Mutter zweier Kleinstkinder soll arbeiten - ARGE will deshalb Kinder sicherstellen
ARGE aus der Eifelstadt Euskirchen versetzt Mutter in Panik
Euskirchen/Bonn - In regelrechte Panik versetzte ein Schreiben der Euskirchener Hartz IV-Behörde eine Mutter zweier Kleinstkinder von 7 Monaten und 2 ½ Jahren. Die Eifeler Behörde hatte die Mutter angeschrieben und sie zu einem persönlichen Gespräch für Montag (18.August) eingeladen, um mit ihr über die »Sicherstellung der Kinder« zu sprechen. Dazu sollte sie ihren Partner mitbringen, der vollschichtig arbeitet und ergänzende Hartz IV-Leistungen benötigt. So heißt es in dem Schreiben wortwörtlich:
»Bitte kommen Sie schon mit Herrn Z.. Behandelt wird u. A. die Sicherstellung der Kindern ( … ). Da sie ALG -II Leistungen nachdem SGB II erhalten, ist diese ( … ) Einladung Folge zu leisten«.(1)
Aus Angst um eine eventuelle zwangsweise Fremdbetreuung ihrer Kleinkinder wandte sich die Mutter, Frau H. an das Erwerbslosen Forum Deutschland, zumal sie schon vor der Geburt ihres zweiten Kindes von der Euskirchener ARGE - trotz Mutterschutz - in die ARGE zitiert wurde, um über ihre »berufliche Situation« zu sprechen.
»Entweder ist es seltene Dämlichkeit der Behörde, oder man setzt sich einfach über bestehende Rechte hinweg. Es ist gesetzlich völlig klar geregelt, dass eine Arbeitsaufnahme für die Mutter erst dann zumutbar ist, wenn die Kinder das dritte Lebensjahr vollendet haben», sagte Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland am Sonntag in Bonn. Für die Initiative ist es auch ein Zeichen, dass Hartz IV-Behörden weit entfernt von »Kundenfreundlichkeit« sind, angesichts eines derartigen Schreibens. »So ein Schreiben karikiert die besten Stilblüten aus dem Behördendeutsch. Mit einer so einer Unsensibilität wird deutlich, welche Machtposition sich Mitarbeiter in den Behörden anmaßen«, sagte Martin Behrsing.
Derweil kündigte die Initiative an, dass Vertreter bei dem Gesprächstermin zugegen sein werden. »Nun hat die ARGE Euskirchen uns jetzt auch noch an der Backe», so Behrsing.
(1) - Sicherstellung
Quelle: Presse Erwerbslosen Forum Deutschland
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1. ... Kommentar von Willi
am Sonntag, 17.8.2008.
Über das Schreiben der ARGE Euskirchen sollte nicht nur in kaum bekannten Internetforen diskutiert werden. Es gehört der Öffentlichkeit voll und ganz zugänglich gemacht. Also ab damit an die Presse und an den Westdeutschen Rundfunk.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Vorgang für die Medien nicht berichtenswert ist. Im Zusammenhang von Kindern einer Arbeitslosen von der “Sicherstellung der Kinder” zu reden, ist ein glatter Verstoß gegen Art. 1 GG.
2. ... Kommentar von Martin Obenaus
am Sonntag, 17.8.2008.
Aber Hallo!
Ich habe von ähnlichen Fällen gehört, auch in Dortmund. Traurig aber wahr.
Wer ‘fordert’ sollte auch entsprechend fördern. Forderungen ohne Förderung
werden aber vorrangig zu Lasten der ‘ Opfer’ umgesetzt.
Sicherstellen von Kindern?
Alleine diese Ausformulierung lässt eine Nötigung vermuten.
Es ist eine bodenlose Unverschämtheit wie man mit Sozialrecht in deutschen
Leistungsträgern umgeht! Solchen königlichen Monarchen regionaler ARGENpolitik gehört eine Klage an den Hals! Ich fordere wer Sozialrecht
anwendet- sollte dazu auch fähig qualifiziert sein.
Weg mit diesen Strolchen- Kinder haben eine Anspruch auf mütterliche
Liebe und Fürsorge. Demnächst geben arge ARGE- Mitarbeiter noch die
Muttermilch?
Werde ich nun auch ‘Sichergestellt’ ? Ich kann mir leisten ARGEN als KANNLEISTUNG hier anzuprangern und Menschen zu warnen.
Liebes Volk: ” Lasst Euch bloß nicht zu wenig gefallen!”
