Geschwindigkeit von 200 km/h schafft erhebliches Gefahrenpotenzial

Wer auf deutschen Autobahnen mit seinem Pkw – insbesondere bei Dunkelheit – die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h mit 200 km/h um rund 60 % und damit massiv überschreitet, führt zu Gunsten seines eigenen schnellen Fortkommens den Spielraum zur Vermeidung eines Unfalls nahezu gegen Null zurück. Eine solche Geschwindigkeit ermöglicht es in der Regel nicht mehr, Unwägbarkeiten in der Entwicklung von Verkehrssituationen rechtzeitig zu erkennen und sich darauf einzustellen. Auch bei einem schwerwiegenden Verkehrsverstoß des Unfallgegners führt dies zu einer Mithaftung, im vorliegenden Fall in Höhe einer Quote von 40 % der Schadenssumme.

Dies hat der 12. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Koblenz entschieden (Urteil vom 14. Oktober 2013, Az. 12 U 313/13).

Der Kläger hat Ansprüche wegen der Beschädigung seines Fahrzeugs anlässlich eines Unfalls geltend gemacht, der sich im März 2011 auf der Autobahn A 60 im Bereich der Auffahrt Bingen-Ost in Fahrtrichtung Autobahndreieck „Nahetal“ ereignet hat. Nach den Feststellungen des in erster Instanz zuständigen Landgerichts Mainz, von denen auch der Senat ausgeht, wechselte das Fahrzeug des Klägers – von seinem Sohn gesteuert – beim Auffahren grob verkehrswidrig unmittelbar von der Einfädelspur auf die Überholspur, um einen vorausfahrenden Pkw zu überholen. Hierbei kam es zur Kollision mit dem Pkw des Beklagten, der mit ca. 200 km/h die Überholspur befuhr. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung existiert im befahrenen Teilabschnitt der Autobahn nicht.

Nach Klageabweisung in erster Instanz hat das Oberlandesgericht Koblenz auf die Berufung des Klägers nunmehr den geltend gemachten Schadenersatz von 40 % des Schadens, insgesamt 3.446,62 € zuerkannt.

Die von der hohen Geschwindigkeit des Beklagten – im Bereich von 200 km/h – ausgehende Gefahr habe sich im vorliegenden Fall in geradezu klassischer Weise verwirklicht. Bei Einhaltung der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h hätte der Unfall bereits durch eine mittelstarke Bremsung vermieden werden können. Den Beklagten treffe daher bei Abwägung der Verursachungsbeiträge trotz des Fehlverhaltens des Klägers eine erhebliche Mithaftung für das Unfallgeschehen.

Quelle: Oberlandesgericht Koblenz

2 Gedanken zu „Geschwindigkeit von 200 km/h schafft erhebliches Gefahrenpotenzial“

  1. Wer mit 200 Sachen über die Piste brettern will, muss zunächst mal höhere Steuern und Versicherungen bezahlen. Das kommt der Allgemeinheit zugute. Er erkauft sich somit das Glücksgefühl beim Rausch der Geschwindigkeit, sozusagen den Adrenalin-Stoß. Dennoch reicht diese Geschwindigkeit als Startgeschwindigkeit zum Abheben in die Lüfte nicht aus.

  2. mit 200 über die Piste, wo ist (wo hast du) damit ein Problem? Sicher sind 200 im Berufsverkehr auf dem Kölner Ring geschätzte 150 zu viel, aber es gibt Bahnen die wie mit der Schlagschnur durchs Land gezogen wurden und die Verkehrs- so wie Wetterlage dies hergeben und Anwohner sind auch keine da.
    Dass man da für die >130 mehr Steuern und Versicherung zahlen soll, finde ich mehr als seltsam. Welches Verhalten wolltest du denn noch so abstrafen, etwa notorische Linksfahrer auf der Bahn und das mit 80 (mehrfach erlebt), Vielfahrer, Alte, Brille, Raucher, Radiohörer…..

    Wir haben in weiten Teilen zum Glück keine fixe Geschwindigkeitsbegrenzung, sind aber per STVO gehalten immer mit angepassster Geschw. zu fahren – zb. anhalten innerhalb halber Sichtweite oder andere nicht zu gefährden.
    Mit 200, die BAB für mich allein, trocken und gerade Strecke – sicher zusammen alles ideal, aber warum da keine 200 wenn der Fahrer NOCH mit dem Wagen fähr statt dass die Kiste mit dem Fahrer fährt? Ausserdem braucht keiner auch nur nen billigen Mittelklassewagen um nicht schneller fahren zu dürfen als ein Trabbi…… da wäre z.b. nen Porsche zu haben sicher ein Verbrechen, was?

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