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Sonntag, der 23. November 2008 Tip  Ihre Pressemitteilung / News einreichen   English  English flag    French  French flag

 

Im Dschungel der Maßnahmen - Interview mit der Autorin

VerbraucherinformationBild: EWK - Verlag

Kritiker stufen das Buch “Im Dschungel der Maßnahmen” als gelungene Aufklärungsliteratur über die anhaltenden Missstände bei den Arbeitsverwaltungen ein. Kaum ein Buch spricht so offen Klartext. Nun hat sich die Autorin in einem Interview zu Wort gemeldet und steht Rede und Antwort bei Fragen rund um das gelungene Werk.

Quellen:

(Ohrfunk.de)

Herausgekommen ist ein sehr interessantes Gespräch, in dem die Autorin Ihren Standpunkt - und Ihre Motivation, dieses Buch zu schreiben - klipp und klar darlegt. Immer wieder ist herauszuhören, mit welcher emotionalen Beteiligung die Autorin bei der Sache ist.

Das Buch ist beim EWK-Verlag - ISBN 978-3-938175-40-8 erhältlich und sollte in keiner Bibliothek fehlen.

Startseite - Veroeffentlicht von: Steinbock   am: 6. August 2008 um 7:33 Uhr - Haftungsausschluss     Sie moechten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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  4 Kommentare / Fragen veroeffentlicht


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4 Kommentare / Fragen

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1. ... Kommentar von Sim am Sonntag, 10.8.2008.

„Im Dschungel der Maßnahmen“, so lautet der Buchtitel von Isabell Horstmann

Hörenswert, die zwei Hörbeiträge…
ENDLICH SPRICHT MAL JEMAND KLARTEXT!!

Die Autorin spricht genau das an, was ich und Ihr sicherlich auch über Jahre erlebt habt.
ICH FÜHLE MICH DAS ERSTE MAL VERSTANDEN. Dieses Buch müsste man denen, die so mit uns umspringen, die für die ganze Misere verantwortlich sind,… unser Staat, der nicht in der Lage ist, für alle Arbeit zu bieten… unter die Nase halten!

Nicht wir sind die faulen Schmarotzer, nein unser System/Staat ist nicht in der Lage….
Und wir sollen als Buhmann her halten.

Wir haben uns das Los Arbeitslosigkeit nicht selbst ausgesucht, wir würden gern arbeiten!
Jedoch unser Staat ist nicht in der Lage, für jeden Bürger unseres Landes Arbeit zu bieten. Im Gegenteil, wir werden noch unter Druck gesetzt durch die ARGE und Jobcenter, trotz guter Bildung und zig Weiterbildungen müssen wir jedem Job annehmen zu niedrigsten Bedingungen, von denen man nicht einmal leben kann und oft noch eine Aufstockung erhält, weiter von der ARGE abhängig ist…. Wenn denn auch ein Job da ist…. (ich habe in den letzten Jahren nicht ein Jobangebot erhalten, aber Drohungen und eine Sanktion während meiner Erkrankung)…
..und werden zu sinnlosen, auf dem Teilnehmer nicht zugeschnittenen Maßnahmen geschickt unter Androhung von Sanktionen (das mache ich schon Jahre mit nach der Wende und meiner ersten Umschulung, wo ich noch einen Sinn drin sah. Nun sehe ich keinen Sinn mehr in all dem, die Luft ist raus, ich möchte einfach nur arbeiten, wie Ihr alle sicherlich auch).

Diesen Umstand greift die ehemalige Bewerbungstrainerin und Buchautorin Isabell Horstmann auf, erschütternde Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag.

Damit noch vielen Menschen der Rücken gestärkt, ihr Selbstwertgefühl wieder aufgebaut wird, …
Ich habe mir die Mühe gemacht und versucht, einiges aus dem Interview hier nochmals wieder zu geben, damit es auch alle lesen. Denn bisher gibt es kein Kommentar zu den zwei Hörbeiträgen.


