Hart erkämpftes Brot - Keilerei vor der Tafel
Früher mussten die Gladiatoren (Sklaven) in der Arena der Reichen um ihr Leben kämpfen.Heute, im Jahr 2007, prügeln bzw. streiten sich die “Armen” wieder um die Lebensmittel von der “Tafel”. Die “Armen” ( Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und arme Senioren ) haben es heutzutage nicht einfach. Deshalb sind soziale Einrichtungen wie die “Tafel” sehr wichtig und bedeutungsvoll.
Zu regelmäßigen Terminen und Zeiten werden von den “Tafeln” Lebensmittel für finanzschwache Bürger ausgegeben. Da kann pro Person für nur einem Euro ein Beutel mit den verschiedensten Lebensmitteln mitgenommen werden. Dazu braucht man nur eine entsprechende Abholkarte für die Tafel. Auf dieser Abholkarte stehen folgende Informationen:
- Ort der “Tafel-Ausgabestelle” und das entsprechende Jahr
- Anzahl der Familienmitglieder
- Ob Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II oder Rente bezogen wird
- Dass der Inhaber dieser Karte berechtigt ist, Angebote der “Tafel” in Anspruch zu nehmen
- Dass die Einkommensgrenze(n) des Karteninhabers und seinen Familienmitgliedern nicht die Sozialhilfesätze übersteigen
- Alle, die eine solche Abholkarte bei der “Tafel” vorlegen können, erhalten pro Person für einen Euro Lebensmittel.
Soweit die Theorie bzw. Regelung.
Nun ist es aber mancherorts inzwischen so, dass ein Krieg/Streit um die Nahrungsmittel beim wöchentlichen Abholen bei den “Tafeln” entbrannt ist. Viele Leute stellen sich gar schon in der Nacht vor der “Tafel” an. Wer also am Vormittag erscheint, landet bereits ganz hinten in der Warteschlange. Für manche Mitbürger ist es schon zu einer Regelmäßigkeit geworden, das Essen für den kompletten Wohnblock mitzubringen. Diese Leute kommen gleich mit mehreren Abholkarten. Normalerweise kann jeder Bürger wirklich nur mit seiner eigenen Karte etwas abholen, meint jedenfalls die “Tafel”.
Die lange Wartezeit, durch Abholer mit mehreren Karten, ist nur eine unangenehme Sache. Aber viel schlimmer ist, wie das Ganze vor der “Tafel” mancherorts abläuft. Da gibt es jede Menge frecher “Vordrängler”. Auch Drohungen, verbale Beleidigungen und sogar Handgreiflichkeiten unter den anstehenden Bürgern sind keine Seltenheit mehr. Wer gegen “Vordrängler” etwas sagt oder unternimmt, muss damit rechnen, Prügel zu kassieren. Auch werden Jacken zerrissen und kräftig geschubst bzw. geboxt. Für die in der Warteschlange ganz hinten Stehenden, wird das Warten zum ewigen Geduldsspiel durch die ständigen “Vordrängler”. Wütende, nicht durchgelassene Drängler werden plötzlich zu Kampfmaschinen.
So ist es nicht nur zeitaufwändig - durch eben dieses lange Warten - sondern auch richtig gefährlich für Körper und Leben. Was machen nun die alten Leute, die körperlich nicht mehr so fit und stark sind? Die trauen sich gar nicht mehr zur “Tafel” zu gehen. Benachteiligt sind auch Frauen und körperlich schwächer gebaute Leute, denn wenn vor der “Tafel” die reinsten Kämpfe stattfinden, sind diese meist körperlich zu schwach, um sich dagegen zu wehren.
Also nichts für (arme) Schwache bzw. Leute mit schwachen Nerven.
Die “Tafel” selbst bekommt das Ganze kaum in den Griff. Ihren Mitarbeitern fehlt Zeit, sich darum auch noch zu kümmern, die mit dem Austeilen der Lebensmittel zu tun haben. Außerdem könne man nichts für das, was vor der Tür der “Tafel” passiert. Die Leute wären alle eigentlich alt genug. So könne man nur an die Vernunft der Bürger in der Warteschlange appellieren.
Lohnt sich eine gebrochene Nase für einen Beutel Lebensmittel?
Wie werden nun solche Zustände besser, damit alle wieder ohne Angst und Körperschäden zur “Tafel” gelangen? So gesehen ist das eine erschütternde Entwicklung.
In den neuen Bundesländern, musste man auch ab und zu „anstehen“, wenn es z.B. wirklich einmal Orangen gab. Zwar waren dies meist die grünen “Kleinen” aus Cuba, aber auch die nahm man gerne, weil man sie nur selten ergattern konnte. Mit Bananen und anderen seltenen Dingen war es ganz genau so. Das Warten und Anstehen kennen die Bürger aus den neuen Bundesländern nur zu gut. Und auch, dass sich die Verkaufenden/ Austeilenden für ihre Bekannten, Verwandten und Beziehungen mehr weglegten, war bekannt. Das heißt, wer irgendeine Verwandtschaft oder Beziehung zu Verkäuferinnen hatte, brauchte nicht warten und konnte gleich zu diesen gehen, um sich die Raritäten abzuholen.
Schon damals wurde also ungerecht ausgeteilt, was aber nur die seltenen Dinge betraf. Jeder Bürger war aber grundversorgt. Heute nun ist es wieder ein Warten, aber eben für Grundnahrungsmittel oder um überhaupt etwas zum Essen zu bekommen, dazu noch ein Ringen und Kämpfen mit anderen Wartenden um das tägliche Brot.
Das ist doch sehr erschreckend, oder?
Startseite - Veroeffentlicht von: Birgit am: 8. Februar 2007 um 15:26 Uhr - Haftungsausschluss ![]() |
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