Frankfurt a.M. – Für eine Ausbildungsgarantie für alle jungen Menschen macht sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf die heute veröffentliche Zahl an Ausbildungsplätzen stark. „Mehr als 1,9 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Das ist ein gesellschaftspolitischer Skandal ersten Ranges, den wir uns aus sozialen Gründen, aber auch ökonomisch nicht erlauben können“, sagte Ansgar Klinger, im GEW-Vorstand für Berufsbildung verantwortlich, anlässlich der aktuellen Ausbildungsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Diese hat für das Jahr 2015/2016 einen Anstieg der gemeldeten Ausbildungsstellen von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet – bei einem Rückgang der Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um 0,6 Prozent.

„Junge Menschen brauchen die bestmögliche Bildung und Ausbildung, unsere Gesellschaft ist auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen“, betonte Klinger. Obwohl die Arbeitgeber vor dem Hintergrund der enorm hohen Jugendarbeitslosigkeit in Süd- und Südosteuropa stets den Eindruck eines „Ausbildungsparadieses Deutschland“ erwecken und vor einem Fachkräftemangel warnen, hätten sie die vergleichsweise gute konjunkturelle Lage nicht genutzt, um ein deutliches Plus an Ausbildungsplätzen zu schaffen. „Deshalb haben 2015 gut 270 000 junge Menschen keine Ausbildung bekommen und sind im so genannten Übergangssystem gestrandet“, unterstrich der GEW-Experte. Hinzu komme, dass die nach Deutschland geflüchteten Menschen qualifiziert werden müssen. „Gesellschaftliche Teilhabe über Bildung, berufliche Qualifizierung und einen Arbeitsplatz sind die Grundlagen für eine gelingende Integration“, sagte das GEW-Vorstandsmitglied.

Daher setze sich die Bildungsgewerkschaft für eine Ausbildungsgarantie ein, die zugleich eine Voraussetzung für Inklusion in der beruflichen Bildung ist. „Das Recht auf Ausbildung darf nicht von der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland abhängen. Wir brauchen dringend eine Ausbildungsplatzumlage, die ausbildungswilligen Unternehmen ermöglicht, zusätzliche Lehrstellen zu schaffen“, betonte Klinger. Er machte deutlich, dass nur noch gut ein Fünftel aller Betriebe ausbilde. „Das zeigt: Wer allein auf die Kräfte des Marktes setzt, wird seiner Verantwortung gegenüber der nachwachsenden Generation nicht gerecht“, hob Klinger hervor. Die Unternehmen hätten ihre im Rahmen der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ gemachte Zusage, 2015 20.000 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze anzubieten, erst 2016 eingelöst.

„Die Arbeitgeber sind zudem gut beraten, von ihrem hohen Ross herunterzukommen und die jungen Menschen nicht länger als ‚nicht ausbildungsreif‘ zu stigmatisieren. Hohe Abbrecherquoten deuten darauf hin, dass bei der Ausbildung in den Betrieben Einiges im Argen liegt“, sagte der Berufsbildungsexperte.

Quelle: GEW Hauptvorstand

2. November 2016