Jugendarbeitslosigkeit in Europa – Warum teure Hilfsprogramme versagen

Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hat die EU seit 2010 milliardenschwere Programme aufgelegt, die allerdings an der miserablen Lage der Jugendlichen in vielen Ländern so gut wie nichts geändert haben. Über 90 Milliarden Euro stehen für „Jugendgarantie“, „Beschäftigungsinitiative für junge Menschen“ und andere Hilfsmaßnahmen zur Verfügung, „alles Mittel, die bis heute kaum abgerufen wurden“, kritisiert der Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Gerhard Bosch, Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Die Situation der Jugendlichen in Europa ist sehr unterschiedlich und reicht von sehr günstigen Beschäftigungsaussichten in einigen Ländern über temporäre Übergangsprobleme in anderen Ländern bis hin zu einer dramatisch hohen Jugendarbeitslosigkeit in Süd- und Teilen Osteuropas. Die Ursachen dafür können in Qualifikationsdefiziten, in der Struktur des Bildungssystems, der demografischen Entwicklung und dem niedrigen Wirtschaftswachstum liegen.

In den meisten EU-Ländern, insbesondere auch in denen mit hoher Jugendarbeitslosigkeit, ist die jüngere Generation erheblich besser qualifiziert als die ältere. Gleichzeitig ist aber der Anteil der gut qualifizierten Jugendlichen an den Arbeitslosen in den Krisenländern stark gestiegen. Selbst die Arbeitslosenquoten der Jugendlichen mit Hochschulabschluss liegen dort im zweistelligen Bereich, wie etwa im Jahr 2014 in Griechenland bei 40,6 Prozent, in Spanien bei 28,1 und in Italien bei 26,8 Prozent.

„Allerdings sind Bildungs- und Beschäftigungssystem in vielen Ländern nicht gut aufeinander abgestimmt“ stellt Prof. Bosch fest. Viele empirische Untersuchungen haben übereinstimmend festgestellt, dass Jugendliche in Ländern mit einem dualen Berufsbildungssystem, wie Deutschland, Österreich, Schweiz oder Dänemark, geringere Übergangsprobleme haben als Länder mit anderen Bildungssystemen. In schrumpfenden oder nur schwach wachsenden Volkswirtschaften mit vielen um ihre Existenz kämpfenden Unternehmen sinken Arbeitskräftebedarf und Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Wenn arbeitsmarktpolitische Maßnahmen dann vor allem in Lohnkostenzuschüssen bestehen, werden Jugendliche vielfach nur als billige Arbeitskräfte eingesetzt.

Die Länder haben eigene Umsetzungsprogramme für die Fördergelder entwickelt. Die Mittel fließen aber nur zögernd ab, da die Planungs- und Umsetzungskapazitäten fehlen und die Betriebe eher Personal abbauen als neue Arbeitskräfte einzustellen. Strukturreformen, wie die Einführung von dualen Ausbildungssystemen, brauchen Zeit und sind allenfalls mittelfristig umsetzbar. Programme wie die „Jugendgarantie“ sind geeignet für Länder mit Übergangsarbeitslosigkeit von Jugendlichen nach der Ausbildung, einer entwickelten Arbeitsmarktpolitik und funktionierenden Netzwerken mit der Wirtschaft. Sie lassen sich offensichtlich nicht in der gesamten EU umsetzen. „Die vollmundige Rhetorik, allen Jugendlichen spätestens nach viermonatiger Arbeitslosigkeit eine hochwertige Arbeitsstelle oder eine geeignete Qualifizierung anzubieten, kann in vielen Teilen Europas nur als Zynismus empfunden werden“, meint Prof. Bosch. „Ohne eine Einbettung in eine überzeugende Wachstumsstrategie wird dieses Versprechen auch nicht annähernd einzulösen sein.“

Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation – IAQ – Pressestelle