Auszug:
Die promovierte Literaturwissenschaftlerin zeigt an einer Vielzahl von nicht selten absurden Beispielen die problematische und bedenkliche Seite von Umschulungen und Feststellungsmaßnahmen, an denen Arbeitslose teilnehmen müssen.

Während Ihrer damaligen Arbeit konnte die Autorin es nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren und wollte seelisch auch so nicht weiter arbeiten.

Sie ist auch ihren Job ausgestiegen und hat angefangen, erst einmal einfach für sich selbst alles aufzuschreiben, was sie zuletzt da erlebt hatte. Das hat sie die Monate erweitert, bis dieses Buch draus geworden war und veröffentlicht.

Moderatorin:
Aha ich entnehme, es war eher eine problematische Tätigkeit als Bewerbungstrainerin…
..Maßnahmen für Arbeitslose, die ihnen helfen sollen, den Kontakt zur Berufswelt nicht zu verlieren, am Ball zu bleiben, zu wissen welche Fähigkeiten gefragt sind
… das klingt ja zunächst erst einmal nicht schlecht.
In ihrem Buch schildern sie dann ganz offensichtlich eine ganz andere Wirklichkeit, wie sieht die aus und von was für Maßnahmen ist eigentlich genau die Rede?

Dort, wo die Autorin gearbeitet hatte, war tatsächlich eine andere Wirklichkeit, die die meisten Teilnehmer erlebt haben und auch wirklich nicht mehr akzeptabel.
Die Autorin arbeitete im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen von Bildungsinstituten, die entweder Bewerbungstraining (Einzelbewerbungstraining) anbieten oder Bewerbungstrainings im Rahmen von Feststellungsmaßnahmen oder auch im Rahmen von Umschulungen.

Die Klientel/Teilnehmer, die dort erscheint, kommen in den allermeisten Fällen nicht freiwillig sondern werden dort hin geschickt und kommen unter Androhung von Leistungskürzungen. Und viele erscheinen dort auch nicht zum ersten Mal sondern schon zum 4. oder 5. Mal, weil es ihrem Berater gelungen ist, sie dort wieder hin einzuladen unter Androhung von Leistungskürzungen….

Für die ehemalige Bewerbungstrainerin war die Arbeit nicht ideal, mit Menschen zu arbeiten, die nicht darum gebeten haben, ohne dass ihnen Repressalien drohten…

Dazu gibt es viele absurde Beispiele, die die Autorin in ihrem Buch schildert. Zusammenfassend, Teilnehmer wurden/werden in Maßnahmen geschickt unter Androhung von Sanktionen, die nicht auf sie zugeschnitten/zutreffend sind.

Moderatorin:
Ihre Erfahrung ist, es geht nicht darum, die Arbeitsuchenden wirklich wieder irgendwo sinnvoll zu vermitteln, einzugliedern, ihnen Fortbildungsmaßnahmen zu verschaffen sondern es geht in Wirklichkeit… ja um was genau? Um die Arbeitslosenstatistik zu beschönigen? Zu sagen, wir haben etwas getan?

Die Autorin meint dazu, dass man Menschen schon helfen kann, indem man die Bewerbungsunterlagen optimiert, zeigt wie man im Internet nach freien Stellen recherchiert… Nur die wenigen Erfolge, die es da gibt, dienen dann den Menschen als Rechtfertigung, zu sagen „ja seht mal, wenn sich jemand nur ganz, ganz, ganz, … doll anstrengt, dann kann es ja auch mal zum Ziel führen.

