Während in Deutschland alle dritten Programme der öffentlich rechtlichen Fernsehsender die Aufzeichnungen der Faschings- und Karnevals-Veranstaltungen der letzten zehn Jahre als kostensparende Konservenkost unters Publikum streuen, ist es in Frankreich die Wirklichkeit, die uns „Europäern“ ein déjà vu Erlebnis nach dem anderen bescheren möchte. Doch weil die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht darüber berichten und die Privaten sowieso nicht besonders nachrichtenaffin sind, gibt es hierzulande viele in Ehren Ergraute, die sich zwar mit wonnigem Schauder an den Mai in Paris erinnern, der einer ganzen Generation den Namen „68er“ gab, die jedoch in dem Irrtum befangen sind, in den letzten 49 Jahren – so lange ist das schon wieder her – habe sich auch in Paris der Schleier einer satten Selbstzufriedenheit über alles störrische Aufbegehren gelegt.

Das ist halb wahr.

Damals waren es die Studenten, die aufbegehrten. Damals ging es um fundamentale Kapitalismuskritik, um mehr Demokratie und gegen den Krieg in Vietnam. Damals wurden so genannte Ideale gegen so genannte Sachzwänge in Stellung gebracht. Mit jedem Pflasterstein flog auch eine Botschaft. Getroffen wurde jedoch nur die Polizei – und die auch nur von den Steinen. Die Botschaften kamen nicht an. Erst als es ans Aufräumen ging, wurden einige der Gedanken und Ideen aus dem Schmutz der Gosse gezogen.

Heute weiß man nicht so genau, wer es ist. Holger Douglas schrieb am 15. Februar auf Tichys Einblick: „Es handelt sich vielmehr um Aufstände von Islamisten und Jugendlichen, die in Moscheen radikalisiert wurden.“

Im gleichen Artikel zitiert der gleiche Autor allerdings auch die französische Zeitschrift „Le Figaro“, die von „rechtsfreien Räumen“ spricht, welche „Drogenbosse und Unruhestifter“ unter Kontrolle halten.

Beginnen wir also auf der anderen Seite. Auf der anderen Seite der Barrikaden steht nach wie vor die Polizei und hinter der Polizei steht der Staat, also der gewählte Präsident mit seiner Regierungsmannschaft. Die Frage, die sich hieraus unmittelbar ergibt, lautet:

Was hat sich am Staat geändert, wenn seine Gegnerschaft sich derart geändert hat?

( … )

Quelle und vollständiger Artikel: Egon W. Kreutzer

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20. Februar 2017