Kopfrechnen und Schwarzarbeit
Was mich heute geärgert hat, war der Gastkommentar des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit zum Thema Schwarzarbeit
Es handelt sich nur um wenige Zeilen. Aber Herr Weise schafft es, ganz elegant einen argumentativen Bogen zu spannen, mit dem sinngemäß zum Ausdruck gebracht werden soll:
Wer aus Anlass der Liechtenstein-Affäre auf die Idee kommt, die raffgierigen Manager seien Schuld an der schlechten Lage im Land, der möge doch bitte erst vor der eigenen Tür kehren, denn viel, viel schlimmer ist der Schaden, den die Schwarzarbeiter anrichten - und davon gibt es in Deutschland viele, und darüberhinaus gibt es fast keinen Deutschen, der nicht schon einmal Schwarzarbeit in Anspruch genommen hätte.
Und dann, wie könnte es anders sein, kommt auch Herr Weise mit jener ungeheuerlichen Zahl daher, die Professor Schneider aus Linz alle Jahre wieder - mit kleinen Abweichungen nach oben oder unten in die Welt setzt.
In Deutschland würden 300 bis 350 Milliarden Euro in Schwarzarbeit erwirtschaftet. Jährlich.
Herr Weise setzt allerdings noch einen oben drauf. Denn während Prof. Schneider vorsichtshalber meist von Schattenwirtschaft spricht und vorsichtshalber auch gar nicht so genau sagt, was er darunter so alles subsumiert - behauptet Herr Weise, bei diesen 300 bis 350 Milliarden handele es sich nur um die reine Arbeitsleistung, ohne Material.
Und dann fragt Herr Weise belehrend:
“Was heißt das?”
Und gibt auch gleich selbst die Antwort:
“Sehr viele Menschen - nicht nur Manager - suchen ihren Vorteil, auch mit illegalen Methoden.”
Man sollte meinen, wenigstens der Chef der Bundesanstalt für Arbeit hätte eine ungefähre Vorstellung davon, was eine Schwarzarbeiterstunde heutzutage kostet. Aber er meint, 300 bis 350 Milliarden Euro entsprächen der Arbeitsleistung von 2 bis 3 Millionen regulären Arbeitsplätzen.
Kopfrechnen, Herr Weise!
300 Milliarden, das sind dreihunderttausend Millionen
und wenn man dreihunderttausend Millionen Euro auf zwei Millionen Arbeitsplätze verteilt, dann sind das 150.000 Euro pro Arbeitsplatz.
Da frage ich jetzt einmal:
Herr Weise, was heißt das denn?
Knapp 40 Millionen Beschäftigte hat das Land, einschließlich aller Ein-Euro-Jobber und Teilzeitkräfte, einschließlich aller Leiharbeiter, aller Selbständigen und mitarbeitenden Familienmitglieder. Die haben zuletzt ein Bruttosozialprodukt von rund 2,3 Billionen Euro erwirtschaftet.
Pro Nase also gerade einmal 58.000 Euro - nicht Lohn, sondern Gesamtleistung, einschließlich aller Zinsen, Mieten, Pachten, Gewinne und selbst einschließlich der Mehrwertsteuer.
So - und jetzt dürfen Sie das noch einmal erklären, was das heißt, Herr Weise. Aber diesmal etwas realistischer, bitte.
Wenn man nämlich aus dem BIP die Gewinne und die Zinsen und die Mieten und die Mehrwertsteuer und die Investitionen herausrechnet und den Rest betrachtet, den sich die abhängig Beschäftigten teilen, dann merkt man plötzlich, dass man man 10 bis 15 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeiter bräuchte, um mit Schwarzarbeiterlöhnen auf 300 bis 350 Milliarden zu kommen. Und die sollten im Straßenbild wirklich selbst den blindesten Schwarzarbeitsfahndern auffallen. Kopfrechnen!
Quelle und Bild: Egon W. Kreutzer
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