„Aber meiner Meinung nach ist das eine völlige Alibierechtfertigung. Denn der Aufwand steht in überhaupt keinem Verhältnis mehr zum Ergebnis, das heißt in meinen Augen muss es andere Gründe geben, warum Menschen so massenweise und auch oft so völlig sinnentleert immer wieder in diesen Trainings landen und oft eben auch komplett konträr zu ihrer beruflichen Zielsetzung….“

Weiter meint die Autorin, weshalb zum Bsp. ein Techniker, der um eine Bildung bittet, in einer völlig anderen Maßnahme über Monate sitzen muss, WARUM? Es gibt keinen wirklichen Grund… und so etwas kommt unglaublich oft vor.
MASSENTENDENZ… es sammelt sich Frust an, Verschleuderung von Geldern für sinnlose Maßnahmen, die nicht zu dem Menschen passen… werden bezahlt.

Den Teilnehmern wird ein falsches Bild vermittelt… sie hätten sich ev. nicht genug gemüht…. Die Leute so ins AUS laufen zu lassen und sie nicht als mündige Bürger zu nehmen, denen man reinen Wein einschenkt über die Situation in unserem Land und wo alle zusammen mal anfangen, sich neue Organisationsformen zu überlegen, die einfach auch ehrlicher sind als was da im Moment gemacht wird.

Moderatorin:
Hartz IV Empfänger schließen sich selten zusammen, es ist erstaunlich still…weshalb?
Da erwartet man doch eigentlich Aufruhr, neue Parteien etc.

Die Autorin will mit ihrem Buch den RÜCKEN STÄRKEN, damit sie merken, dass sie KEINE EINZELFÄLLE sind und dass sie ihr schlechtes Gewissen gar nicht weiter pflegen brauchen. Dass sie einfach damit aufhören und merken, dass es nichts mit ihrer Persönlichkeit oder ihren Unzulänglichkeiten zu tun hat sondern dass es einfach ein MASSENSCHICKSAL ist.

Und es wird ihnen nur vorgespiegelt, es hätte etwas mit ihrer Einzelpersönlichkeit, die noch irgendwie unzulänglich sei für den Arbeitsmarkt zu tun.

Also die Leute müssen sich wirklich nicht in irgendwelche halbjährigen oder einjährigen Qualifizierungen setzen, um wieder zu lernen wie man morgens um 8 wieder auf der Matte steht….

Viele ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück… aber es wird nicht besser

Moderatorin:
Lösungsansätze im Buch?
..wie man dem Dschungel der sinnlosen Maßnahmen entgehen kann, andere Förderungen erhalten kann,…?

Die Autorin hat bewusst keine Lösungsansätze im Buch offenbart,
wie man den Teilnehmern den Rücken stärken kann.
Sie bezweckt mit ihrem Buch,
dass man das völlig entkoppelt, dass man sagt, diese Leute bekommen ihre Grundsicherung oder ihren Unterhalt, ihr Leben finanziert.

Es sind Menschen, die auf Arbeit verzichten müssen obwohl sie welche haben wollen, weil in unserer Gesellschaft nicht mehr genügend Arbeit da ist. Und diese Tendenz wird zunehmen. Diese Menschen müssen auf Arbeit verzichten, das machen sie nicht freiwillig. Sie brauchen eine Entschädigung und ihr Lebensunterhalt muss gesichert sein. Und das muss völlig abgekoppelt werden von jedem moralischen Zeigefinger, wo man auf diese Menschen zeigt und sagt: „Ach vielleicht hat er sich nur nicht richtig bemüht, noch ein kleines Bewerbungstraining und noch eins…“

Die Autorin hat nichts gegen eine Qualifizierung, wenn gesichert ist, dass diese Qualifizierung markttauglich ist, dass auf dem Markt auch noch Leute gebraucht werden…
Und wenn jemand solch eine Qualifizierung haben möchte und ist geeignet dafür, dann kann er sie FREIWILLIG wählen und auch bekommen.

Die Autorin ist aber dagegen, dass Menschen unfreiwillig in Qualifizierungen reingedrängt werden. Das muss komplette entkoppelt werden.

