Meinungsfreiheit …

Schon gar nicht auf Facebook, denn unser allerliebster Justizminister fordert von Facebook, die Einträge der User auf den Facebook-Seiten nun doch endlich ordentlich zu zensieren, so dass er und seine Beamten nicht weiterhin Botschaften lesen müssen, die ihnen missfallen und die geeignet sind, die Bevölkerung in Aufruhr zu versetzen.

Er lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass es ihm nicht darum geht, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Nun ja, er hätte besser gesagt, es ginge ihm nicht darum die Meinungsfreiheit noch weiter einzuschränken, es geht ihm nur darum, dass Facebook endlich mithilft, dass die längst wohlbegründet gezogenen Grenzen der Meinungsfreiheit nicht immer wieder überschritten werden.

Hurra! Der Justizminister, der die Verfassung kennen sollte, setzt sich dafür ein, dass die Anbieter des Sozialen Netzwerks Facebook, seine Vorstellung von zulässigen und unzulässigen Meinungsäußerungen in vorauseilendem Gehorsam realisieren, statt (der Justizminister! fordert es) bei tatsächlichen Verstößen gegen geltende Gesetze die jeweiligen Missetäter mit den Mitteln des Rechtsstaats zu verfolgen und ggfs. zu bestrafen.

Also, bleiben wir lieber bei der zartfühlenden Wortwahl. Ich fühle mich auch hier stark vergesäßt!

Es kann doch nicht angehen, dass der Staat immer mehr seiner Aufgaben schlicht an externe Dienstleister überwälzt, nur um nicht selbst öffentlich als Zensor in Erscheinung zu treten.

Ja, verdammt noch mal, rückt endlich eine Liste heraus, welche Worte und Redewendungen nicht mehr zulässig sind, oder vielleich umgekehrt, eine kleines Wörterbuch, nicht mehr als 2.000 Vokabeln, also immer noch etwas mehr als der Standard-Wortschatz von BILD, die bis auf Widerruf ungestraft verwendet werden dürfen.

Außerdem verlangt es mich dringend nach einer Liste aller verbotenen oder unerwünschten Bücher, Filme und Musikstücke. Schließlich möchte ich meine kleinen Schätze in Sicherheit bringen, bevor das SEK mir die Tür eintritt und eine Hausdurchsuchung veranstaltet und anschließend im Vorgarten einen Scheiterhaufen errichtet.

Nur wenn Sie nichts davon erfahren haben, was jüngst in Bad Dürrheim geschehen ist, können Sie meine Befürchtungen für übertrieben halten. Dort wurden nämlich am 27. Juli 2015 (nicht 1933!) insgesamt 3.200 Bücher aus der Stadtbibliothek entfernt und vernichtet. Fast die Hälfte des gesamten Bücherbestandes der Bibliothek fiel dieser Säuberung zum Opfer.

Begründung: Nicht politisch korrekt.

Quelle: Egon W. Kreutzer