Mindestens 635 Euro im ersten Jahr der Ausbildung

Wer während der Ausbildung wenig verdient, schmeißt schneller hin – auch deshalb ist es gut, dass die neue Bundesregierung eine Mindesthöhe für Ausbildungsvergütungen einführen will. Der DGB hat ausgerechnet, wie hoch eine solche Mindestvergütung sein muss, damit sie auch wirklich sinnvoll ist.

80 Prozent vom Durchschnitt
„Im Rahmen der Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) werden wir eine Mindestausbildungsvergütung im Berufsbildungsgesetz verankern“: Das haben CDU, CSU und SPD beschlossen und in der Koalitionsvereinbarung festgehalten. Der DGB begrüßt dieses Vorhaben – und fordert eine Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 80 Prozent der durchnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung des jeweiligen Ausbildungsjahres.

Wenn man die Zahlen des Jahres 2017 zugrunde legt, bedeutet das: Auszubildende erhalten im ersten Ausbildungsjahr 635 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 696 Euro, im dritten Ausbildungsjahr 768 Euro und im vierten Ausbildungsjahr 796 Euro.

Mehr Geld für viele
Aktuell gibt es eine Vielzahl von Ausbildungsberufen, in denen die Bezehlung deutlich schlechter ist. Angehende Fleischer/innen etwa erhalten im ersten Lehrjahr zur Zeit gerade einmal 303 Euro. Bei Friseuren/Friseurinnen sind es 406 Euro, bei Hotelkaufleuten 585 Euro. Insgesamt würden Schätzungen zufolge rund 162.000 Jugendliche von der Einführung einer Mindestausbildungsvergütung profitieren und zum Teil deutlich mehr Geld bekommen als bisher.

„Ein wirksames Instrument gegen Ausbildungsabbrüche“
Außerdem hätten sie bessere Chancen, ihre Ausbildung auch zu Ende zu bringen. „Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch“, sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. „Im Friseurhandwerk starten pro Jahr im Schnitt etwas mehr als 10.000 Jugendliche ihre Ausbildung, aber nur gut 5.000 Azubis halten bis zur Prüfung durch. Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen. Damit ist weder Betrieben noch Jugendlichen geholfen. Eine Mindestvergütung für Azubis ist ein wirksames Instrument gegen Ausbildungsabbrüche.“

Wertschätzung nicht nur auf dem Papier
Außerdem mache sie die Berufsbildung generell attraktiver, so Hannack: „Wir kämpfen seit Jahren für mehr Wertschätzung der dualen Ausbildung. Diese Wertschätzung darf sich aber nicht in Hochglanz-Imagekampagnen erschöpfen, die Jugendlichen müssen das auch spüren. Die Betriebe müssen ihrer Ausbildung ein Mindestmaß an Wertschätzung geben. Azubis sind kommende Fachkräfte, und nicht billige Arbeitskräfte.“

Quelle: DGB

14. Februar 2018

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1 Kommentar

  • Gustav

    14. Februar 2018 at 22:35 Antworten

    In der Schule besteht schon eine 2 Klassen Gesellschaft, welche sich über die Lehre hinaus bis zur Rente zieht. Mit goldenem Löffel geborene Gören, müssen sich über ihre Berufswünsche keine Sorgen machen. Hartz IV Kinder hingegen müssen neben dem Lehrstoff aus der Schule 1.) beim Jobcenter antreten und 2.) genau solch ausbeuterischen Lehren beginnen. Mit einem satten Sanktionsbescheid an die Eltern, ist so mancher Traumberuf des Kindes in Erfüllung gegangen.

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