Essen (DAV). Der Anwaltsberuf steht vor einer digitalen Revolution. Nach Ansicht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) wird sich die Rechtsberatung in den kommenden Jahren für Verbraucher und Anwaltschaft enorm verändern. Die Anwaltschaft steht vor Herausforderungen.

„Der digitale Fortschritt erleichtert dem Verbraucher einerseits den Zugang zum Recht und bietet Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten andererseits unternehmerische Chancen“, sagte der DAV-Präsident, Rechtsanwalt und Notar Ulrich Schellenberg am Mittwoch zum Auftakt des 68. Deutschen Anwaltstags in Essen. Das Branchentreffen steht in diesem Jahr im Zeichen von Legal Tech. Mehr als 1.500 Fachleute und Besucher diskutieren und informieren über die Digitalisierung des anwaltlichen Berufs.

„Legal Tech scheint mit einem Mythos des Anwaltsberufs zu brechen; die Technik stellt unser Wissensmonopol in Frage“, sagte Schellenberg. Schon heute könnten Verbraucher mit Hilfe von Rechtsgeneratoren online Rechtsrat erhalten. „Anwälte kommen über das Internet praktisch ins Wohnzimmer der Mandanten“, so der DAV-Präsident. Auch Verträge und Testamente könnten durch entsprechende Software digital erstellt werden. Diese Entwicklung wird nach Einschätzung des DAV-Präsidenten an Fahrt gewinnen. „Die Anwaltschaft steht vor der Herausforderung, die Möglichkeiten der Technik für eine noch bessere Beratung ihrer Mandanten zu nutzen“, so Schellenberg.

So zeigt auch die Zahl der Legal-Tech-Startups: Das Thema ist auf dem Vormarsch. Mittlerweile gibt es rund 60 Legal-Tech-Angebote in Deutschland. Weltweit agieren mehr als 1.500 Unternehmen in dem Bereich, Tendenz steigend.

Legal Tech bedeutet nicht das Ende der Anwaltschaft

„Diese Entwicklung bedeutet aber keinesfalls das Ende des Anwaltsberufs“, so Schellenberg. Im Gegenteil: Die digitale Transformation böte der Anwaltschaft neue unternehmerische Chancen. Rechtsdienstleistung werde durch die Digitalisierung standardisiert und automatisiert. Dies unterstütze die Anwaltschaft bei der Arbeit und optimiere die Beratung der Mandanten, so Schellenberg. Die digitalen Technologien können den Anwälten also helfen ihre Arbeitsabläufe zu verbessern.

„Die Anwaltschaft kann sich auf das konzentrieren, was sie am besten kann“, so der DAV-Präsident. Anwälte könnten innovative Lösungen für die Probleme ihrer Mandanten finden und deren Interessen vertreten.

Aber auch Legal Tech hat Grenzen: „Selbst das beste Computerprogramm wird eine individuelle und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen können“, sagte Schellenberg. Rechtliche Detailfragen und taktische Erwägungen blieben beispielsweise dem persönlichen Gespräch vorbehalten.

Nach Ansicht des DAV wäre es falsch, vor dieser Entwicklung die Augen zu verschließen. Die Anwaltschaft ist vielmehr zum Handeln aufgefordert. „Wir müssen den Wandel gemeinsam gestalten“, sagte Schellenberg. Nur so könne der Berufsstand die Deutungshoheit erlangen und diesen Prozess selbst mitgestalten.

Quelle: Presse Deutscher Anwaltverein – www.anwaltverein.de

25. Mai 2017