Notvorräte: Preise bis zu zwölfmal höher – Marktcheck der Verbraucherzentrale Brandenburg vergleicht Produkte von Notvorrats-Shops mit denen normaler Online-Supermärkte.

Vor knapp einem Jahr hat der Bundesinnenminister vorgestellt, wie man im Katastrophenfall gut gerüstet ist. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, Lebensmittel und Getränke für einen Zeitraum von zwei Wochen im Haus zu haben.

Im Internet bieten Notvorrats-Shops haltbare Produkte zu diesem Zweck an. Doch ist der Kauf solcher Lebensmittel überhaupt sinnvoll? Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat deren Angebot mit entsprechenden Produkten aus Online-Supermärkten verglichen und kommt zu dem Schluss: Das Angebot der Notvorrats-Shops ist vor allem eines – teuer!

Mit Trinkwasser, Instant-Kartoffelpüree und Konserven können Menschen Notlagen eine ganze Zeit lang überbrücken. Solche Produkte gibt es nicht nur im Supermarkt. Im Internet bieten einige Shops spezielle Produkte für die Notbevorratung an. Nach Angaben dieser Online-Händler sind die dort zu erwerbenden Lebensmittel besonders lange haltbar und sollen sich damit speziell für den Ernstfall eignen. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat das Angebot der Notvorrats-Shops mit dem von Online-Supermärkten verglichen. Große Unterschiede fanden die Verbraucherschützer vor allem beim Preis.

Notvorrats-Shops bei allen Produkten zu teuer

Der Vergleich zeigt, dass die Notvorrats-Shops bei den drei untersuchten Produkten Wasserkonserven, Dosenbrot und Instant-Kartoffelpüree erheblich teurer sind. Besonders gravierend war der Unterschied bei zwei der getesteten Waren: Beim Wasser waren die Preise zum Teil neunmal höher als beim Online-Supermarkt, das Kartoffelpüree kostete sogar zwölfmal mehr. Die als Notvorrat angebotenen Produkte waren dabei nicht einmal in allen Fällen länger haltbar als vergleichbare Produkte der Online-Supermärkte.

Zu große Mengen gehen am Bedarf vorbei

Ein weiterer Kritikpunkt der Verbraucherschützer ist, dass die Notvorratsshops Produkte zum Teil nur in sehr großen Mengen anbieten. Ein Kauf von beispielsweise angebotenen 18 Kilogramm Dosenbrot lohnt sich nur für eine mehrköpfige Familie. Zudem unterscheidet sich das Dosenbrot in seiner Haltbarkeit nicht von dem aus einem Online-Supermarkt.

Bei Gemüse- und Fruchtkonserven ist die Auswahl zudem sehr unterschiedlich bis eingeschränkt. Ein getesteter Shop bietet Gemüse und Obst nur in Fertiggerichten oder in großen Paketen mit weiteren Produkten an, wobei das günstigste Paket knapp 1.000 Euro kostet. Zwar bieten einige der Shops auch Konserven an, die länger als zehn Jahre haltbar sind, allerdings sollten Verbraucher zunächst darüber nachdenken, ob sie tatsächlich Produkte mit einer solchen Haltbarkeit benötigen.

„Wir können nur raten: Keine Experimente! Bevor unnötig hohe Investitionen in angeblich besonders geeignete Notvorräte getätigt werden, ist es sinnvoller, sich einen Vorrat mit Produkten aus dem Supermarkt anzulegen, die man im Alltag ohnehin verzehrt. Wichtig ist dabei vor allem, für genügend Trinkwasserreserven zu sorgen. Solange man solche Produkte regelmäßig einkauft und vorrätig hat, bietet dies einen ausreichenden Schutz“, erklärt Annett Reinke, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Ernährungsphysiologisch wertvoll sind vor allem die Vollkornvarianten von Nudeln und Reis oder Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Linsen, die sich ohnehin lange halten. Sie enthalten mehr Ballaststoffe und Vitamine als Fertiggerichte in Dosen.

Einen Anhaltspunkt für den Einkauf von Notvorräten gibt die vom Bundesamt veröffentlichte Checkliste.

Über die Studie

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat am 11.07.2017 das Angebot von Notvorrats-Shops mit dem von Online-Supermärkten verglichen. Hierfür wurden verschiedene Notvorrat-Shops ausgewählt. Der Vergleich fand anhand der Produkte Wasser, Brot und Kartoffelpüree statt. Bei den Online-Supermärkten wurden vergleichbare Produkte wie Wasser im Tetrapak und Dosenvollkornbrot ausgewählt. Waren mehrere gleiche Produkte vorhanden, wurde das billigste ausgewählt. Der Preis wurde dann im nächsten Schritt anhand des Preises für 0,5l Wasser, 500g Brot und 100g Kartoffelpüree verglichen.

Die größten Unterschiede fanden sich bei Trinkwasser und Kartoffelpüree. Beim Trinkwasser waren die Angebote der Notvorräte-Shops bis zu neunmal teurer als bei den Online-Supermärkten. Beim Kartoffelpüree waren die Angebote sogar zwölfmal teurer als beim Online-Supermarkt. Das Kartoffelpüree des billigsten Notvorrats-Shops und der Online-Supermärkte war dabei ähnlich lange haltbar: bis Mitte/Ende 2018. Zusätzlich recherchierten die Verbraucherschützer die Verfügbarkeit von ernährungsphysiologisch wertvollen Lebensmitteln wie Gemüse in den Notvorrats-Shops.

Quelle: Presse Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.

Anmerkung Sozialticker – Hartz-IV-lern stehen finanziell gesehen solche Notvorräte leider nicht zu, jedoch leben sie 24/7/365 Tage in Not und oft ohne Vorrat. Gelernt hat man bisher daraus noch nichts, denn zur Wahl rennen viele Betroffene erst gar nicht hin, oder aber sie wählen ihren eigenen Untergang in den Einheitspartein und Not macht bekanntlich ja erfinderisch, was die Ausreden betrifft. 2017 haben alle Betroffene erneut die Chance, ihren Mitstreitern zu zeigen, wie es auch anders gehen kann.

17. Juli 2017