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Reaktionen auf Mißfelder These: Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosen-Industrie

Für Betroffene und Interessierte der Hartz IV Problematik, war die Äußerung vom Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder, dass die Erhöhung von Hartz IV ein Anschub für die Tabak- und Spirituosen-Industrie war, ein Tiefschlag ohne gleichen. Wie die Reaktionen aussahen lesen sie hier:

Hartz4-Plattform e.V. schrieb einen offenen Brief:

Sehr geehrter Herr Missfelder,
sicher ist auch Ihnen noch Kurt Becks „Waschen und Rasieren“ in Erinnerung. Ich war damals so erschrocken über diese Entgleisung des SPD-Vorsitzenden, dass ich dem angegriffenen Henrico Frank half, die Zeit durchzuhalten, bis er eine aussichtsreiche Anstellung mit Zukunft fand.

An diese Zeit fühle ich mich durch Ihre Äußerung „Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosen-Industrie„ erinnert. Ich gehöre ebenfalls zu der von Ihnen angegriffenen Spezies und fühle mich persönlich – als Soziologin, Journalistin sowie ehemalige Verlegerin, die infolge eines Unfalls und der Folgeerkrankung auf Hartz IV stürzte – angegriffen und beleidigt. Mit mir zusammen haben Sie so die Würde von Millionen Menschen verletzt – von Mitbürgern, die nicht das Glück haben, wie Sie, die Privilegien eines Bundestags-Abgeordneten zu genießen.

Sicher wissen Sie auch, dass Bildung nicht nur in Universitäten erworben wird, sondern ganz besonders die des Herzens ist. Und die äußert sich vor allem im Respekt gegenüber dem Leben eines jeden Menschen.
Wären Sie nicht auch entsetzt, wenn wir Sie – als Einkommensempfänger ebenfalls aus Steuergeldern – nach dem Anteil Ihres Tabak- und Spirituosen-Konsums mehr oder weniger wertschätzten? Vielleicht wissen Sie gar nicht, dass eine Hartz IV-Erhöhung von 6 € in vier Jahren zu allem anderen Anlass gibt, als das mit Sekt zu begießen.

Mag sein, daß glühweinselige Weihnachtsmärkte und Frühschoppen am See schon mal dazu verführen, dass die lockere Zunge schneller ist als politisch überlegtes Nachdenken. Entscheidend ist, wie man hinterher damit umgeht. Jetzt kann ich nur hoffen, dass Ihre gute Erziehung Ihnen den Rat erteilt, sich bei mir persönlich und über unseren Verein Hartz4-Plattform bei Millionen ebenfalls Betroffenen zu entschuldigen.
Quelle: Hartz4-Plattform e.V.

Die Pressemitteilung des Erwerbslosen Forum Deutschland lautete wie folgt:

Mißfelder sollte statt verbalen Sondermüll zu reden lieber gesellschaftlich produktiv sein

Bonn – Die verbalen Entgleisungen des Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder bezeichnete das Erwerbslosen Forum Deutschland als verbalen Sondermüll. Dieser will sich trotz heftiger Kritik nicht für seine umstrittenen Äußerungen zu Hartz-IV-Empfängern entschuldigen. “Wir dürfen uns nicht bei jeder Diskussion politische Tabus auferlegen”, sagte er der “Bild”-Zeitung vom Samstag. Zudem verlangte er, Leistungsempfängern statt Geld nur noch Gutscheine auszugeben.

Dazu erklärte Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland:

„Wenn ich mir den Lebenslauf von Phillip Mißfelder betrachte, komme ich zu dem Schluss, dass er statt verbalen Sondermüll zu produzieren, endlich mach etwas gesellschaftlich produktives machen sollte. Er scheint es überhaupt nicht klar zu haben, dass es u.a. auch die jetzige Hartz IV-Bezieher und ehemalige Steuerzahler waren, die seine Ausbildung ermöglicht haben. Auch musste er keine Studiengebühren bezahlen. Es ist für uns unverständlich, wie Mißfelder sowohl Mitglied des Bundesvorstandes der CDU und Mitglied des Bundestags sein kann, ohne dabei auf eine nennenswerte Berufs- und Lebenserfahrungen zurückgreifen zu können.

