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Nach der Zeit des Messens und Wiegens muss endlich die Zeit des Fütterns folgen

Bildungsgewerkschaft zur PISA-E-Studie / Bundesländervergleich

Frankfurt a.M./Berlin - “Nach der Zeit des Messens und Wiegens muss endlich die Zeit des Fütterns folgen”, stellte Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit Blick auf die heute veröffentlichte PISA-E-Studie (PISA-Bundesländervergleich) fest. “Den Daten müssen endlich Taten folgen. Die verantwortlichen Kultusminister müssen die Probleme endlich an den Wurzeln packen. Offenkundig ist, wo der Schuh drückt: Die mangelhafte Chancengleichheit, die großen Anteile schwacher Schülerinnen und Schüler sowie die große Leistungsspreizung innerhalb und zwischen den Bundesländern bleiben zentrale Probleme des deutschen, selektiven Schulwesens.” Im Hinblick auf die Diskussion um Mindeststandards werde sich hier ein großes Problem auftun.

“Politik muss jetzt in das Bildungswesen investieren und Bildungsbarrieren abbauen. Insbesondere die schwächeren Schüler müssen gefördert werden. Halbherzige Absichtserklärungen, wie der Bildungsgipfel sie jüngst verabschiedet hat, ignorieren den Problemdruck. Der Hauptschulbildungsgang muss abgeschafft werden, alle Jugendlichen müssen mindestens zu einem mittleren Bildungsabschluss geführt werden. Die Bundesrepublik muss sich endlich auf den Weg zu einem inklusiven Schul- und Bildungssystem machen: Wir brauchen die ‘Eine Schule für alle Kinder’”, betonte Demmer. “Auf diesem Weg muss dann nur noch im internationalen Vergleich kontrolliert werden, ob wir auch richtig Kurs halten.” Die Praxis in den Schulen sähe jedoch so aus: Die Klassen seien zu groß, insbesondere die schwächeren Schülerinnen und Schüler würden zu wenig unterstützt, individuelle Förderung bleibe weitgehend ein frommer Wunsch, ein Pädagogenmangel drohe und die Auslese der Kinder in einem unterfinanzierten Bildungssystem werde verschärft.

Die GEW-Vize vermutet, dass die Leistungszuwächse in den östlichen im Vergleich zu den westlichen Bundesländern mit kleineren Klassen und der besseren Schüler-Lehrer-Relation im Osten zusammen hängen. Mit den finanziellen Ausgaben pro Schüler lägen die östlichen Bundesländer bundesweit in der Spitzengruppe. Zudem kümmere man sich hier offenbar stärker um die so genannte Risikogruppe, die Schülerinnen und Schüler, die nicht ausreichend schreiben, lesen und rechnen können, um sich in dieser Gesellschaft zurecht zu finden und eine berufliche Perspektive zu haben. Traditionell seien die östlichen Bundesländer in den Naturwissenschaften stark. Demmer machte darauf aufmerksam, dass Bayern und Baden-Württemberg seit 2000 in Mathematik und Lesekompetenz in ihren Leistungen stagnierten, während andere Bundesländer - wenn auch oft nur geringfügig - aufholten.

Quelle: GEW-Hauptvorstand

Startseite - Veroeffentlicht von: Steinbock   am: 19. November 2008 um 8:00 Uhr - Haftungsausschluss     Sie moechten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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