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Die Aktivierungs-Ideologie ist gescheitert Diakonie-Vorstand drängt auf eine Wende in der Arbeitsmarktpolitik

Das gängige Aktivierungs-Paradigma, das im Rahmen der Hartz-Gesetzgebungen Einzug in die Sozialgesetzbücher gefunden habe, ist gescheitert, sagte Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, am Samstag auf dem Zukunftskonvent der nordrhein-westfälischen SPD. Da die Arbeitsmarktintegration mit dem Aktivierungsparadigma nicht ausreichend gelinge, müssten die Chancen zu mehr sozialer Teilhabe anderweitig eröffnet werden.

„Dies kann nur auf der Basis höherer und wenigstens ein Stück mehr dem Lebensstandardprinzip verpflichteter Transferleistungen erfolgen. Daneben ist eine breite Angebotsstruktur gemeinwohlorientierter, sinnstiftender Tätigkeiten zu schaffen, die auch gewisse Möglichkeiten eines Zuverdienstes eröffnet.“

Bereits im so genannten Schröder-Blair-Papier von 1999 war die „Aktivierung der Betroffenen“ unter einem emanzipatorischen Deckmantel beschrieben worden. Man wollte ein „Einnisten“ der Betroffenen in die chronische Fürsorge-Situation des Sozialtransfers verhindern und ihnen die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben in Arbeit eröffnen. Das Problem liege aber, so Becker, nicht in einer mangelnden Arbeitsbereitschaft der Betroffenen, vielmehr daran, dass wir „schlichtweg unter dem Strich einen Mangel an verfügbaren Arbeitsplätzen“ haben. So habe sich durch Hartz IV weder die Strukturproblematik einer verfestigt hohen Langzeitarbeitslosigkeitsquote signifikant verändert, noch sei der zahlenmäßige Überhang von Arbeitssuchenden gegenüber dem Angebot an auskömmlicher Erwerbsarbeit auch nur annähernd aufgelöst worden.

Dies zeigt auch eine Studie der Diakonie, nach der nur ein geringer Prozentsatz der nach Hartz IV-Geförderten überhaupt den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft habe. Davon befindet sich die Mehrzahl in einer instabilen und latent gefährdeten Position – etwa mit befristeten Verträgen oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen. „Darum ist es unsinnig, wenn Sozialpolitik meint, die Strukturproblematik des Arbeitsmarktes uminterpretieren zu können zur Verhaltensproblematik der von Arbeitslosigkeit Betroffenen.“ Die Aktivierungspolitik schaffe nicht mehr Arbeit, nur mehr Armut: Die Kinderarmut sei gestiegen, das Reallohn-Niveau gesunken, das Phänomen der „Working poor“ habe sich verbreitet und allerorten seien Sozialkaufhäuser und Lebensmittel-Tafeln wie Pilze aus dem Boden geschossen. Becker riet den nordrhein-westfälischen Genossen, die über die Zukunft des Landes und der eigenen Partei nachdachten, von einer staatlich gelenkten Sanktions-Pädagogik zu einer Arbeitsmarktpolitik zurückzukehren, die sich im Kern dem strukturierten Abbau von Armutsrisiken verschreibe.

Wichtig sei es auch, so der Diakonie-Pfarrer, „dass nicht weiter das soziale Klima im Land durch eine Diskreditierung der Arbeitslosen geschürt wird“, etwa durch die Forderung nach einer Erhöhung der „Treffsicherheit des Sozialstaates“, die „kein Recht auf staatlich bezahlte Faulheit“ zugestehen könne. „Diese Form der Verarmung der politischen Kultur ist manchmal schwerer zu ertragen, als die vielfältigen Gesichter der materiellen und emotionalen Armut derer, die auch solche Kommentierungen noch über sich ergehen lassen müssen.“ Becker sieht seinen Vortrag vor dem Zukunftskonvent der NRW-SPD als einen Anstoß zu einem umfassenden Diskurs über die Zukunft der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Aus diesem Grund startet die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe auch eine neue Publikationsreihe „Diakonische Zwischenrufe“ mit einem Beitrag von Uwe Becker „Arbeit für alle?!“.

Quelle: Presse Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V.

Startseite - Veröffentlicht am: 31. Oktober 2009 um 12:30 Uhr - Haftungsausschluss     Sie möchten dem Sozialtickerteam eine Nachricht zukommen lassen? Druckversion:   Druckversion anzeigen

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1. ... Kommentar von Nickname am Samstag, 31.10.2009.

Die in meinen Augen gemeine nutzlose statt gemeinnützige Diakonie spekuliert an der Börse, sind gegen eine HartzIV-Regelsatzerhöhung (sonst würde man keine 1€-Jobber mehr finden), haben zusammen mit Caritas über 230 Milliarden Euro Immobilienvermögen und deren 1€-Jobs wie Maßnahmen sind verdammt toll - haben ja zu 98% einfach nur Geld gekostet=eingebracht… Natürlich wird die “breite Angebotsstruktur gemeinwohlorientierter, sinnstiftender Tätigkeiten” von gewissen christlichen Kreisen angeboten werden können; die Immobilien müssen ja irgendwie besetzt werden. Damit kommt noch mehr Geld in die Kassen … und es sollen sogar “gewisse Möglichkeiten eines Zuverdienstes eröffnet” werden. Von 1€ auf 1.50€, oder wie darf man das verstehen? Der Rest (=Existenzminimum/HartzIV) wird ja aus den Sozialkassen von den übrigen gebliebenene Steuerzahlern genommen. Das Wörtchen für “Sozialleistungen nur gegen (fremdbestimmte) Arbeit” heißt “Zwangsarbeit”. Würde wirklich gerne arbeiten - nur eben nicht für ein Unternehmen, daß im Namen Jesus Christus aus Menschen Profit schlägt.