Wir laden Herrn Mißfelder ein, dass er sich bei uns einmal die tägliche Arbeit in den Problemen mit Armut durch Hartz IV anschaut und dabei eine zeitlang selbst unter den Bedingungen durch Hartz IV lebt. Dabei meinen wir aber einen Zeitraum von mind. 5 Monaten. Nur dann hat er für uns das Recht sich zu diesen Themen wieder zu äußern“.
Quelle: Erwerbslosen Forum Deutschland

Die Pressemitteilung der Linken im Bundestag klang ebenfalls kaum versöhnlich:

Mißfelder ist untragbar

Der stellvertretende Vorsitzende der LINKEN, Klaus Ernst, reagiert empört auf die Nichtbereitschaft des Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder, sich für seine verbalen Entgleisungen gegen Hartz-IV-Empfänger zu entschuldigen und fordert den Rückzug des JU-Chefs aus allen politischen Ämtern. Er erklärt:

„Ein gut abgesicherter Parteijugendfunktionär, der erst alte Menschen verhöhnt und dann Millionen Hartz-IV-Bezieher beleidigt, ist einfach untragbar. Seine Äußerungen und seine Halsstarrigkeit sind weder christlich noch demokratisch und gleich gar nicht sozial. Seine Vorstellungen sind mit Artikel 1 des Grundgesetzes unvereinbar und passen in einen vormundschaftlichen Staat. Als offenkundig unbelehrbarer Wiederholungstäter muss er zurücktreten und sich aus dem politischen Leben zurückziehen. Wenn er nicht bereit ist, sich selbst zu entschuldigen, muss die Parteivorsitzende Merkel klarmachen, wofür die Union steht.“
Quelle: DIE LINKE. im Bundestag

Und wie sehen Sie die These?

Startseite - Veröffentlicht am: 22. Februar 2009 um 13:02 Uhr - Haftungsausschluss     Sie möchten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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7 Kommentare / Fragen

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1. ... Kommentar von Hans am Sonntag, 22.2.2009.

Das offenbart doch nur die Gesinnung der meisten Politiker! Auch wenn die das daoben nicht immer offen aussprechen, aber im Geheimen denken sie doch alle so und sicher denken sie noch vielschlimmer. Ansonsten würden die doch die menschen nicht diesem ARGEN-Terror aussetzten?!

Das macht würtend wenn man sowas hört! Dieser Mißfelder sollte doch bitte einmal in die gleiche Situation gebracht werden wie ein HarzIV´er!.

Würden die dann anders denken?

Wer noch CDU/CSU, SPD, FDP. die Grünen oder dergleichen wählt ist selber schuld!

Ich wähle die Linke! Das steht schon mal fest!


2. ... Kommentar von joachim grehl am Sonntag, 22.2.2009.

warum nur offene briefe?
für mich ist das beleidigung und diskriminierung und volksverhetzung von ca. 7 millonen bürgern in diesem land.
solche leute gehören nicht in die politik sondern auf die anklagebank vor ein ordentliches gericht.
aber der herr mißfelder ist ja nicht der einzigige in diesem land der front gegen hartz4 empfänger macht.


3. ... Kommentar von HartzVI.de am Sonntag, 22.2.2009.

CDU im September abwählen !


4. ... Kommentar von erika am Sonntag, 22.2.2009.

Ich habe als Alleinerziehende, halbtags Arbeit, die so mies bezahlt wird, weil dies unsere Regierung,somit auch Hr. Mißfelder, so gewollt hat, ich bin also ein sogenannter Aufstocker.
Diese Äußerung von diesem jungen Herren, welcher mein Sohn sein könnte,
ist auch mit Worten nicht mehr entschuldbar.

