Keine Entwarnung auf dem Ausbildungsmarkt
Fast 400.000 Jugendliche suchen seit mehr als einem Jahr nach einem Ausbildungsplatz. In ihren Ohren muss es wie Hohn klingen, wenn die Arbeitgeber plötzlich über fehlende Bewerbungen klagen, kommentiert Nele Hirsch entsprechende Äußerungen der DIHK. Die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:
“Ein paar Tausend freie Lehrstellen können über die noch immer bestehende Ausbildungsplatzlücke nicht hinwegtäuschen. Allen Unkenrufen zum Trotz sind es nicht die Auszubildenden, die fehlen, sondern die ausbildenden Betriebe. Bislang kann keineswegs davon ausgegangen werden, dass im Herbst alle Bewerberinnen und Bewerber einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben werden.”
Außerdem darf nicht ausgeblendet werden, dass Jahr für Jahr Hunderttausende von Jugendlichen im so genannten Übergangssystem landen, in dem sie keinen anerkannten Berufsbildungsabschluss erwerben können. Vielfach drehen sie jahrelang Warteschleifen ohne jede berufliche Perspektive. Grund zum Feiern gibt es erst, wenn diese Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung machen können.
Quelle: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Pressestelle
Dazu der DGB:
Ausbildungsmarkt: Von Entwarnung kann keine Rede sein!
Solange noch hunderttausende Jugendliche aus den vergangenen Jahren auf einen Ausbildungsplatz warten, könne von Entwarnung auf dem Ausbildungsstellenmarkt keine Rede sein, kommentierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Montag in Berlin die Meldung des DIHK, es seien noch tausende Lehrstellen frei.
Zwar gibt es aktuell einen Zuwachs an neuen Ausbildungsplätzen, dennoch sollte die positive Entwicklung nicht überbewertet werden: Das bessere Verhältnis zwischen Ausbildungsplatzsuchenden und gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen ist vor allem auf die deutliche Abnahme der Bewerber/innen zurückzuführen, die bei der Bundesagentur (BA) registriert sind. Nach Angaben der BA vom Juni 2008 fehlen aber noch immer 145.900 betriebliche Ausbildungsstellen.
„Nun kommt es darauf an, die 385 000 sog. Altbewerber/innen zu versorgen, die in den vergangenen Jahren leer ausgingen und noch immer auf einen qualifizierten Einstieg ins Berufsleben hoffen“, sagte Ingrid Sehrbock. „Die Unternehmen haben ihr Ausbildungsengagement in den letzten Jahren vernachlässigt, lieber die Ausrede bemüht, die Jugendlichen seien nicht ausbildungsfähig und sich nur die allerbesten Berweber/innen herausgepickt.“
Inzwischen gibt es im Rahmen des Ausbildungsbonus’ sogar Unterstützung für Firmen, die Altbewerber ausbilden. „Spätestens jetzt ist Umdenken gefragt: Die Unternehmen sollten auch Jugendliche in den Blick nehmen, die vielleicht nicht die Spitzen-Zeugnisse, dafür aber andere Fähigkeiten mitbringen“, betonte Sehrbock.
Dazu zählten z.B. junge Migranten/innen - derzeit haben nur 28 Prozent von ihnen eine Ausbildung im dualen System, auf Übergangsmaßnahmen sind dagegen rund 60 Prozent angewiesen. „Viele von ihnen könnten sich mit ihrer Mehrsprachigkeit und Bikulturalität als wahre Schätze für die Unternehmen erweisen“, sagte Sehrbrock.
Hilfreich wäre auch der Ausbau ausbildungsbegleitender Hilfen als Regelangebot, wie es in der Schweiz erfolgreich funktioniere.
Eine deutliche Abfuhr erteilt der DGB „Schmalspur-Ausbildungen“, wie dem neuen Beruf des Speiseeisherstellers. „Diese aus dem Ausbildungsberuf des Konditors herausgelöste Teilqualifikation bietet keine vernünftige Perspektive“, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende. „Mit diesem Beruf sind die Beschäftigten nur in einem kleinen Segment einsetzbar und damit auch schneller von Arbeitslosigkeit bedroht.“
Gerade das deutsche duale Berufsausbildungssystem sei ein Exportschlager und im Ausland hoch angesehen. Man dürfe es nicht verwässern und in Verruf bringen, nur weil man meint, damit neue Ausbildungsplätze generieren und die Statistik besser aussehen lassen zu können.
Quelle: DGB
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