Kostenfreie Schulspeisung greift zu kurz - Kinderregelleistungen müssen erhöht werden
Anlässlich der von den Ministerpräsidenten Peter Müller und Jürgen Rüttgers geforderten Bundeszuschüsse für kostenfreie Schulessen erklärt Markus Kurth, sozialpolitischer Sprecher:
Dass Kinder immer häufiger mit knurrendem Magen in die Schule gehen, zeigt wie dramatisch sich Kinderarmut in Deutschland zuspitzt. Kostenfreie oder bezuschusste Schulessen in Ganztagsschulen sind als alleinige Maßnahme nicht geeignet, die materielle Unterversorgung von armen Kindern zu lindern. Diese zeigt sich in allen Lebensbereichen. Denn die Regelleistungen für Kinder und Jugendliche reichen weder für eine gesunde Ernährung, noch sind sie geeignet im Wachstum befindliche Kinder mit Kleidung auszustatten. Ganz zu schweigen von den besonderen Aufwendungen für Schulmaterial, die Busfahrkarte oder den Besuch einer Bibliothek. Um die materielle Armut von Hartz IV-Kindern zu beseitigen, müssen endlich die Kinderregelleistungen auf ein bedarfssicherndes Niveau angehoben werden.
Die Ministerpräsidenten Rüttgers und Müller verschleiern mit ihrer Forderung nach Bundeszuschüssen für Schulessen ihre eigene Handlungsunfähigkeit in Sachen Kinderarmut. Zum wiederholten Male vertagte am vergangen Donnerstag auf Antrag des Saarlandes der Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundesrates eine umfassendere Initiative zur Neuordnung der Regelleistungen für Kinder. Trotz weitreichender Beschlüsse in den Länderparlamenten zu einer Erhöhung der Kinderregelleistungen reihen sich die Landesregierungen damit unrühmlich in die Politik des Aussitzens der Bundesregierung ein. Denn auch Bundesminister Olaf Scholz verschleppt die schon von seinem Vorgänger Franz Müntefering zugesagte Prüfung der Kinderregelleistungen.
Kommenden Donnerstag diskutiert der Bundestag eine Initiative der Grünen, die eine Ermittlung der besonderen Bedarfe von Kindern und Jugendlichen durch eine unabhängige Expertenkommission fordern. Die durch wissenschaftliche Erhebungen ermittelten Kinderbedarfe sollen nach unserer Auffassung künftig der Maßstab neuer bedarfsgerechter Kinderregelleistungen werden.
Quelle: Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen
Weiterführende Meldung:
Berlin: (hib/MPI) Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will den Kampf gegen Kinderarmut verschärfen. In einem Antrag (16/8761) fordert sie, die sozialen Regelleistungen für Kinder sofort an die laufende Preisentwicklung anzupassen. Zudem müssten armen Kindern Lernmittel, Mahlzeiten im Rahmen der Ganztagsbetreuung und die Teilnahme an kommunalen Sport- und Musikangeboten gewährt werden. Auch die Kosten für die Schülerbeförderung seien in begründeten Fällen vom Staat zu übernehmen, falls keine Erstattung durch das Bundesland vorgesehen sei, heißt es. Grundsätzlich wollen die Grünen, die Kinderregelsätze anhand von Empfehlungen einer unabhängigen Expertenkommission überarbeiten. Diese Kommission aus Vertretern der Wissenschaft, der Wohlfahrtsverbände, der Sozial- und Jugendhilfeträger solle unverzüglich eingesetzt werden und die Bemessungsgrundlage für bedarfsgerechte, altersspezifische Regelleistungen für Kinder und Jugendliche erarbeiten.
Quelle: Deutscher Bundestag
Startseite - Veroeffentlicht von: Einstein am: 16. April 2008 um 15:01 Uhr - Haftungsausschluss ![]() |
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