Feb
2018

Doppelbelastung Arbeit und Pflege

Pflegende Angehörige brauchen endlich echte Unterstützung, vor allem, wenn sie berufstätig sind, sagt Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf eine aktuelle Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die nachweist, dass bereits jeder elfte Arbeitnehmer einen Angehörigen pflegt. Pia Zimmermann weiter:

„Die Pflege darf nicht weiter ins Private abgeschoben werden. Die Fehlentscheidungen der Regierungen der letzten Jahre werden vor allem auf dem Rücken berufstätiger Frauen ausgetragen. Jede fünfte Beschäftigte ab 60 Jahren ist in ihrer Freizeit mit der Pflege von Angehörigen befasst. Die meisten geben an, mit der Vereinbarkeit von Pflege und Vollbeschäftigung Probleme zu haben. Die Entlastungsangebote konnten nur von fünf Prozent der Frauen in Anspruch genommen werden. Pflege von Angehörigen macht nicht nur arm, sondern auch krank. Das muss sich ändern.

Die bisherigen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen lassen keine großen Hoffnungen für die Pflege zu. Neben ein paar unzusammenhängenden Einzelmaßnahmen bleibt es bei einem schulterklopfendem ‚Weiter so‘. Vor allem an der mangelhaften Finanzierung der Pflege soll nichts geändert werden. So wird es dabei bleiben, dass Frauen ihren Beruf aufgeben und gegebenenfalls ihr Erspartes opfern müssen, um Eltern, Schwiegereltern und Partner zu versorgen.

DIE LINKE fordert endlich eine echte Kehrtwende in der Pflegepolitik. Pflege darf nicht länger auf dem Rücken überlasteter pflegender Angehöriger, meist Frauen, stattfinden. Eine gerechte und solidarische Finanzierung von Pflege ist möglich und notwendig, weil Pflege uns alle angeht.“

Quelle: Fraktion DIE LINKE

6. Februar 2018

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Kommentar zu - “Doppelbelastung Arbeit und Pflege

  1. Es kann nicht alles sozialisiert und das private Engagement namentlich in der Pflege stiefmütterlich behandelt werden. Konkret ist das heute so, dass private Pflegekräfte durch das Pflegegesetz nur mit dem viel geringeren Pflegegeld vergütet werden können, ihnen aber die Vergütung mit dem weit höheren Satz der Pflegesachleistungen versagt bleibt. Beim Pflegegrad 3 sind das 545 Euro und beim Pflegegrad 4 mal eben 728 Euro, jeweils monatlich, die die Pflegekassen dem Pflegebedürftigen vergüten dürfen. Mehr geht nicht.

    Die höheren Pflegesachleistungen dürfen nahezu ausschließlich die gewerblichen Pflegedienste mit der Pflegekasse abrechnen. Die privaten Pflegekräfte bleiben draußen vor. Die Eigenanteile bei der gewerblichen Pflege sind aber für Familien, die pflegebedürftige Angehörige haben, unerschwinglich. Die private Pflege muss daher dringlich besser gefördert werden.

    Vor dem Hintergrund des Zustromes der geburtenstarken Jahrgänge der 50iger und 60iger Jahre in die Pflegekassen, kann die Sozialisierung der Pflege nicht mehr länger funktionieren. Die umgekehrte Alterspyramide hätte unter dem Aspekt der Pflege dann die Form einer Sprengmine.

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