Führerscheinverlust nach Cannabiskonsum weiterhin ab 1,0 Nanogramm THC pro ml Blutserum

Führerscheininhaber müssen weiterhin schon bei einer Blutkonzentration von 1,0 ng Tetrahydrocannabinol (THC) pro ml Blutserum mit einem Entzug ihrer Fahrerlaubnis rechnen. Das hat die 9. Kammer des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen heute in insgesamt fünf Verfahren entschieden.

Die sog. Grenzwertkommission, ein fachübergreifende Arbeitsgruppe, die die Bundesregierung berät und von der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin und der Gesellschaft für Forensische und Toxikologische Chemie gegründet worden ist, hatte im September 2015 einen Grenzwert von 3,0 ng THC/ml Blutserum empfohlen. Die behördliche und gerichtliche Praxis ist in der Vergangenheit den Empfehlungen der Grenzwertkommission gefolgt. Das Gericht hatte zu entscheiden, ob weiterhin der von der Rechtsprechung bislang angenommene Wert von 1,0 ng THC/ml oder der nunmehr vorgeschlagene Wert von 3,0 ng THC/ml zugrundegelegt wird.

Das Gericht hat sich für die Beibehaltung des in der Rechtsprechung entwickelten Grenzwertes entschieden. Nach Anhörung des Vorsitzenden der Grenzwertkommission konnte sich die Kammer der der Empfehlung zugrundeliegenden Argumentation der Kommission aus juristischer Sicht nicht anschließen und sah keinen Anlass zur Abweichung von der bisherigen Bewertung, eine cannabisbedingte Beeinträchtigung der Fahrsicherheit weiterhin schon ab dem Wert von 1,0 ng THC/ml anzunehmen.

Aktenzeichen: 9 K 1253/15 u. a.

Quelle: Presseservice des Justizministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen

2 Gedanken zu „Führerscheinverlust nach Cannabiskonsum weiterhin ab 1,0 Nanogramm THC pro ml Blutserum“

  1. Der Grenzwert von 1 ng THC pro 1 ml Blutserum erscheint mit doch sehr ambitioniert. Immerhin handelt es sich dabei um ein Milliardstel Gramm, das ist eine 1 mit minus 10 hoch 9 Nullen. Wie will man denn so was messen? Hier scheint mit die Superlative die einzige Rechtfertigung einer Handvoll von „Nullen“ zu sein.

    THC gehört chemisch zu der Gruppe der Cannabinoide, also eines von 40 (!) Arten ein und desselben Grundgerüsts – wie man sehr wohl im Römpp-Chemielexikon nachlesen kann. Von diesen 40 Arten haben aber nur einige wenige psychotrope Wirkung. Alle 40 Arten lassen sich nur gemeinsam mit Fluorometrie und Massenspektrometrie oder gaschromatographisch mit Elektroneneinfang-Detektor nachweisen, wobei das THC und sämtliche Varietäten allesamt zerstört und damit ununterscheidbar werden. Bietet sich also nur noch die Dünnschicht-Chromatographie an, wobei die Moleküle zwar nicht zerstört, jedoch Nanogramme davon nicht aufgelöst und gemessen werden können.

    Selbst wenn man – mal theoretisch angenommen – geringste Mengen von THC isolieren könnte, dann hat man immer noch das Problem, dass das THC in zwei Isomeren vorkommt, also zwei völlig identische Stoffe mit ein und derselben Molekularmasse, die sich nur in der räumlichen Geometrie, verbunden mit einer anderen Drehung des polarisierten Lichts unterscheiden. Aber nur das eine davon ist psychotrop aktiv. Und was jetzt?

    Die Festlegung eines Grenzwertes im Nanogrammbereich von THC ist nach meiner Überzeugung nicht reproduzierbar und rein zufällig. Jedermann, der eine Schale Salat gegessen hat, dürfte diesen Grenzwert überschreiten und damit fahruntüchtig sein.

  2. @ jörg freundlich : wer morgends zuviel mohnbrötchen isst , dem kann man sogar opiatgebrauch unterstellen .

    mit 1 nanogramm THC pro ml blut ist man fahrverkehrstauglich wie rund 0.1 promille alkohol im blut . das strafrechtliche vorgehen befinden deutsche gerichte / richter auch noch verhältnismäßig , wenn durch führerscheinentzug neben einer ärztlichen untersuchung ( kosten 500 euro + ) verlust von arbeitsplatz , evtl . berufsverbot und weiterer gesellschaftlicher ausgrenzung drohen . selbst in den usa liegen die grenzwerte bei 5 nanogramm/ml blut . wozu noch grenzwertkommissionen mit steuergeldern beauftragen , wenn die willkürliche justiz die ergebnisse dieser sachverständigen nicht berücksichtigt ? damit canabiskonsumenten besser terrorisiert ( = angst einjagen ) und von staatlicher seite bewußt unterdrückt werden können . der unterschied zwischen diktatur und demokratie ist , daß in einer demokratie 3 – 5 millionen konsumenten aufgrund eines angeblich selbstschädigenden verhaltens nicht pauschal kriminalisiert werden würden und menschen , welche diese substanz zwecks verbesserung ihrer lebenssituation einsetzen , zumindest toleriert ( = ausgehalten ) werden würden .

    „Nach Abklingen der Wirkung und der damit verbundenen eingeschränkten Fahrtauglichkeit sind im Blut noch bis zu 48 Stunden nach dem Konsum geringe THC-Konzentrationen nachweisbar, wodurch beeinträchtigte und unbeeinträchtigte Fahrer verkehrsstrafrechtlich nicht getrennt werden. Analog zur 0,5 Promille-Grenze bei Alkohol könnte bei THC ein Wert zwischen 7 und 8 ng pro ml THC im Blutserum eingeführt werden. Ein mit 0,3 Promille Alkohol vergleichbarer Grenzwert für eine beeinträchtigte Fahrleistung könnte bei Cannabiskonsumenten bei 3 ng THC/ml Blutserum liegen.“
    Dokumentation der 12. Tagung des Netzwerkes Sucht in Bayern: Drogen und Fahrerlaubnis – Rotlicht für Cannabis im Straßenverkehr, 21. September 2005 in Nürnberg : bas-muenchen.de (pdf)

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