Kein Doktortitel nach Abschluss Medizinstudium in Belgien


Der Abschluss eines Medizinstudiums in Belgien mit dem Grad „Docteur en Médecine, Chirurgie et Accouchements“ berechtigt nicht zur Führung des Titels „Doktor der Medizin“ oder abgekürzt „Dr.“ in Deutschland. Dies entschied das Verwaltungsgericht Mainz.

In den 1980`iger Jahren hatte der Kläger in Belgien das Medizinstudium absolviert. Daraufhin erteilte ihm das damalige Kultusministerium Rheinland-Pfalz die Genehmigung zur Führung des akademischen Grads „Docteur en Médecine, Chirurgie et Accouchements / Univ. Brüssel“. Mit seiner Klage gegen die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz verfolgte der Kläger die Feststellung, dass er zur Verwendung des deutschen Doktortitels der Medizin berechtigt sei. Zur Begründung machte der in Rheinland-Pfalz tätige Arzt u.a. geltend, in Belgien sei die Abkürzung „Dr.“ für den von ihm erreichten Studienabschluss üblich. Das Verwaltungsgericht wies die Klage ab.

Ein ausländischer Hochschulgrad dürfe nach dem rheinland-pfälzischen Hochschulgesetz nur in der (ausländischen) Form geführt werden, in der er verliehen worden sei. Weil in Belgien für den Abschluss „Docteur en Médecine, Chirurgie et Accouchements“ die Abkürzung „Dr.“ weder rechtlich zugelassen noch nachweislich allgemein üblich sei, dürfe sie auch nicht in Rheinland-Pfalz verwendet werden. Für den Kläger vorteilhaftere Regelungen enthielten auch nicht die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz für in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) erworbene Hochschulgrade. Auch für diese gelte der Grundsatz, dass sie nur in der jeweiligen Originalform zugelassen seien. Die deutsche Abkürzung „Dr.“ dürfe jedoch u.a. nach Durchlaufen eines Promotionsverfahrens im EU-Ausland, nicht aber aufgrund bloßen Abschlusses des Medizinstudiums – vergleichbar mit dem deutschen Staatsexamen Medizin – geführt werden. Ziel sei es, den Rechtsverkehr vor Täuschung oder Irreführung durch eine unkontrollierte Führung ausländischer Grade zu schützen. Verfassungsrecht oder europäisches Recht verlangten nicht eine günstigere Betrachtung.

Quelle: Verwaltungsgericht Mainz, Urteil vom 16. November 2016, 3 K 1538/15.MZ

13. Dezember 2016

1 Kommentar

  1. Jörg Freundlich (Pseudonym)

    22. Dezember 2016 um 13:19

    Die Entscheidung des des Verwaltungsgerichts Mainz ist mir nicht verständlich und ruft Kritik hervor. Selbstverständlich darf, wer einen akademischen Abschluss erworben hat, auch den dazu berechtigenden akademischen Grad führen. Das gilt in Deutschland so wie auch in Belgien. Im Zuge der Internationalisierung der akademischen Studiengänge (Bachelor und Master) ist auch das Medizinstudium vereinheitlicht worden.

    Beim Medizinstudium in Deutschland gilt nämlich die Besonderheit, dass der Student am Ende seines Studiums, also noch vor seinem Abschluss, eine Doktorarbeit anfertigt und dann nach Erwerb des Masters automatisch die Berechtigung zum Führen des Doktor-Grades (nicht Doktor-Titels) erwirbt. Ein gesondertes Durchlaufen eines Promotionsverfahrens – außer man will sich habilitieren – gibt es nicht.

    Das ist nämlich der Unterschied zu Promotions-Studiengängen etwa bei Naturwissenschaftlern und Juristen, die nach dem Abschluss des Masterstudiums oder Staatsexamens – ein oft mehrjähriges – Promotionsverfahren durchlaufen müssen, um dann den Doktor-Titel (!), nicht Grad, führen zu dürfen. Um die Berechtigung zum Führen eines Doktortitels ging es vorliegend aber nicht, sondern nur um den Doktorgrad. Das Verwaltungsgericht Mainz hat diesen Unterschied jedoch nicht erkannt und dem Arzt den Doktor-Grad abgesprochen, obgleich dieser ein in Deutschland äquivalentes Medizinstudium aber in Belgien absolviert hatte. Der belgische Arzt ist in seinen EU-Rechten erheblich verletzt, weil er seinen berechtigten Doktorgrad hier in Deutschland nicht führen darf.

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