„Wer angesichts der PISA-Ergebnisse glaubt, alles sei in Butter, weil Deutschland immer noch deutlich oberhalb des OECD-Durchschnitts liegt, der irrt sich gewaltig“, erklärt Rosemarie Hein, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich der heute veröffentlichten PISA-Ergebnisse 2015. Hein weiter:

„Der positive Trend der letzten Jahre ist gestoppt, wie die jüngsten PISA-Ergebnisse zeigen. Das kommt davon, wenn man sich zu früh in Erfolgen sonnt. Die Hauptprobleme sind lange bekannt: Nach wie vor hängt in Deutschland der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft ab. Das ist ein Armutszeugnis für eines der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt. PISA zeigt auch deutlich, dass diese Abhängigkeit kein Naturgesetz ist, sondern ein hausgemachtes Problem, die Folge falscher sozialpolitischer und bildungspolitischer Entscheidungen.

Ein Grundproblem liegt im gegliederten deutschen Schulsystem. Durch die frühe Zuweisung auf unterschiedliche Schulformen werden jene bevorzugt, die sozial besser gestellt sind. So kann auch gute Bildungsarbeit zu wenig gegen die schlechteren Bildungschancen tun. In einem gegliederten Schulsystem kann außerdem Inklusion nicht gelingen. Doch Inklusion ist unabdingbar für gleiche Chancen in der Bildung. Dem PISA-Koordinator Schleicher kann man nur zustimmen, wenn er treffend formuliert, Inklusion sei kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

Es gibt keinen Grund, die bescheidenen Erfolge in der Lesekompetenz zu feiern oder die Einbrüche in anderen Fächern zu verharmlosen. Bevor sich die Bundesregierung für Teilerfolge auf die Schulter klopft, muss festgehalten werden, dass wir diese in erster Linie den Lehrkräften vor Ort zu verdanken haben. Zudem ist Bildung Ländersache. Und die vereinzelten und befristeten Bund-Länder-Programme oder Programme der Bundesregierung lösen einerseits die Probleme nicht und führen andererseits auch nicht zu nachhaltigen und wirksamen Ergebnissen. Bund und Länder müssen in der Bildung endlich dauerhaft und sinnvoll miteinander arbeiten können. Das Kooperationsverbot muss endlich fallen und eine Gemeinschaftsaufgabe Bildung im Grundgesetz verankert werden. Bund und Länder dürfen in ihrer Engstirnigkeit nicht länger mit den Bildungschancen junger Menschen spielen.“

Quelle: Fraktion DIE LINKE

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7. Dezember 2016