Der soll doch mal für 1 Jahr den Platz mit mir tauschen, dann wollen wir doch mal sehen, ob er nicht das Trinken anfängt, weil er kein Land mehr sieht und am eigenen Leib zu spüren bekommt, was wir alle durchmachen müssen.
Das ist alle Wunschdenken, leider.

Rachsucht oder Neid liegen mir fern, doch momentan wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass dieser Mensch das selbe Schiksal erfährt wie Millionen andere Menschen in Deutschland auch - von Hartz VI leben zu
müssen, keine fette Pension einsteicht und von Pontius zu Pilatus laufen muss, weil nichts, aber absolut nichts ( und das ist gewollt ) funktioniert.
Danach kann er sein loses Mundwerk wieder aufreißen - mal sehen was dann
noch herauskommen würde.
Dann würde er auch bemerken, dass zum Beispiel die Kindergelderhöhung welche so großkotzig angekündigt wurde, auf der anderen Seite eine infame Lüge ist.
Und dies nicht nur weil dies bei allen HE angerechnet wird, nein, auch das Jugendamt teilt einem freundlich mit : im Zuge der Kindergelderhöhung von € 10,00 wird der Unterhalt ihres Sohnes ab xxxxxx sich um € 5,00 senken.
Des weitern sollen diejenigen die Unterhalt erhalten von dem Bonus der Einmalzahlung von € 100,00 an den Unterhalt zahlenden € 50,00 zurückgegeben werden sollen / müssen.

Schämen Sie sich Hr. Mißfelder, mitsamt Ihren Politkollegen .


5. ... Kommentar von Einstein am Sonntag, 22.2.2009.

Also meine Prognose zum Thema denkbare Kaolitionen lautet: Rot /Schwarz wird noch einige Jahrzehnte unsere Politische Szene als große Koalition dominieren. Auch wenn die SPD in Hessen schwer eingebüsst haben, sind die Linken von der 10% Hürde (Westen) noch weit entfernt, was sie als wirkliche politische Macht im Westen uninteressant macht, ( An dieser Stelle sollte man auch nicht diskutieren warum im Westen die Linken nicht mal annährend die Ergbnisse wie im Osten erreichen, obwohl gerade der Westen wie NRW Hochburgen der sozialen Schieflage in Deutschland sind).

Ampelkoalitionen wirde es nicht geben, mit den Linken will keiner koalieren, also bleibt rein rechnerisch nichts anderes wie die altbekannte gr. Koalition.


6. ... Kommentar von günter senkowski am Montag, 23.2.2009.

und wieder ein grund mehr genaue hinzuhören und ebenso hinzusehen .
in anbetracht der tatsache das herr mißfelder erneut finanziel arme menschen sowie kranke rentner ausschliest aus dem status bürger zu sein mit menschenrechten oder aber dem recht ein einigermasen vernünftiges leben füren zu können, sollte man genau überlegen was auf dem wahlzettel angekreutz wird dieses jahr.
ich persöhnlich gehe soweit das ich der cdu nun entgültig meine stimme entziehe !
solche politiker sind aus meiner sicht zu weit weg vom wirklichen leben und somit nicht kompeten unser land zu regieren.!
frau merkel sie sollten sich überlegen was für leute bei ihnen arbeiten.


7. ... Kommentar von Gitta am Mittwoch, 25.2.2009.

Ich bin erschüttert, was sich dieser Junge erlaubt. Der hat noch nie erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man sich nichts leisten kann. Der Grünschnabel hat noch keinen Cent in die Sozialkasse eingezahlt und später wird er eine dicke Pension kassieren. Der weiß doch garnicht, wie das wahre Leben wirklich ist.
Mit den Gutscheinen würde uns das letzte bißchen Ehre genommen, vielleicht sollten wir uns etwas auf die Stirn kleben, damit jeder sieht, dass wir “Schmarotzer” sind.
Ich würde gerne arbeiten, aber mit 53 bin ich allen zu alt. Spaß macht mir das bestimmt nicht, so zu leben.
Wenn das mein Sohn wäre, würde ich mich schämen.


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