Martin Obenaus
3. ... Kommentar von Stud. Torsten Schneider
am Sonntag, 17.8.2008.
Das hier haut dem Fass mal wieder so richtig den Boden weg!
Es wird allerhöchste Zeit für eine Beschwerde bei der europäischen Menschenrechtskommission um diesen Irrsinn zu stoppen!
Hartz IV ist menschenverachtend!
4. ... Kommentar von Detlef Silbernagel
am Montag, 18.8.2008.
Die bei der Arge haben einen Sockenschuss!!
Es gibt weder Darlehen für Schulbücher(meine kinder bekommen beide hur 90,- Euro vom Land),noch Darlehen für sonstiges.
Ich bin innerhalb eines Mehrfamilienhauses vom 5. in den 2. Stock gezogen,mit Attestnachweis aus gesundheitlichen Gründen.Die Wohnung war 100,- Euro in der Kaltmiete teurer,als die im 5.Stock.Alles wurde vomn der Arge genehmigt.
Nach 5 Monaten bekomme ich ein Schreiben der Arge,wonach die Wohnung nicht angemessen wäre und ich entweder eine angemessene Wohnung suchen soll,oder 130,-Euro jeden monat selbst dazu tun muss.
Darauf habe habe ich Widerspruch eingelegt,mit ärztlichen Attesten,das meine Kinder in psyschologischer Behandlung sind ,wegen eines Branderlebnisses.
Der Wiederspruch wurde abgelehnt mit der Begründung,das es kein Gesetz gäbe worin das gerechtfertigt wäre,darauf Rücksicht zu nehmen,das die Kinder krank sind und es besser wäre nicht um zu ziehen.
Und laut wiehert der Amtsschimmel!!
Also sind die Kinder in Deutschland nichts mehr wert und es wird hier die 2-Klassen-Gesellschaft vorran getrieben.
Armes Deutschland!!
5. ... Kommentar von Grundeinkommen
am Montag, 18.8.2008.
Unklar ist, warum im Hartz4System kein Sanktionssystem installiert ist, das derartige Übergriffe von Angestellten ahndet. Angestellte dieser Art erzeugen in Bürgern das Gefühl, in einem Unrechtssystem zu leben und gefährden die freiheitlich-demokratische Grundordnung ähnlich wie Terroristen.
Erbitte Nachfrage beim Petitionsauschuss des Bundestages.
Ein schikanefreies Grundeinkommen ist mit Hilfe von Bürokratieabbau nachweislich finanzierbar. Es muss nur realsiert werden.
6. ... Kommentar von klengelhh
am Montag, 18.8.2008.
Sicherstellung erzeugt bei mir einen ganz anderen - äußerst negativen - Beigeschmack: Sollten die Kinder vielleicht den Eltern weggenommen werden, weil die Eltern so ja nicht arbeiten können?
Also wer auch immer der Sachbearbeiter ist sollte selbst einmal einen Lehrgang besuchen: Wie schreibe ich Briefe ohne den Empfänger zu Tode zu erschrecken? Oder war das geplant? Ein Geldempfänger weniger?
Also auf jeden Fall sollte dem Schreiber mal die Gelegenheit zur Stellungsnahme gegeben werden. (Ich würde es doch gerne mal wissen!)
7. ... Kommentar von Steinbock
am Montag, 18.8.2008.
Bericht über den bizarren Termin bei der o.g. Hartz IV-Behörde
So fuhren wir heute Morgen mit zwei weiteren Mitstreitern des Erwerbslosen Forums Deutschland von Bonn zur Euskirchener Arge. Eine Arbeitsverwaltung, deren Ziel die »Sicherstellung der Kinder« ist wollten wir unbedingt kennen lernen. Wir hatten uns um kurz von 10: 00 Uhr mit Frau H. verabredet, die ihre beiden Kinder mitbringen musste, da ihr Mann sich nicht frei nehmen konnte. Die junge Mutter kam pünktlich zum verabredeten Treffpunkt. Das Baby im Kinderwagen und die 2 ½ Jahre alte Tochter an der Hand. Sie war sichtlich erleichtert uns zu sehen. Das Schreiben der Arge vom Freitag hatte sie in helle Panik versetzt.
Sollten ihre Kinder jetzt zwangsweise betreut werden, damit sie arbeitet?
