Noch hält der Hang. Vom Erdrutsch wird erst am Sonntag ab 18.00 die Rede sein. Sie werden sagen: „Er zeichnet sich ab“, und, „Es war zwar klar, aber niemand hätte das in dieser Dramatik erwartet.“

Die ersten Stellungnahmen:

„Trotz herber Verluste; die Wähler haben uns erneut zur stärksten Kraft gemacht, über Koalitionen zu reden ist es jetzt noch zu früh.“
„Zweifellos haben die Wähler für eine Fortsetzung der großen Koalition gestimmt. Ob es dafür wirklich nicht reicht, werden erst die Hochrechnungen zeigen.“
„Wenn 42% für die CSU in Bayern auch schmerzlich sind, in keinem Bundesland hat die CDU diesen Wert erreichen können. Das Festhalten an der Obergrenze hat sich als das wirksamste Bollwerk gegen die AfD erwiesen.“
„Wir danken allen, die uns ihre Stimme gegeben haben. Dass die Stimmung im Lande grüne Themen vollständig überdeckt hat, war uns klar. Wir freuen uns, dass wir wahrscheinlich doch wieder im Bundestag vertreten sein werden.“
„Klare Kante! Das Wahlergebnis der FDP zeigt, dass mit klaren Aussagen Stimmen gewonnen werden können. Wir danken allen, die für eine freiheitliche, liberale Republik ihre Stimme abgegeben haben. Mit der Rückkehr in den Bundestag haben wir unser Wahlziel erreicht.“

Gegen 20.00 Uhr, wenn sich die Hochrechnungen stabilisiert haben, tritt Martin Schulz ans Mikrofon und verkündet die Niederlage der SPD und seinen Rücktritt von allen Parteiämtern.

ARD und ZDF überbieten sich darin, mögliche Koalitionen aus den Zahlen herauszulesen, doch es reicht für nichts. Kommentatoren beginnen ernsthaft darüber zu spekulieren, wie lange der Bundespräsident zögern wird, Neuwahlen auszuschreiben.

Um 21.45 Uhr, Interview mit Angela Merkel im heute-journal. „Ich bleibe solange kommissarisch im Amt, bis es wieder eine regierungsfähige Mehrheit im Parlament gibt. Von vorgezogenen Neuwahlen halte ich nichts, die würden auch keine Veränderung bringen. Meine Verantwortung für Deutschland kann mir durch dieses Wahlergebnis nicht genommen werden.“

Am Montag dann das vorläufige amtliche Endergebnis. BILD ruft alle Deutschen auf, auch die kleinsten Hinweise auf das Wirken russischer Hacker zu melden, die Wahl muss angefochten werden.

Panikstarre in Berlin. Freude in Ankara. Erdogan gratuliert Angela Merkel zu ihrer verfehlten Politik. Business as usual in Washington. Trump, von Reportern gefragt, wie er den Wahlausgang in Deutschland kommentiert, antwortet knapp, er habe sich noch nicht informiert, für die USA ändere sich nichts. Aus Paris kondoliert Macron, die Deutschen seien ebenso undankbar wie seine Franzosen. Er erwarte für die nächsten Wahlen bei sich ebenfalls eine Cla-tsché – und werde dennoch weitermachen.

Doch erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt.

Quelle und vollständiger Artikel: Egon W. Kreutzer

22. September 2017