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Dienstag, der 22. Mai 2012 Tip  Ihre Pressemitteilung / News einreichen   English  English flag    French  French flag

 

Leerverkaufsspekulation

Die Kapitalerhöhung der Commerzbank hat Spekulanten angelockt, die sich auf die Schnelle eine neue Goldauflage für die Nase verdienen wollen.

Der Betrug, der hierzulande legal ist, läuft so ab:

Spekulanten “leihen” sich von Banken Commerzbankaktien, die dort auf den Depots von Bankkunden geparkt sind.

Das ist die Ungeheuerlichkeit No. 1

Eine Bank verleiht Aktien, die nicht ihr sondern ihren Kunden gehören, um Spekulanten einen Raubzug zu ermöglichen. Die Banken sagen: Wenn uns das nicht mehr erlaubt sein sollte, müssten wir die Depotgebühren in erheblichem Umfang anheben.

(Dieses Argument ist richtig, hat aber nichts mit den Kosten für die Depotführung zu tun, sondern lediglich mit den fest einkalkulierten Gewinnen der Bank aus solchen Geschäften mit fremdem Eigentum.)

Spekulanten verkaufen die geliehenen Aktien und erzielen dafür den Kurs, der gebildet wurde, bevor die Kapitalerhöhung verkündet wurde.

Das ist die Ungeheuerlichkeit No. 2

Spekulanten verkaufen Aktien, die weder ihnen, noch denen gehören, von denen sie sie sich geborgt haben, zu einem guten Kurs, weil ihnen nächtens im Traum ein Vögelchen (vielleicht aber auch in der VIP-Lounge ein Insider) gesungen hat, dass bald Bewegung in den Kurs kommen werde.

Da haben dieses Spekulanten jetzt also mehr als 1 Milliarde kassiert - und die Zeitung schreibt, sie hätten mehr als eine Milliarde investiert - ein kleiner Unterschied, meine ich.

Aber, da kann man schon mal durcheinanderkommen, wenn man als bezahlter Schreibknecht die Damen und Herren Spekulanten immer entweder als Investoren oder gleich als “die Märkte” bezeichnen muss. Schwamm drüber, ist halt Premium-Journalismus für Premium Investoren.

Nun setzt sich das Vögelein auf den höchsten Baum und zwitschert sein Lied in die ganze Welt hinaus. Daraufhin fällt der Kurs der Commerzbank Aktien und die Spekulanten kaufen zu niedrigem Kurs die vorher zu hohem Kurs verkauften Aktien zurück.

Der Unterschied zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis reicht aus, um die Leihgebühr, die Vermittlungsprovision der Bank zu bezahlen und das Vögelein angemessen zu honorieren und immer noch einen kleinen Sack voller Millionen übrig zu behalten.

Das ist die Ungeheuerlichkeit No. 3

Wenn das Kalkül aufgeht, und auf Basis gesicherter Informationen geht es fast immer auf, haben ein paar Drecksäcke in einer Form des legalen Glücksspiels, die man “Leerverkauf” nennt, ein paar Millionen, vielleicht sogar zig-Millionen abgesahnt. Diesen Einkommen steht keinerlei Leistung gegenüber.

Man fragt sich, wer dafür aufzukommen hat. Der Spekulant sagt, wir haben niemanden geschädigt. Kann das sein?

Natürlich nicht.

Der Spekulant sagt: Ich bin ja auch das Risiko eingegangen, also steht mir auch der Gewinn zu.

Da kann man nichts mehr dazu sagen.

Außer: Warum ist das nicht längst verboten? Hängt der Wirtschaftsstandort Deutschland davon ab? Haben wir es mit der Systemrelevanz der Spekulation zu tun? Sind gar Parteispenden in Gefahr?

Quelle: Egon W. Kreutzer

Startseite - Veröffentlicht am: 9. April 2011 um 11:34 Uhr - Haftungsausschluss     Sie möchten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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1 Kommentar / Frage

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1. ... Kommentar von Ursula Andersrum am Sonntag, 10.4.2011.

Es ist ein leicht zu erkennendes Wettsystem. In einem Wettsystem gewinnt immer der Veranstalter und mindestens einer der Teilnehmer muss verlieren, damit die anderen gewinnen können.

So ein System sollte mit hohen Steuern (Glückspiel-Steuern) belegt werden, dann könnten wir Nicht-Gewinnspiel-Teilnehmer uns schön darüber freuen.

Diejenigen, die dabei ihr Geld verlieren, haben offensichtlich zuviel davon. Mit denen muss niemand Mitleid haben.


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