamt müssen“, ist Stadler überzeugt.

Für die AWO ist diese Entwicklung nicht hinnehmbar. Sie fordert eine echte Neuorientierung in der Alterssicherungspolitik. Dabei steht für die AWO die gesetzliche Rentenversicherung im Mittelpunkt: „Wir sind davon überzeugt, dass die solidarische und dynamische Rentenversicherung dazu geeignet ist, die Probleme zu lösen“, betont Stadler. Die AWO fordert die Rückkehr zu einer Rente, die wieder auf jährlichen und lohnorientierten Rentenanpassungen beruht. Sie fordert zudem Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente und die Verlängerung der Rente nach Mindesteinkommen. „Beiträge werden steigen, das ist so“, erklärte Stadler dazu. Jedoch seien die individuellen Aufwendungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für die Schließung der Rentenlücke ebenfalls sehr teuer. Dies müsse man den Berechnungen entgegenstellen, die Beitragsanstiege aufweisen. „Wenn wir rechtzeitig beginnen, gegenzusteuern, sind die Kosten beherrschbar“, ist Stadler überzeugt.

Quelle: AWO Bundesverband e.V.

Ein Gedanke zu „Rentenbericht“

  1. Diese Rentenproblematik wird am ehesten klar, wenn man sie auch der Sicht des heute Erwerbstätigen, also des Beitragszahlers betrachtet. Letzterer befindet sich nämlich in einer Sandwich-Position, in der er sowohl für die Eltern und Schwiegereltern als auch für die Kinder und natürlich auch für sich selbst sorgen d.h. bezahlen muss. Zu Recht wird von einer Sandwich-Generation gesprochen. Zum Ende dieses Jahrzehnts werden die geburtenstarken Jahrgänge der 50-iger Jahre ins Rentenalter kommen und in der Folge die Sozialsysteme sprengen. Zugleich werden schon seit langem immer weniger Kinder geboren, nicht allein weil die Eltern das höherer Kostenrisiko für sie scheuen, sondern insbesondere deshalb, weil die beruflichen Erwartungen für ihre Kinder seit Hartz IV grau in schwarz geworden sind.

    Immer mehr Rentner erkennen, dass ihre Renten nicht mehr zum Leben ausreichen – oder anders gesagt, für ihre Lebensarbeit vom Staat im Alter mit einem Hungerlohn abgespeist werden – und deshalb ergänzende Leistungen vom Sozialamt in Anspruch nehmen müssen. Dabei werden alle privaten Ansparleistungen (dritte Säule im Rentensystem) , auch Riesterrente, angerechnet, d.h. vom Sozialamt einkassiert. Es wird den Rentnern davon nichts verbleiben… es sei denn, sie haben unter das „Kopfkissen“ angespart, das sie dann evtl. behalten könnten. Auch die Betriebsrenten (zweite Säule im Rentensystem) gehen in den Keller, weil sie im Zuge der langandauernden Niedrigzinsphase nicht mehr erhalten, geschweige denn erarbeitet werden können.

    Fazit: Es ist heute schwer, Beitragszahler oder Rentner zu sein und es wird in den kommenden Jahren noch viel schwieriger werden.

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