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Montag, der 21. Mai 2012 Tip  Ihre Pressemitteilung / News einreichen   English  English flag    French  French flag

 

Energiepreise treiben Wohnkosten auf Rekordniveau

Mieterbund legt 10-Punkte-Programm vor

(dmb) „Ein durchschnittlicher Mieterhaushalt muss heute 34 Prozent seines Haushaltsnettoeinkommens für eine warme Wohnung zahlen. Rechnet man die Stromkosten noch hinzu, liegt die Kostenbelastung schon bei 37 Prozent. Einkommensschwache Haushalte haben eine Wohnkostenbelastung von 50 Prozent und mehr. Verantwortlich dafür und Preistreiber Nummer 1 bei den Wohnkosten sind die Energiepreise“, erklärte der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Dr. Franz-Georg Rips, auf einer Pressekonferenz in Erfurt. Bei diesen Zahlen sind die Mobilitätskosten (Benzin für das private Auto) noch nicht eingerechnet.

Gegen die Preisexplosion und die Preisspirale bei den Energie- und Heizkosten legte der Deutsche Mieterbund ein 10-Punkte-Programm zur Entlastung der Verbraucherhaushalte vor.

„Langfristig müssen Wohnungsbestände umfassend energetisch modernisiert und der Anteil erneuerbarer Energien deutlich erhöht werden. Mittelfristig brauchen wir mehr Information, intelligente Messsysteme und eine Aufstockung der Fördermittel für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Kurzfristig sind Wohngeld- und Hartz-IV-Regelsatz-Erhöhungen unverzichtbar. Daneben müssen Heizkostenzuschüsse gezahlt werden. Wir brauchen Grundtarife, zum Beispiel bei Strom, und Einkaufshilfen zur Anschaffung energiesparender Geräte“, umriss Rips das Konzept des Deutschen Mieterbundes. Eine klare Absage erteilte Rips Forderungen nach Steuersenkungen, Sozialtarifen oder Mietrechtsänderungen.

Energiepreissteigerungen

Zwischen den Jahren 2000 und 2007 sind die Energiepreise vier- bis fünfmal so schnell gestiegen wie die Lebenshaltungskosten insgesamt in Deutschland.
Öl wurde um 42,3 Prozent teurer, Gas um 62,4 Prozent, Fernwärme um 63,7 Prozent und Strom um 37,5 Prozent.

Während die Energiepreise im Kalenderjahr 2007 relativ stabil blieben, sind sie zwischen Januar und Juli 2008 förmlich explodiert. „Der Ölpreis ist allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2008 um 61,9 Prozent gestiegen. Der leichte Preisrückgang in den letzten vier Wochen hilft wenig. Öl wird immer teurer, ein Ende der Preisentwicklung ist nicht in Sicht“, erklärte der Mieterbund-Präsident.

Gleichzeitig steigen auch die Preise für Gas, Fernwärme und Strom. „In den letzten zwölf Monaten haben 631 Gasversorger die Preise um bis zu 25 Prozent erhöht. Für September und Oktober haben 276 Anbieter Preiserhöhungen bis zu 30,6 Prozent angekündigt. Und ab November rechne ich mit der nächsten Preiserhöhungsrunde“, sagte Rips.

Wohnkostenbelastungen

Im Jahr 2007 zahlten Mieter in den westlichen Bundesländern durchschnittlich 6,38 Euro Miete einschließlich der Betriebskosten und zusätzlich 1,17 Euro Heizkosten pro Quadratmeter und Monat. In den östlichen Ländern waren es 5,70 Euro Miete und 1,14 Euro Heizkosten. Bei einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von 1.946 Euro (West) bzw. 1.514 Euro (Ost) mussten Mieter in Westdeutschland durchschnittlich 32,46 Prozent und in Ostdeutschland 32,84 Prozent für die warme Wohnung zahlen.

„Angesichts der Energiepreissteigerungen in diesem Jahr rechne ich mit 30 Prozent höheren Heizkosten. Damit steigt die Wohnkostenbelastung des durchschnittlichen Mieterhaushaltes auf 34 Prozent. Unter Berücksichtigung der Stromkosten muss ein Mieterhaushalt mehr als 37 Prozent seines Nettoeinkommens für die mit Energie versorgte Wohnung zahlen“, rechnete Rips vor. „Einkommensschwache Haushalte mit Belastungen von 50 Prozent und mehr werden diese Preise nicht mehr zahlen können. Ihnen drohen in diesem Winter eine kalte Wohnung und ein abgedrehter ‚Stromhahn’, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.“

„Energiepolitik ist aus unserer Sicht immer auch Sozialpolitik. Strom und Heizkosten müssen auf Dauer bezahlbar bleiben. Ein umfassendes Konzept, wie dieses Ziel zu erreichen ist, hat die Politik bisher nicht entwickelt. Deshalb legt der Deutsche Mieterbund jetzt ein 10-Punkte-Programm zur Entlastung der Verbraucherhaushalte vor. Hierin enthalten sind langfristig, mittelfristig und kurzfristig wirkende Vorschläge“, erklärte Mieterbund-Präsident Rips.

10-Punkte-Programm zur Entlastung der Verbraucherhaushalte

  1. Langfristig: Energetische Modernisierung des Wohnungsbestandes
    Der Wohnungsbestand muss umfassend energetisch verbessert werden. Heizungsanlagen, Wärmedämmung und Fenster sind hier häufig die Schwachstellen. Ziel muss es sein, bis zum Jahr 2020 Neubaustandards im Wohnungsbestand zu erreichen. 90 oder sogar 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr dürfen nicht, wie bisher, auf den Neubau beschränkt bleiben. Der Staat muss den ordnungspolitischen Rahmen zur Erreichung dieser Ziele setzen. Es reicht nicht, nur für den Neubau Standards festzuschreiben. Damit würden lediglich jährlich 200.000 Wohnungen erfasst. In den 37 Millionen genutzten Bestandswohnungen würde es auf Vernunft und Freiwilligkeit ankommen. Angesichts der weit verbreiteten Investitionsunlust ist auf dieser Basis nicht mit nennenswerten Ergebnissen zu rechnen.
  2. Langfristig: Erneuerbare Energien einsetzen
    Es reicht auch nicht aus, Vorgaben für den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien im Neubau zu beschreiben. Auch im Wohnungsbestand muss die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen abgebaut werden. Sonne, Wind oder Erdwärme stehen allen zur Verfügung. Ziel sollte hier sein, bis zum Jahr 2020 den Anteil erneuerbarer Energien im Wohnungsbestand auf 20 Prozent (derzeit 7 Prozent) zu erhöhen. Die Regelungen des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes sind auf den Wohnungsbestand auszuweiten.
  3. Mittelfristig: Fördermittel aufstocken
    Fördermittel, wie zum Beispiel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm, müssen weiter aufgestockt werden. Hiermit schafft die Politik Investitionsanreize für Eigentümer und Vermieter. Gleichzeitig wird der Umfang der von den Mietern zu zahlenden Modernisierungs-Mieterhöhungen begrenzt. Die zusätzlichen Mittel für die Aufstockung der Fördertöpfe können zum Beispiel aus den deutlich höheren Mehrwertsteuereinnahmen finanziert werden, die allein aufgrund der Energiepreissteigerungen in die Staatskasse fließen.
  4. Mittelfristig: Umfassende Information
    Mieterinnen und Mieter müssen besser und umfassender informiert werden, wann, wo und wie Energie gespart werden kann. Die von der Bundesregierung verordneten Energieausweise, Transparenzinstrumente des Deutschen Mieterbundes, wie Heizspiegel oder Betriebskostenspiegel, sind wichtige und notwendige Informationsquellen. Sie reichen aber noch nicht aus. Ziel muss es sein, Kenntnisse und Wissen der Verbraucherhaushalte weiter zu verbessern und ein Bewusstsein für energiesparendes Handeln zu wecken. Es bedarf also weiterer Informations- und Aufklärungskampagnen zum richtigen Umgang mit Energie.
  5. Mittelfristig: Reform des Messwesens
    Eine umfassende Reform des Messwesens ist notwendig. Mit intelligenten Stromzählern und Erfassungssystemen für Heizkosten müssen Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lage versetzt werden, ihren Energieverbrauch und –bedarf tagesaktuell zu überprüfen und zu steuern. Dabei muss es möglich werden, dass die Haushalte problemlos Nacht- oder sonstige Sondertarife ausnutzen können.
  6. Kurzfristig: Wohngelderhöhung
    Bei der am 1. Januar 2009 in Kraft tretenden Wohngelderhöhung werden auf Betreiben des Deutschen Mieterbundes erstmals Heizkosten bei der zu berücksichtigenden Miete eingerechnet. Der Heizkostenanteil von 24 Euro für einen Einpersonenhaushalt, 31 Euro für einen Zweipersonenhaushalt und 37 Euro für einen Dreipersonenhaushalt reicht angesichts der aktuellen Energiepreise nicht mehr aus. Die Heizkostenanteile müssen deshalb verdoppelt werden. Weil es damit noch längst nicht zu einer Vollkostenerstattung kommt, bleibt ein ausreichender Anreiz zum Energiesparen bestehen.
  7. Kurzfristig: Hartz-IV-Regelsätze erhöhen
    Preissteigerungen für Strom und Warmwasser müssen ALG-II-Empfänger aus den Regelsätzen zahlen. Die aktuellen Regelsätze von 351 Euro müssen um 50 Euro erhöht werden.
  8. Kurzfristig: Heizkostenzuschuss oder steuerliche Entlastung
    Auch für viele Haushalte, die kein Wohngeld und keine Hartz-IV-Leistungen beziehen, sind die steigenden Energiepreise kaum noch zu bezahlen. Haushalte beispielsweise mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen bis zu 25.000 Euro sollten einen Heizkostenzuschuss oder eine Abzugsmöglichkeit von der Steuerschuld erhalten. Je nach Haushaltsgröße kann diese Entlastung zwischen 100 und 200 Euro im Jahr betragen. Die entsprechenden Regelungen könnten zum Beispiel auf drei Jahre befristet werden, bis die mittel- und langfristigen Maßnahmen Wirkung erzielen. Sie dürfen im Übrigen keinen übermäßigen bürokratischen Aufwand erzeugen, damit das Geld bei den Verbrauchern ankommt und nicht in den Verwaltungen versickert.
  9. Kurzfristig: Grundtarife einführen
    Die Grundversorgung mit Strom muss zu einem preisgünstigen Tarif für den notwendigen Bedarf der privaten Haushalte angeboten werden. Der Preis für diese Grundversorgung muss deutlich unter dem bisherigen Energiepreis liegen. Bei Mehrverbräuchen können die Energieversorger dann höhere Preise, ggf. auch gestaffelte Preise fordern. Hierdurch werden sparsames Energieverhalten belohnt und gleichzeitig eine wichtige Sozialkomponente eingeführt.
  10. Kurzfristig: Einkaufshilfen für energiesparende Geräte
    Mit Hilfe von zinslosen Darlehen oder Zuschüssen in Form beispielsweise von Einkaufsgutscheinen soll einkommensschwachen Haushalten geholfen werden, neue energiesparende Elektrogeräte zu kaufen. Es ist unerträglich, dass die einkommensschwachen Haushalte sich der billigen, aber energieverschleudernden Haushaltsgeräte bedienen müssen.

Andere Forderungen in der Diskussion – Bewertung durch den Deutschen Mieterbund

„Allen anderen zurzeit von Fachleuten und Politikern diskutierten Vorschlägen – wie Reduzierung von Steueranteilen auf Gas, Öl und Strom, Sozialtarife bei Energiepreisen, Aufhebung der Preisbindung Öl / Gas, Preiskontrollen oder Mietrechtsänderungen – stehen wir skeptisch gegenüber bzw. lehnen wir strikt ab“, sagte Rips:

Quelle: DGB

Startseite - Veröffentlicht am: 3. September 2008 um 12:15 Uhr - Haftungsausschluss     Sie möchten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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  2 Kommentare / Fragen veröffentlicht


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2 Kommentare / Fragen

Lesen Sie Kommentare / Fragen, welche andere Leser hinterlassen haben.


1. ... Kommentar von Martin Obenaus am Mittwoch, 3.9.2008.

… zu Risken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte den CDU Generalsekretär!

Dieser Herr wird Ihnen gerne erklären wie man wirtschaftliche Erzeugung von Atomenergie umsetzt in direktem Zusammenhang mit einer Erhöhung der Heizkostenpauschale. Aber die deutsche ‘ Demokratie ‘ in ehrwürdigen Häusern befleissigt sich der Unbefangenheit. Was schlagen Sie konkret vor um Ihre lobenswerten Absichten gezielt umsetzbar zu machen? Eine ‘ kleine’ Anfrage der Linken???

Diese Politik ist kein Wunschkonzert der Gesellschaft, sondern geht nach knallharten wirtschaftlichen Fakten. Zur Not wird dem Erwerbslosen einfach mal das ‘ Licht ‘ ausgemacht. Was der Kleine erhungert und erfriert sichert die Gewinne von Energiekonzernen und Industrie. Somit ist langfristig der ‘ Konsumzwang’ zum teuren Energieverbrauch in der freien Maktwirtschaft vorprogrammiert. Eine Frage nach Umweltschutz dürfte sich hiermit gänzlich aus wirtschaftlichen Gründen erübrigen…

Der 10 Punkte Plan ist ein lobenswerter Versuch, doch es ist absehbar das man diesen nicht umsetzen wird. Kinder von Erwerbslosen werden etwas mehr frieren oder hungern müssen im nächsten Winter- während man Statistiken harmonisert. Solange man keinen gebündelten Druck in der Öffentlichkeit erzeugt, wird man auch in Zukunft auf keine bessere Politik hoffen dürfen.


2. ... Kommentar von diana am Montag, 19.1.2009.

Guten Tag,

mein Freund bekommt Hartz IV
Von der letzten Mietkostenabrechnung hatte er ein Guthaben von 430 euro.Er hatte sehr wenig geheitzt.Jetzt möchte das Amt 373euro zurück haben.Ist das angemessen?


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