Wir gingen zu sechst in das Büro des Sachbearbeiters Herr Z., der ARGE Euskirchen. Er war anscheinend überhaupt nicht über die große Anzahl von Menschen erstaunt. Schließlich begann der das Gespräch und fragte uns, wer denn von uns Herr Winter sei. Auf unser Verneinen fragte er Frau H. warum sie Herrn Winter nicht mitgebracht hätte. Die junge Mutter reagierte darauf: «Ich kenne keinen Herrn Winter». Das schien Herrn Z. anscheinend nicht weiter zu irritieren und wir bekamen das Gefühl, es sei in Euskirchen normal, dass Menschen zur Arge geladen werden und gleichzeitig unbekannte Personen mitbringen sollen.
Dann sah Herr Z. auf die beiden Kinder. Das Baby im Kinderwagen und die Tochter an der Hand der Mutter. Er sprach Frau H. an: »Frau H., Ihr Kind ist über drei Jahre und deshalb müssen wir uns über die Sicherstellung der Kinder unterhalten. Sie wissen ja, dass Sie für Betreuungsmöglichkeiten für Ihre Kinder sorgen müssen, damit Sie eine Arbeit aufnehmen können«.
Ich war zunächst sprachlos und fragte mich, ob ich eventuell noch träume oder tatsächlich in der Hartz IV-Behörde bin und benötigte einen Moment, um überhaupt etwas sagen zu können. Wahrscheinlich sah ich aus, wie nach einer Begegnung der »dritten Art«.
Ich sprach Herrn Z. etwas ungehalten an, dass er doch die zwei Kinder vor sich sehen könne und somit sehen würde, dass das Baby weit von der Vollendung des dritten Lebensjahrs entfernt sei. Sofort schob Herr Z. die Schuld auf die Leistungsabteilung der Euskirchener ARGE, die Frau H wohl falsch »aktiviert« habe. Damit meinte er, dass sie laut Computerprogramm für die Arbeitsvermittlung aktiv sei. Ich begegnete, dass er das jetzt korrigieren könnte und hatte ein neues Wort in der Arbeitsvermittlung gelernt. Dies machte er auch und sagte zu Frau: »Sie werden nun jetzt zum 12. Oktober 2010 wieder aktiviert«.
Ich spürte inzwischen meinen Ärger über den Verlauf des Termins und sprach Herrn Z. auf das unglaubliche Schreiben an und fragte ihn, was er denn fühlen würde, wenn er als Vater von zwei Kleinstkindern eine Einladung bekäme, wo man über die »Sicherstellung« der Kinder sprechen wolle. Auch hier schaffte es Herr Z, das Gespräch sofort auf einen andere Ebene zu verlegen, indem er den »berühmten Konjunktiv» einführte. Er setzte an und führte aus, was denn wäre, wenn die Kinder über drei Jahre alt wären.
Mein Kollege Wolfgang W. konnte nun auch noch kaum an sich halten und ließ in das Gespräch einfließen, dass zumindest eine Entschuldigung an die Mutter fällig wäre. Aber anscheinend hatte Herr Z. dies nicht gehört. Nun unterbrach ich Herrn Z.’s Ausführungen und sagte ihm, dass der Termin ja nun beendet sei. Gleichwohl teilte ich ihm noch mit, dass sich ARGE Euskirchen sicher nicht den Begriff »Kundenfreundlichkeit» in Anspruch nehmen könnte, angesichts des Schreibens.
Beim Rausgehen erzählte uns Frau H, dass sie zwei Wochen vor der Niederkunft ihres jüngsten Kindes zur ARGE zitiert wurde. Sie musste sich doch tatsächlich - trotz Mutterschutz - auf eine Stelle bewerben, wo sie schwere Kartons hätte heben müssen. Die Firma jedoch nahm den Mutterschutz ernst und entschied sich gegen das Bewerberangebot.
Was bleibt:
Frau H. bis Oktober 2010 »inaktiv«, Hartz IV-Bezieher im Landkreis Euskirchen werden müssen zu Terminen ihnen unbekannte Personen mitbringen.
Quelle: Presse Erwerbslosen Forum Deutschland
8. ... Kommentar von omegator
am Dienstag, 19.8.2008.
Das ist ja wohl eine unerhörte Frechheit,sich noch nicht einmal bei der mutter zu entschuldigen.Ich habe lange im Kreis Euskirchen gewohnt und habe die Erfahrung mit dem alten Arbeitsamt,Thomestr, gemacht.Auf Möbel rücken meinerseits hat man dann aber schon reagiert,ansonsten war man da jemand,wie soll ich sagen,einem wurde das Gefühl gegeben,kein mensch zu sein,sondern nur eine Nummer.
