GEW: Längst überfälliger Schritt
Frankfurt a.M. - Als “längst überfälligen Schritt” hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den verkündeten Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bezeichnet. Durch die lange hinausgezögerte Entscheidung sei jedoch viel Schaden entstanden. GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne kritisierte, dass höchste Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland, darunter selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), ein schweres wissenschaftliches Fehlverhalten zu Guttenbergs bis zuletzt bagatellisiert hätten.
“Eine von Plagiaten durchzogene Doktorarbeit ist kein Lausbubenstreich, sondern ein schwerwiegender Verstoß gegen die Regeln wissenschaftlicher Arbeit. Wer dies bagatellisiert, zeigt damit auch seine Missachtung gegenüber Wissenschaft und Forschung sowie den an Hochschulen ausgebildeten Akademikerinnen und Akademikern”, erklärte Thöne in Frankfurt a.M.
“Wissenschaftliches Fehlverhalten zu verharmlosen, ist ein Schlag ins Gesicht aller Doktorandinnen und Doktoranden”, betonte der GEW-Vorsitzende. Fast alle seien ehrlich, hielten sich an die Regeln korrekten wissenschaftlichen Arbeitens und respektierten das geistige Eigentum anderer Autoren. Dabei hätten sie -sehr häufig unter schwierigsten Rahmenbedingungen wie prekärer Beschäftigung, unzureichender sozialer Absicherung und mangelhafter Betreuung zu leiden.
Thöne machte deutlich, dass es für Lehrkräfte, Dozentinnen und Dozenten an Schulen und Hochschulen künftig deutlich schwieriger werde, Studierenden, Schülerinnen und Schülern wichtige Werte zu vermitteln, wie Qualifikationen redlich zu erwerben und das geistige Eigentum anderer zu achten: “Das lange öffentlich verlautbarte Verständnis für eine plagiierte Doktorarbeit hat Glaubwürdigkeit und Einfluss der Lehrenden untergraben.” Das gelte insbesondere für Lehrkräfte und Dozenten an den beiden Universitäten der Bundeswehr sowie den Bundeswehrfachschulen, deren Dienstherr der Bundesverteidigungsminister ist.
Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) müsse politische Konsequenzen aus dem Fall Guttenberg ziehen, forderte Thöne. “Mit ‘öffentlichem Schämen’ ist es nicht getan. Wie konnte es passieren, dass Doktorand zu Guttenberg sieben Jahre an seiner Dissertation saß, ohne dass seine Universität merkte, dass er nicht seriös wissenschaftlich arbeitete? Die Verfahren zur Beurteilung von Dissertationen sowie zur Betreuung von Doktorandinnen und Doktoranden gehören jetzt auf den Prüfstand. Dabei müssen für Anleitung und Beurteilung externer Doktoranden aus Politik und Wirtschaft die gleichen Maßstäbe gelten wie für alle anderen Promovierenden.”
“Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung leichtfertig und überheblich die Integrität des Wissenschaftsstandortes Deutschland zur Disposition gestellt hat. Damit hat sie an Glaubwürdigkeit verloren und zum von ihr oft beklagten Werteverfall beigetragen”, unterstrich Thöne.
Quelle: GEW-Hauptvorstand
Startseite - Veröffentlicht am: 2. März 2011 um 14:00 Uhr - Haftungsausschluss ![]() |
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