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Hartz IV - Antreten zur Fleischbeschau ohne weitere Rechte

Bild: © M.Kinder für Sozialticker Huch … Post von der ARGE flattert ins Haus und enthält zugleich eine Rechtsfolgebelehrung der besonderen Art. Wenn Sie der Aufforderung nicht Folge leisten … bla bla bla … dann - ja dann werden den Menschen all ihre Lebensgrundlagen entzogen und die “Kiste” zum nageln angewiesen - jeder weis es und Justitia schaut weg.

Doch was steht in dem Schreiben?

“Bitte kommen Sie am “Datum” …. zu einer Maßnahme zwecks “Eingliederung in den Arbeitsmarkt” … !

Und was da dann abgeht, ist kaum noch mit Worten zu beschreiben. Das Niveau dieser Veranstaltungen ist dem der Pisastudie angepasst und der Hilfebedürftige ist der Willkür von findigen Geschäftemachern hilflos ausgesetzt und muss zu allem “ja ich will” sagen, was bei jedem Entscheidungspunkt mit einem Hinweis auf den Sanktionsparagraphen § 31 SGB II durch den Veranstalter unterstrichen wird. Der Zwang zur Teilnahme an noch so “primitiven” … ja zum Teil schon “idiotischen” Veranstaltungen ist noch nicht der Gipfel dieser perfekten Arbeitsmarktpolitik. Im brandenburgischen Bildungssystem der Erwachsenenqualifikation unter Hartz IV, welches aus den Steuergeldern aller Zahler mitfinanziert wird, kann man solche Veranstaltungen noch toppen, denn wie eine Art “Fleischbeschau” werden private Arbeitsvermittler und Zeitarbeitsfirmen zu den dubiosen Lehrgängen vorgeladen, um sich ihre potentiellen Kandidaten auszuwählen. Dubios daher, weil außer einer penibel genau geführten Anwesenheitsliste keine weiteren Bildungsziele erkennbar sind bzw. im “Tetris” oder “Solitär-Spiel” zum Tagesausklang schon zu Beginn der Maßnahme einläuten lassen. Und so spielen 35 und mehr Teilnehmer auf Kosten der Allgemeinheit das “Schlagdiezeittot-Spiel” und warten nebenbei auf ihr neues “Herrchen” der vorgeladenen Arbeitsvermittler und Zeitarbeitsfirmen - bewacht von einem Dozenten, welcher selbst Hartz IV bezieht und nach eigenen Angaben sogar mit einer 30 % Sperre sanktioniert sein Bestes gibt.

Kursteilnehmer solcher Maßnahmen berichteten dem Sozialticker über Zustände, welche eigentlich von den Ämtern bzw. zuständigen Behörden überprüft werden sollten bzw. gerichtlich schon verboten gehören. Aber keiner der angesprochenen Sachbearbeiter nimmt von diesen Zuständen Kenntnis. Es vermag schon mancher Phantasie, überhaupt einen erkennbaren bzw. nutzbaren Effekt dieser Schulungen zu finden, als nur eine Art Geldwäsche zugunsten der Bildungseinrichtungen, privater Arbeitsvermittler und Zeitarbeitsfirmen auf Kosten der Steuerzahler. Teilnehmer, welche nicht völlig verblöden wollen, mussten sich dem Computerspiel widmen, um nicht in den Reihen der Veranstaltung zum Amokläufer zu mutieren, da ihre Anwesenheit mehr als fraglich eingestuft werden könnte.

“Die Menschen haben einerseits nichts mehr zum fressen, aber 360 Euro für sinnlose Computer-Spielereien in Zwangsmaßnahmen werden gerne von den Agenturen ausgegeben, nur um dem Bildungsträger neben der Kohle auch “Frischfleisch” zum Überleben zu bescheren und dem Regierungsauftrag gerecht zu werden.”

Dabei zählt nicht einmal mehr die bisherige Qualifikation der Kursteilnehmer, sondern nur … welcher der Rekrutierten noch einen Vermittlungsgutschein in der Tasche hat, auf dessen die privaten Vermittler sich eingeschossen haben. Im Schlepptau mitbringend gleich die Zeitarbeitsfirmen, so teilen diese sich die Beute der Fördergelder und präsentieren ihre erfolgreichen Statistiken bei den folgenden “Fleischbeschauungen” - oder wie es neuerdings heißt: “Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt”.

