Pflege darf kein Armutsrisiko sein
Die Volkssolidarität will Menschen helfen, „nicht im magischen Dreieck ‚alt – arm – pflegebedürftig‘ zu versinken. Das betonte der Bundestagsabgeordnete Steffen-Claudio Lemme am Dienstag in Berlin. Der Abgeordnete ist Mitglied des Bundesvorstandes der Volkssolidarität und Leiter der Arbeitsgruppe Sozialpolitik. In dieser Funktion sprach er auf einer Fachtagung des Verbandes zum Thema „Armutsrisiko Pflege – Handlungsbedarf und Lösungsansätze“.
Lemme warnte davor, dass sich schrittweise eine “Zwei-Klassen-Pflege” herausbilde. Die Position der Volkssolidarität sei klar: “Pflege darf nicht arm machen !” Deshalb setze sich der Verband für eine solidarisch finanzierte und organisierte Pflege ein und lehne eine weitere Privatisierung des Pflegerisikos ab.
“Die Mehrheit der Bevölkerung ist auf eine solidarische Finanzierung zuverlässig erbrachter Pflegeleistungen in hoher Qualität angewiesen”, betonte Lemme. “Deshalb wollen wir eine Bürgerversicherung auch für die Pflege.” Auch die kommenden Generationen der Alten, die heute Jüngeren müssten darauf vertrauen können, dass sie im Alter eine gute Pflege erhalten. Das gelinge “nur mit mehr Solidarität und Verantwortung der Generationen füreinander”, so das Vorstandsmitglied.
Der Versuch, die Finanzprobleme der sozialen Pflegeversicherung zu lösen, in dem sie schrittweise privatisiert wird, sei ein Irrweg. Das stellte Prof. Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) auf der Tagung klar. Ein “Pflege-Riester” oder “Pflege-Bahr” würde gerade denjenigen am wenigsten nutzen, die finanzielle Unterstützung in der Pflege am nötigsten haben.
Es geht aber nicht nur um Geld. Das zeigte der Beitrag von Prof. Josefine Heusinger vom Institut für Gerontologische Forschung Berlin. Sie berichtete über die Ergebnisse des Forschungsprojektes “NEIGHBOURHOOD 2008-2011″. Darin ging es um die Selbstbestimmungschancen zuhause lebender pflegebedürftiger alter Menschen.
Die Forderungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes an die Pflegepolitik und für die Reform der Pflegeversicherung stellte Ute Zentgraff, zuständige Referentin des Dachverbandes, vor. Dazu zählt, dass der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff umgesetzt werden soll und Pflegebedürftige sowie pflegende Angehörige mehr Unterstützung bekommen. “Mehr Zeit in der Pflege” sei ebenso notwendig wie eine neugeordnete Finanzierung der Pflege.
Verbandspräsident Prof. Gunnar Winkler betonte zum Abschluss, dass die Volkssolidarität die pflegepolitischen Forderungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes unterstütze. “Pflegearmut ist systemgewollt - wir werden dagegen mobilisieren.”
Quelle: Volkssolidarität
Startseite - Veröffentlicht am: 4. April 2012 um 13:00 Uhr - Haftungsausschluss ![]() |
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