Textilimporte: Abgeordnete drängen auf EU-Regeln gegen Ausbeutung von Arbeitern – Textil- und Bekleidungsunternehmen sollen EU-weit verpflichtet werden, Arbeitnehmerrechte zu achten, so die Abgeordneten in einer am Donnerstag verabschiedeten Entschließung.

Textilarbeiter auf der ganzen Welt, unter ihnen viele junge Frauen und Kinder, leiden unter langen Arbeitszeiten, niedrigen Löhnen, Ungewissheit, Gewalt und gefährlichen Arbeitsbedingungen. Diese Praktiken schaden auch der EU-Industrie, da sie zu Sozialdumping führen, bemerken die Abgeordneten in einer nicht bindenden Entschließung.

In der Bemühung, die Leitinitiative zu voranzutreiben, die Tragödien wie dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013 vorbeugen soll, schlagen die Abgeordneten eine Reihe von Maßnahmen vor:

– Verbindliche Sorgfaltspflichten: Die EU sollte einen Gesetzesvorschlag für ein verpflichtendes System verbindlicher Sorgfaltspflichten auf Grundlage der OECD-Richtlinien vorlegen, ähnlich wie für die sogenannten „Blutmineralien“, das die gesamte Lieferkette abdeckt;
– an Bedingungen geknüpfte Handelspräferenzen: Die EU sollte sicherstellen, dass Textil exportierende Länder mit bevorzugtem Zugang zum EU-Markt den Verpflichtungen nachkommen und nachhaltige Textilien produzieren, während sich die Mitgliedstaaten in ihren Beziehungen zu Partnerländern für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen sollten;
– Gütezeichen für Kleidung: Die “gesellschaftlichen Auswirkungen der Produktion” an der Kleidung sichtbar zu machen kann zur Herbeiführung nachhaltiger Veränderungen beitragen und
– Vorbilder: die EU- Institutionen sollten in ihrer öffentlichen Beschaffung von Textilien mit gutem Beispiel vorangehen.

Zitat der Berichterstatterin

“Wir können kein Auge zudrücken, wenn unsere Kleidung um den Preis großen menschlichen Leidens hergestellt wird. Nur ein verbindlicher Rechtsrahmen könnte gewährleisten, dass Produkte, die auf europäischen Märkten verkauft werden, nicht gegen Würde und Recht von Millionen von Arbeitern verstoßen. Die EU hat die Mittel zu handeln und wir fordern die Kommission auf, dies zu tun” so die Berichterstatterin Lola Sánchez Caldentey (GUE/NGL, ES).

Die Entschließung wurde mit 505 Stimmen angenommen, bei 49 Gegenstimmen und 57 Enthaltungen.

Hintergrundinformationen

Der Welthandelsorganisation zufolge kommen mehr als 70% der EU-Textil- und Bekleidungsimporte aus Asien, wo China, Bangladesch, Indien, Vietnam, Kambodscha und Indonesien die größten Produzenten sind. Die meisten Käufer sind weltweit vertretene Markenhersteller auf der Suche nach niedrigen Preisen und kurzen Produktionszeiten. Die Konsequenzen tragen meist die Fabrikarbeiter. Nach dem Unglück von Rana Plaza, wo beim Einsturz eines Fabrikgebäudes in Dhaka, Bangladesch, über 1.100 Menschen starben, versprach die EU-Kommission, eine EU-weite Leitinitiative zu präsentieren, hat dies bisher jedoch nicht getan. Das Parlament möchte die Kommission ermutigen, dieses Paket von Vorschlägen vorzulegen.

Quelle: Europäische Union

Anmerkung Sozialticker – hey, die wollen doch wohl nicht etwa ernst machen und sind nun auf den Trichter gekommen, dass innerhalb der EU ebenfalls produziert werden könnte? Immerhin sind die Löhne ja durch Hartz IV inzwischen angepasst worden. Man stelle sich nur vor, dass Hüte wieder aus Guben oder Forst kommen, die Strumpfhosen aus … bis hin zur Auferstehung von Trikotagenwerken – mit richtig entlohnten Arbeitern!? (kleiner Scherz mit der Entlohnung)

Also EU, da solltet ihr doch noch mal debattieren, denn dies wäre ja ein Albtraum für die nahlische Armutsindustrie und der geizigen Masse im Konsum. Dann wohl doch lieber in Bangladesch fürn Appel und nen Ei knuffen lassen – als Lumpenreste verdeckt eingeführt und im deutschen Hinterhof ein „Top Label“ annähen lassen. Wenn diese gebeutelten Länder noch Würde und Rechte hätten, dann würden sie euch lieber den Fummel nass um die Ohren klatschen, statt solch heuchlerische Absichten lesen zu müssen.

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28. April 2017