Zu Recht hatte Annelie Buntenbach Kritik an der Zusammenarbeit zwischen BA und privaten Arbeitsvermittlern geäußert. Der Sozialticker erweitert diese Kritik und findet, dass es Zeit wird, endlich für ein flächen- und branchenübergreifenden Mindesteinkommen zu sorgen, um solche “Schweinereien” am Steuerzahler einzudämmen und dem ein “Garaus” zu machen.

Und was sagt die BA zu dieser Situation?

Ein Vorstandsmitglied der Bundesagentur meint, die BA müsse nicht mehr an ihre eigene Reform glauben, die mit den Hartz-Gesetzen eingeleitet worden war – „sie weiß inzwischen, dass die Reform wirkt“. Ja, da muss selbst der Sozialticker dem Recht geben, die Reformen wirken sich sehr gravierend und sichtbar aus. Die sichtbaren Erfolge derzeit sind aber nur die ausufernden Kosten der Verwaltung, die steigende Zahl der ALG II Abhängigen, der fortlaufende Zerfall des Sozialsystemes sowie der weitere Arbeitsplatzabbau und Ersetzung durch zwangsrekrutierte Billiglöhner mit perfekten PC Kenntnissen im Solitär oder Tetris … ja die Reform wirkt … mit mächtigem Druck auf die Steuerzahler.

Startseite - Veroeffentlicht von: Steinbock   am: 12. April 2008 um 9:00 Uhr - Haftungsausschluss     Sie moechten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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1. ... Kommentar von Klara Sommer am Montag, 14.4.2008.

Vorab muss ich dazu schreiben,das ich auch in solch einer Maßnahme durch die BA gewesen bin.
Die Maßnahme dauerte 11 Wochen und nannte sich “Aktivierung und Orientierung”, sie beinhaltete 7 Woche Schule+4 Wochen Praktikum.

Bei der Infoveranstaltung zu der Maßnahme wurde man gezwungen, sofort die Wiedereingliederungsvereinbarung zu unterschreiben,sonst drohte man mit Sanktionen.Wer kann sich das schon leisten von dem wenigen noch weniger zu erhalten.

In den 7 Wochen ging es darum und Teilnehmern beizubringen wie man eine Bewerbung schreibt (ein Lacher….. man sollte am Pc seine persönlichen Daten in eine vorgegeben Maske eintragen,danach folgte das gleiche mit dem Lebenslauf).
Natürlich haben sich einige Teilnehmer darüber beschwert,das man diese für unfähig ect. hält (weil jeder von uns wusste wie man Bewerbungen/Lebensläufe schreibt)!

Die Dozenten rechtfertigten sich mit dem Argument,das das eine Vorgabe der BA wäre,und diese nur die Anweisungen befolgen.Und sicher wüssten Sie das man auch nach dem Praktikum -keine Vollzeitstelle finden würde.Da aber die BA nun mal beschlossen hätte das genau die Teilnehmer die jetzt in dem Kurs mit mir waren,die Maßnahme zu absolvieren hätten,sollte man nicht in der Schule meckern….

Die Maßnahmen die von der Ba angeboten werden,werden von Bund und nicht von den Kommunen bezahlt,das bereinigt die Statistik der Arbeitslosenzahlen und die Bundesländer/Städte sehen gut aus bei dem sogenannten “Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Einer der Dozenten meinte” Sinn solch einer Maßnahme ist laut Statistik, das einige Teilnehmer abbrechen und somit Kürzungen der Leistungen vorgenommen werden können,einige Teilnehmer treten nur unregelmäßig die Maßnahme an, auch da werden Leistungen gekürzt, und 1-2 finden(nicht nur die Maßnahme) einen Job. So würde sich das finanziell rechnen, dass man solche Maßnahmen finanziert.”

Wenn man sich dieses Gebackel mal auf der Zunge zergehen lässt, da fragt man sich in welchen Land man eigentlich existiert.

“GIB JEMANDEN MACHT UND DU ERKENNST SEINEN CHARAKTER”


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