Ermittlung der Lebenshaltungskosten von Studierenden

Die Förderung der Studierenden nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) wie auch durch Stipendien dient der Finanzierung der Lebenshaltungskosten während des Studiums und sollte somit ausreichen, um die wesentlichen Kostenpositionen der Kerngruppe der anspruchsberechtigten Studierenden zu decken.

Zwar werden die Ausgaben der Studierenden für ihren Lebensunterhalt im Rahmen verschiedener Studien erhoben und ausgewiesen, doch wurde weder bei der Einführung des sogenannten Honnefer Modells im Jahr 1957/58 noch bei dessen Überführung in das BAföG 1971 oder zu einem späteren Zeitpunkt seitens der Bundesregierung empirisch untersucht, welche Höhe die Förderung haben müsste, um dem o.g. Anspruch wirklich zu genügen. Die Erhöhungen der Förderungssätze orientierten sich, unter Berücksichtigung politischer und finanzwirtschaftlicher Faktoren, vor allem an der Preisentwicklung.

Auch hält sich die politische und wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema – trotz der regelmäßigen Einwände von Studierendenverbänden und Deutschem Studentenwerk, dass die Fördersätze des BAföG zu niedrig seien, um den Lebensunterhalt der Studierenden zu decken – in engen Grenzen.

Ganz anders ist hingegen die Situation im Rahmen anderer Sozialleistungen. Hier wurde das sozio-kulturelle Existenzminimum im Rahmen des Bundessozialhilfegesetzes über lange Zeit auf der Grundlage eines definierten Warenkorbs bestimmt; nachfolgend wurde das sogenannte Statistikmodell zugrunde gelegt. Auch führen die Wohlfahrtsverbände, allen voran der Paritätische Wohlfahrtsverband, regelmäßig eigenständige Berechnungen durch und bringen deren Ergebnisse in den politischen Prozess ein.

Die vorliegende Studie verfolgt einen vergleichbaren Ansatz. Mit Blick auf eine zukünftige, am realenBedarf orientierte Festlegung der Förderungssätze des BAföG zielt die Studie, die das FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie im Auftrag des Deutschen Studentenwerks erstellt hat, darauf ab, eine empirisch fundierte Basis für die Festlegung der Bedarfssätze nach dem BAföG zu schaffen.

Quelle: Vollständige Studie – Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) und Deutsches Studentenwerk

29. August 2017

1 Kommentar

  1. Sozialticker

    31. Mai 2017 um 13:44

    Arm mit BAföG

    „Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt, aber viele Studierende müssen hier in Armut leben. Das BAföG reicht momentan nicht zum Leben und erst recht nicht zum Studieren“, kommentiert Nicole Gohlke die aktuelle Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) mit dem Titel „Ermittlung der Lebenshaltungskosten von Studierenden“. Die wissenschafts- und hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:

    „15 Prozent der Studierenden leben in verdeckter Armut. Um die teilweise horrenden Mieten bezahlen zu können, sparen viele Studierende beim Essen. Über 100 Euro fehlen BAföG-Beziehenden monatlich, um über die Runden zu kommen. Explodierende Mieten und die schlechte Versorgung mit Wohnheimen sind eine existenzielle Bedrohung für Studierende.

    Die Bundesregierung versagt vollständig bei der sozialen Förderung der Jugend. Union und SPD nehmen die Verarmung von Studierenden in Kauf, um Haushalte zu konsolidieren und internationale Konkurrenzfähigkeit auszubauen. Von geplanten Steuergeschenken haben Studierende überhaupt nichts.

    Eine echte BAföG-Reform ist dringend angezeigt: DIE LINKE fordert die umgehende Erhöhung der Bedarfssätze um zehn Prozent. Die Mietpauschale ist an die tatsächlichen Mietkosten anzupassen. Außerdem müssen Kosten für studienspezifische Bedarfe wie Mobilität, Arbeitsmittel, Kommunikation einberechnet werden. Die Elternfreibeträge müssen sofort um zehn Prozent angehoben werden, um den Kreis der BAföG-Beziehenden spürbar auszuweiten. Damit Studierende sich nicht verschulden, muss das BAföG außerdem in einen Vollzuschuss umgewandelt werden.“

    Quelle: Fraktion DIE LINKE

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