GEW verlangt deutlich mehr Geld für Bildung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund und Länder gemahnt, ihre Anstrengungen für ein qualitativ besseres und zukunftsfähiges Bildungssystem massiv zu steigern. „Auf dem Dresdener ‚Bildungsgipfel‘ haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten 2008 vereinbart, ab 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung und Forschung zu investieren. Sieben Prozent in Bildung und drei in Forschung. Von diesem Ziel sind wir immer noch meilenweit entfernt“, sagte GEW-Bildungsfinanzierungsexperte Ansgar Klinger, Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung, mit Blick auf die Budgetdaten für Bildung, Forschung und Wissenschaft von 2013, die das Statistische Bundesamt am Dienstag veröffentlicht hat. Im internationalen Vergleich liege Deutschland mit einem Anteil von sechs Prozent am BIP immer noch weit unter dem avisierten Wert von sieben Prozent.

Die GEW hat errechnet, dass zu den vom Statistischen Bundesamt festgestellten 258,3 Milliarden Euro zusätzlich 57 Milliarden Euro für ein zukunftsfähiges Bildungswesen erforderlich seien. Beispielsweise um Kindertagesstätten, Ganztagsschulen und Hochschulen entsprechend dem veränderten gesellschaftlichen Bedarf auszubauen und die in Sonntagsreden immer wieder bemühte Berufs- und Weiterbildung zu stärken. Zudem sei die Umsetzung der Inklusion in allen Bildungsbereichen nur mit deutlich mehr Ressourcen zu bewältigen.

Dazu addierten sich die Mittel, die notwendig sind, um den Flüchtlingen den Zugang zu Bildung, Ausbildung, Qualifizierung und Studium zu eröffnen: „Wir brauchen Gelder für alle Bildungsbereiche – von der Kindertagesstätte bis hin zur Erwachsenenbildung“, betonte Klinger. „Allein 300.000 Schülerinnen und Schüler werden an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen erwartet. Diese Kinder und Jugendlichen gut zu integrieren, erfordert zusätzlich mindestens zwei Milliarden Euro.“

Anders als Deutschland seien im internationalen Bildungsvergleich erfolgreiche Länder in der Vergangenheit einen anderen Weg gegangen, sagte der Bildungsfinanzierungsexperte: Sie hätten ihre Bildungsausgaben absolut und auch relativ zu ihrer Wirtschaftskraft deutlich gesteigert, wie die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ Jahr für Jahr belegt. Deutschland müsse seine Chance nutzen, die Qualität des Bildungswesens zu verbessern, um den gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden.

Info: Absolut betrachtet sind mit 258,3 Milliarden Euro in 2013 mehr Mittel für das Bildungswesen ausgegeben worden als je zuvor. Entscheidend ist aber der Anteil der Ausgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung, dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dieser Anteil wird erst dann dauerhaft steigen, wenn die Aufwendungen für Bildung und Forschung langfristig stärker wachsen als die Wirtschaftskraft. Gemessen am BIP sind die Bildungsausgaben 2013 gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben, die Ausgaben für Forschung und Wissenschaft um 0,1 Prozentpunkte rückläufig.

Quelle: GEW-Hauptvorstand