Fonds für ehemalige Heimkinder wird aufgestockt

Bundeskabinett bewilligt zusätzliche Mittel für den Fonds „Heimerziehung West“

Das Bundeskabinett hat heute (Mittwoch) beschlossen, die Mittel für den Fonds
„Heimerziehung West“ aufzustocken. Damit ist die Finanzierung der Hilfen für
Betroffene gesichert, die zwischen 1949 und 1975 als Kinder und Jugendliche in
westdeutschen Heimen Leid und Unrecht erfahren haben.

Die Kosten der Aufstockung von insgesamt 182 Millionen Euro tragen zu jeweils
einem Drittel der Bund, die westdeutschen Länder und die Kirchen. In erster Linie
Das Geld wird für individuelle materielle Hilfen verwendet, um Folgeschäden des
Heimaufenthalts abzumildern. Insgesamt können Betroffene Sachleistungen in Höhe
von bis zu 10.000 Euro erhalten. Außerdem werden Ausgleichszahlungen für
entgangene Rentenansprüche gewährt. Bereits im Februar hatte das Bundeskabinett
die Mittel für den Fonds „Heimerziehung in der DDR“ aufgestockt.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig erklärt: „Ich freue mich sehr, dass es
mit dem heutigen Beschluss gelungen ist, auch die Hilfen für Betroffene aus den
alten Bundesländern zu sichern. Wir können das Unrecht nicht ungeschehen machen.
Doch es ist wichtig, dass jedes ehemalige Heimkind, das heute noch mit den Folgen
des erlittenen Leids zu kämpfen hat, in gleicher Weise benötigte Hilfen bekommt.
Unabhängig davon, ob die Betroffenen in ost- oder in westdeutschen Heimen
untergebracht waren.“

Die Laufzeiten beider Fonds wurden verlängert: Bis zum 31. Dezember 2018 müssen
nun die Beratungen der Betroffenen abgeschlossen, die Anträge bearbeitet und die
Leistungen ausgezahlt sein. Beim Fonds „Heimerziehung West“ hatten bis zum
Stichtag 31. Dezember 2014 fast 20.000 Betroffene ihren Hilfebedarf angemeldet.
Etwa 13.000 von ihnen wurden bereits Hilfeleistungen oder
Rentenausgleichszahlungen bewilligt, die übrigen warten noch auf Termine für
Beratungsgespräche zur Ermittlung ihres Hilfebedarfs.

Zum Hintergrund: In der Zeit von 1949 bis 1975 lebten in der Bundesrepublik
Deutschland bis zu 800.000 Kinder und Jugendliche in Säuglings-, Kinder- und
Jugendheimen. Für viele war der Heimaufenthalt durch traumatisierende Erfahrungen
geprägt, unter denen sie noch heute leiden. Der Fonds „Heimerziehung West“ wurde
auf Empfehlung des Runden Tisches „Heimerziehung“ zum 1. Januar 2012 errichtet,
am 01. Juli 2012 folgte der Fonds „Heimerziehung in der DDR“.

Unter www.fonds-heimerziehung.de ist
außerdem eine Liste mit den Anlauf – und Beratungsstellen in den Ländern zu
finden.

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend