Immer noch geschockt von der Meldung, Duckhome Gründer „Jochen“ sei verstorben, möchten wir nun an der Stelle ein paar Worte „seines Teams“ veröffentlichen:

Jochen war derjenige, der mich vor über zehn Jahren als stiller Leser begeisterte. Er öffnete einem die Augen, dass in der Politik, die uns beherrscht, nichts zufällig passiert, sondern IMMER mit Vorsatz. Mit seinem (mir zuvor unbekannten) konsequenten Schreibstil machte er deutlich, wie sehr die alltäglichen Rädchen im System ausgenutzt werden. Für mich ganz persönlich bleibt für immer unvergessen sein Kommentar, wie ein Soldat im Krieg unter Vorspielung falscher Wahrheiten brutalst ausgenutzt wird. Und absolut begeistert war ich dann darüber, als ich von Jochen die Einladung bekam, mich hier im Blog als Mitschreiber einzubringen. Meine zuvor nur in kleinen Foren veröffentlichten Kommentare gefielen ihm wohl, so dass er mir hier Schreibrechte gab – wofür ich immer noch sehr dankbar bin.

Es macht mich traurig, dass diese gemeinsam kommentierende Zeit nun so abrupt sein Ende finden musste. Auch wenn ich natürlich nicht alles unterschreiben konnte, was Jochen sich vom Herzen schrieb, so war seine zum Teil bösartige Aufrichtigkeit stets ein guter Kontrast, um seinen eigenen Kompass wieder korrekt zu justieren. Denn man muss sich immer wieder klar machen: Der Kapitalismus verursacht systembedingt ein derartiges Elend, welches auch die schärfsten Worte nicht annähernd wiedergeben können. Und selbst der beleidigendste und niederträchtigste Text kann den Folgen des Kapitalismus niemals das Wasser reichen.

Nur die Justiz beschäftigt sich gerne und oft mit solche Texten – steht den brutalen Folgen des kapitalistischen Systems aber stets wohlwollend zur Seite. Auch gewollte Verelendung (siehe Sozial“reformen“, EU-„Spar“politik, Privatisierungen usw.) bis hin zum Mord (Auslandseinsätze, Waffenexporte, Flüchtlingsdeals usw.) werden von der Justiz stets juristisch legitimiert, so lange man nur kapitalistische Begründungen dafür finden kann. Und Jochen hat sich gerne und oft auf solche juristischen Auseinandersetzungen eingelassen – ja sogar wegen einem Kommentar von mir hielt er lachend seinen Kopf hin.

Ich weiss nicht, wie es nun hier bei Duckhome weitergeht. Ich hoffe, es geht weiter. Irgendwie. Und trotzdem fällt es mir schwer, jetzt in den normalen Kommentar-Alltag zurück zu kehren. Aber Jochen hätte sicherlich nichts anderes gewollt, als dass man weiter macht – und weiter kämpft. Jeder mit seinen Mitteln.

Quelle: Duckhome

Der Sozialticker übermittelt hiermit den Hinterbliebenen und der Blogseite: Duckhome seine Anteilnahme – „… habt Mut und Kraft für die Zukunft !!!

4. Mai 2017