Besonders wichtig ist der Autorin, zu sagen….
dieser Mythos, dass wir die Schmarotzer raus finden müssen, die das ganze Geld nur nehmen um sich dann auf der Couch auszuruhen, dagegen möchte die Autorin völlig ansprechen.

Die Autorin ist der Meinung, dass die allermeisten Menschen in unserem Land wirklich gerne alle ihren Haushalt verlassen und ihr Geld verdienen wollen und „sich abends noch in den Spiegel gucken wollen“
Und wenn man sie das lässt und wirklich Vollzeitbeschäftigung anbietet, Beschäftigungen von denen man leben kann, dann werden sie die auch wahrnehmen. Da ist die Autorin ganz sicher. Und man muss da auch gar nicht mit Zwang arbeiten. Die wenigen, die da dann noch über bleiben, die haben ernsthafte Gründe, entweder ernste körperliche Hinderungen oder sie haben ernste seelische Hinderungen und schon schlimme Erfahrungen gemacht, so dass sie sich nicht mehr trauen. Die können dann zwar in irgendwelchen Fernsehsendungen dick auftragen, Arbeiten das brauche ich ja nicht….. Das sind ganz unsichere Menschen und sie brauchen vielleicht Unterstützung, so dass sie wieder ein Selbstwertgefühl aufbauen können und Motivation haben….. Aber sie brauchen doch dieses Zwangssystem nicht und das sind ganz, ganz wenige.

Ich bin der Überzeugung, wenn wir Arbeit anbieten, dann wird diese Arbeit auch angenommen

Und wir können das Vertrauen haben, dass in diesem Lande mündige Bürger leben, die das dann auch wahrnehmen werden.

Es darf keine Unfreiwilligkeit mehr geben… und Menschen müssen diese Unterstützung bekommen könne, ohne dass man ihnen latent zu verstehen gibt, dass sie noch ständig an sich rum doktern lassen müssen.
ENDE

Ich weiß nicht, wie ich es ändern kann.
Die Autorin hat Recht mit dem Angesprochenen,
sinngemäß, es ist ein Massenphänomen mit der Arbeitslosigkeit, es wird in den nächsten Jahren noch zu nehmen. Wir haben ein Anrecht auf Ausgleich, ohne Zwangsmaßnahmen und schlechtes Gewissen einreden.

Eine Betroffene


2. ... Kommentar von MartinaBC am Dienstag, 19.8.2008.

Ich war in Maßnahmen, kann das oben gesagte nur bestätigen. Die “Krönung” war, dass wir in einem Motivatiosntraining als Versager betitelt und indirekt zum Selbstmord aufgefordert wurden, obwohl den Kursleitern bekannt war, dass einige von uns wegen Depressionen in Behandlung waren.


3. ... Kommentar von blinker5902 am Dienstag, 2.9.2008.

Hallo Isabel,
Rita und ich freuen uns, dass Dein Buch nun immer mehr publik wird.
Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg.


4. ... Kommentar von Martin Obenaus am Dienstag, 2.9.2008.

ÖHM…

Leistungsträgerdeutsch: Maßnahme stammt in einer angemessenen Interpretation von Ermessen aus dem Wort ”Maßnehmen”.
Die Einschränkung von Persönlichkeitsrechten führt zu harmonisierbaren
Statistiken. Mehr Maß nehmen, weniger ALGII Empfänger…
Mehr Sanktion weniger Grundsicherung…
Mehr Stress weniger Lebenserwartung…

Eine Schaffung und Erhaltung von Armut und Förderung von Niedriglöhnen
steigert die Investitionsbereitschaft von Konzernen in solch unfähige Politik.
Politische Rechtfertigungen sind im Managenent unerschöpflich.
So bestimmt das Kapital über das Angebot mittels angewandter Theorie
des ‘ wirtschaftlichen’ Maßnehmens.

Vielleicht finde ich einen Erklärbär für das Wort: Volksvertreter?
ob das was mit ‘treten’ zu tun hat… grübel


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