Unfreundlich und ich hab heute keine Lust,so die Reaktion der Mitarbeiter.
Bloß keinen Fehler einsehen,zugeben und sich garnicht dafür entschuldigen
9. ... Kommentar von Sindy
am Dienstag, 19.8.2008.
Mein Jüngster war 11 Monate alt, als ich Post bekam zwecks Bewerberangebote. Mit einem kurzen Anruf war aber alles erledigt und ich sollte mich wieder melden wenn mein Kind 3 Jahre alt ist. Mußte ich aber gar nicht, die Post war schneller. *gg*
10. ... Kommentar von fun
am Samstag, 23.8.2008.
Ist das wirklich alles so schlimm? Offensichtlich hat die Behörde einen Fehler gemacht. Wahrscheinlich hätte es gereicht, wenn die gute Frau mal bei der ARGE angerufen hätte. Es hätte ihr wohl auch nicht geschadet, ihre Freizeit mal für einen kurzen Besuch bei der Behörde zu opfern, schließlich bekommt sie Geld von denen. Stattdessen werden sechs Menschen bemüht um den armen Kerl bei der Behörde einzuschüchtern.
Der Ausdruck sicherstellen war nicht gut gewählt. Die angebliche Angst der Mutter ihre Kinder aus der Familie zu entfernen, erscheint mir etwas weit hergeholt. Manche der Kommentare sind schon recht erschreckend. Wenn die Leute sich so auf dem Amt verhalten, ist es wohl nicht verwunderlich, wenn die Angestellten genervt sind.
11. ... Kommentar von Hobser
am Freitag, 5.9.2008.
Ob nun Euskirchen, Hamburg, Berlin oder München. Mit den Argen war es von Anfang an eine merkwürdige Sache. Ich selbst war Mitarbeiter der Stadtverwaltung und wurde in eine Arge zwangsversetzt. Wie viele andere SV-Mitarbeiter war dies nicht unser Wunsch. Teilweise zusammengepfercht mit Mitarbeitern der Arbeitsämter sollten wir zu einem “Team” zusammenschmelzen - wobei Teamarbeit eigentlich nicht erwünscht war, es ging nicht um gutes Betriebsklima. Schon damals waren mir die neuen Kollegen suspekt. Paragraphenreiter vom Feinsten. Bloss nicht von den Vorschriften abweichen. Textbausteine verwenden, ob’s passt oder nicht, ist ja Vorschrift. Ich hatte das Glück, nicht an der “Front kämpfen” zu müssen, sondern saß im Personalwesen. Was ich in den vergangenen Jahren erlebte, glaubt einem Niemand. Jeden Tag ging ich mit Bauchschmerzen zur Arbeit. Mord und Totschlag nicht nur vor den Schaltern, sondern auch dahinter. Wer ist stärker - Stadtverwaltung oder Arbeitsamt - stand jeden Tag auf dem Programm. Mobbing vom Feinsten. Die obige Schilderung passt zu 100%. Kein Schauen nach rechts oder links. Keine Individualität, kein Einfühlungsvermögen - Stur und von oben herab. Sicher gab es auch genügend Fälle in denen uns die “Kunden” (blödes Wort) besch… wollten bzw. haben.
Fakt ist, ich selbst fühle mich dort sehr unwohl, denn leider hat sich der Führungsstil der ehemaligen Arbeitsämter durchgesetzt. Kaltschnäuzigkeit!
Kollegen, die versucht haben den Kunden als Menschen zu behandeln, der nicht nur besch… will sondern auch kommt um um Hilfe zu bitten, wurden gemobbt. Individualität ist nicht gefragt! Und so müssen wir nicht nur mit diesen Textbausteinen weiterleben.
Es tut mir um alle leid, die von Arbeitgebern ausgenutzt/ausgebeutet werden und zusätzlich noch HartzIV beanspruchen müssen. Ebenso wie die vielen Arbeitslosen, die gerne unter vernünftigen Bedingungen arbeiten möchten und sich von den argen Argen Hilfe versprochen haben.
Ferner alle Kollegen, die noch jeden Tag mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen, die die durch das Mobbing erkrankt sind und solche, die geschmissen und gekündigt haben, weil sie es nicht mehr aushielten.
Den Anderen kann ich nur wünschen, dass sie einmal in eine solche Situation kommen und aufwachen.
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