Frauen müssen für gleiches Geld 77 Tage länger arbeiten


„Es ist ein trauriger Jahrestag: Der 10. Equal Pay Day zeigt uns, dass die Lohngleichheit von Frauen und Männern leider immer noch nicht erreicht ist – immerhin geht die Entwicklung in Niedersachsen jetzt aber hin zu mehr Gerechtigkeit“, erklärt Niedersachsens Sozial- und Gleichstellungsministerin Cornelia Rundt anlässlich des Equal Pay Days an diesem Samstag (18. März). „Die Lohnlücke, der sogenannte Gender Pay Gap, beträgt nun in Niedersachsen 20 Prozent; das ist viel, aber immerhin weniger als in den Vorjahren − das Mindestlohngesetz und das geplante Entgelttransparenzgesetz sind Meilensteine für die Verringerung der Lohnlücke, unter der Frauen nach wie vor leiden“, so Cornelia Rundt: „Der Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss endlich auch für die Bezahlung von Frauen gelten!“

Der Equal Pay Day weist auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern hin. Der statistische Wert der Lohnlücke betrug im Jahr 2016 laut neuen Zahlen des Landesamtes für Statistik Niedersachsen durchschnittlich 20 Prozent bezogen auf den Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern in Niedersachsen. Um das Durchschnittsgehalt der Männer des Jahres 2016 zu erreichen, müssten Frauen somit zusätzlich zu Ihrer Arbeitsleistung aus 2016 noch vom Neujahrstag 2017 bis zum 18. März 2017 arbeiten − also 77 Tage mehr! Bundesweit ist der Gender Pay Gap laut Statistischem Bundesamt mit 21 Prozent noch größer. Im letzten Jahr betrug die Lohnlücke auch in Niedersachsen noch 21 Prozent (Bund 22 Prozent).

Durch familienbedingten Erwerbsunterbrechungen bzw. Teilzeit haben Frauen häufig schlechtere Aufstiegschancen. Sie bekleiden weniger Führungspositionen und arbeiten öfter in typischen Frauenberufen, die schlechter vergütet werden als männerdominierte Tätigkeiten. Auch Minijobs sind eine Frauendomäne. Hier fällt die Bezahlung ebenfalls geringer aus als bei regulärer sozialversicherungspflichtiger Erwerbsarbeit. Außerdem sind Minijobs der sichere Weg in die Altersarmut. Hinzu kommt, dass Frauen laut Landesamt für Statistik 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit verrichten als Männer. Diese Sorgelücke bezeichnet man als „Gender Care Gap“. Die wirtschaftliche Leistung unbezahlter Sorgearbeit wird bis heute nicht bilanziert.

Gleichstellungsministerin Cornelia Rundt: „Minijobs, Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen sind immer noch häufige Ursache für schlechtere Bezahlung und führen zu einer deutlich geringeren Altersversorgung bei Frauen bis hin zur Altersarmut. Deshalb unterstützt die Niedersächsische Landesregierung sämtliche Maßnahmen zum Abbau der Entgeltungleichheit. Unser Ziel ist außerdem eine bessere Bezahlung der Berufe, die vornehmlich von Frauen versehen werden, wie etwa der gesellschaftlich extrem wertvollen Arbeit in der Pflege.“ Und es dürfe nicht weiter passieren, dass Gehaltshöhen zum Nachteil von Frauen im stillen Kämmerlein ausgehandelt werden − das Entgelttransparenzgesetz werde hier mehr Gerechtigkeit schaffen, da sich Beschäftigte über die übliche Lohnhöhe in ihrem Betrieb informieren dürften, so Rundt. Mit der Novelle des Niedersächsischen Gleichstellungsgesetzes werde zudem ein Zeichen dafür gesetzt, dass auch bei der Besetzung von Führungspositionen künftig Geschlechtergerechtigkeit herrscht.

Quelle: Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Anmerkung Sozialticker – der sich wundert, warum Jahrzehnte hinter dieser Ungerechtigkeit her gejammert wird, statt einfach im gesetzlichen Rahmen – neu gesetzgebend – zu handeln? Zahnlose Tigerbabygebaren sind dies und der Versuch, sich verblödend und teilschämend aus der Verantwortung zu ziehen. In Anbetracht der Darstellung, wie weit man noch solche Ungerechtigkeit ungestraft im Einklang hält, sollte dieses Ministerium ihren Hut nehmen, denn anscheint ist man nur in der Lage, Prozente der Ungerechtigkeit zu dokumentieren, statt gerechte Fakten zu schaffen. Wenn man dort die Arbeit hätte erledigt, dann käme nur folgendes in Frage:

1. ab sofort gelten in jedem Betrieb entsprechende … vom Mindestlohn aufwärts in 0,5 – 2 Euro Schritten – Gehaltsgruppen
2. Tätigkeiten aus / in den Gehaltsgruppen sind grundsätzlich gleich zu vergüten

Und fertig ist die DDR Besoldung – wo jeder wusste, was er tat und was er dafür zu erwarten hatte bzw. von jedem erwartet wurde. Da gab es keine Mann/Frau Unterschiede … aber dieses System ist ja nicht zu Gunsten der „Arbeitssklaven“ ausgelegt worden, sondern dient nur dem Kapital – und daraus schlussfolgernd, ist dieses Ministerium auf richtigem Posten und prozentual gesehen ein Teil der gesamten Schweinerei, wenn es um Equal Pay geht.

15. März 2017

2 Kommentare

  1. mit diesen “ gender – paygap – skandalen “ wird die stark steigende ungerechtigkeit zwischen schlecht – und gutverdienenden bevölkerungsschicht kaschiert bzw . davon abgelenkt . oder die gehaltsunterschiede für gleiche tätigkeiten bei gleichen firmen innerhalb der eurozone oder die teils um 50% niedrigere arbeitsvergütungen seit der euroeinführung . oder die geschlechterverteilung von obdachlosen . . . diese ungerechtigkeiten übersteigen diese angeblich existierenden umstände mindestens um den faktor 10 . als arbeitgeber würde ich schon aus kostengründen frauen gegenüber männern schon aufgrund der hier augelisteten “ tatsache “ , da diese ja ganze 70 tage mehrarbeit gegenüber männern pro jahr leisten , bevorzugen . zynisch gefragt : wieso gibt es eigentlich noch arbeitslose frauen ?

    • Vor allem, die haben sich auch für diesen Mist besondere Begriffe einfallen lassen, nur an die Veränderungen möchte man sich nicht trauen.

Schreibe einen Kommentar zu x Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Sozialticker

Start - Sozialticker↑ ↑

Google+ Twitter