Zitat: “…Becker riet den nordrhein-westfälischen Genossen, die über die Zukunft des Landes und der eigenen Partei nachdachten, von einer staatlich gelenkten Sanktions-Pädagogik zu einer Arbeitsmarktpolitik zurückzukehren,…”
Man lernt nie aus. Partei-Genossen des Diakonievorstandes Herr Becker errichteten anstatt Arbeitsmarktpolitik also eine reine”Sanktions-Pädagogik” - oder wie soll man den Satz sonst verstehen? Man hat also jahrelang überhaupt keine Arbeitsmarktpolitik betrieben. “Sanktions-Pädagogik”… ja… Nahrungsmittelentzug so schöne zu verpacken ist schon Nazi². Auch Hitler glaubte an Gott und war in der katholischen Kirche.

By the way: Wieviel verdient eigentlich ein Pfarrer bei der Diakonie - ähnlich viel wie in einer Kirche? Wird der auch vom Steuerzahler (als Beamter) entlohnt - wie “normale Pfarrer”?


2. ... Kommentar von Braunes Hartz am Sonntag, 1.11.2009.

Naja, Nickname, es ist ja zuerst einmal sehr positiv, daß man endlich, nach über 5 Jahren, zur Besinnung kommt. Da hat ein ein Riesensprung stattgefunden, von der alttestamentarischen strafenden Gesellschaft, die die Arbeit mit der Knute in jeden Einzelnen hineinprügeln will, zurück zur Wohlfahrtsgesellschaft. Man kann nur hoffen, daß es ernst gemeint ist und man diese Linie beibehält.

Es ist nur allzu menschlich, daß man dabei nicht nur seine Schäflein, sondern auch seine Scherflein ins Trockene bringen will. In der Tat sollten bei der Aussage “Daneben ist eine breite Angebotsstruktur gemeinwohlorientierter, sinnstiftender Tätigkeiten zu schaffen, die auch gewisse Möglichkeiten eines Zuverdienstes eröffnet” weniger die Kirchenglocken als vielmehr die Alarmglocken klingeln. Solange es wirklich freiwillig ist und auf einem auskömmlichen soziokulturellen Grundeinkommen aufbaut ist es ja ok, ansonsten wäre es doch nur ein umbenanntes Hartz4. Es ist hier aber nicht der Hauptaspekt, sondern das Umdenken an sich ist das Wichtige.

Richtig ist, daß die unbedingte Arbeitspflicht der Fürsorgeempfänger für die “Volksgemeinschaft” tatsächlich einem Grunddenken entspringt. Das ist aber die Schande der (angebräunten) nationalistischen Sozis, nicht die der Kirche. Vielleicht finden erstere ja uch einmal auf den Pfad der Tugend zurück - nach 16 Jahren Opposition, wer weiß. Erfahrungsgemäß wären sie nach kurzer Regierungszeit aber wieder genau da angelangt, wo sie jetzt sind.

Achso, ja, der Gröfaz hatte meines Wissens nicht an Gott, sondern an ein Konstrukt namens “Vorsehung” geglaubt, jedenfalls hatte er darauf immer wieder Bezug genommen. Die Bergpredigt hatte er jedenfalls nicht im Programm.


3. ... Kommentar von Nickname am Sonntag, 1.11.2009.

Hallo Braunes Hartz !

Die Diakonie wird das CDU/FDP-Wahlprogramm umsetzen. Dabei sollen 1€-Jobs zu 0€-Jobs werden und diese sind Pflichtarbeit (nicht freiwillig = Zwangsarbeit), wenn man SGBII oder ähnliches beziehen will - der bisherige (flächendeckend illegale) Einsatz für private, gewerbliche wie kommerzielle Zwecke wird legalisiert. Die “sinnstiftenden Tätigkeiten” wie puzzlen oder teuere Trampoline zusammenbauen sind ja absolut christlich. Der Hauptsinn liegt in der Gewinnmaximierung der (meistens christlichen) Arbeitgeber.
Die “neuen nationalen Sozialisten” (Politiker) sind, wenn dieses Programm eingeführt wird, so sozial wie die ideologischen Vorgänger. Die Organisationen (wie Caritas) sind NICHT die Kirche und benutzen auch nur das Image dieser Religion - mit den Werten des Christentums oder den Glauben an einen Gott haben diese nichts im geringsten zu tun. Es ist pure Abzocke im kirchlichem Gewand, damit es nicht sofort auffliegt. Da machen sogar Obdachlosenheime keine Ausnahme (überhöhte Mietpreise). Vielleicht hat es sogar jeden 10.-20. Menschen geholfen - Ausnahmen müssen ja die Regel bestätigen.

Die Aussage des Textes bleibt: “…von einer staatlich gelenkten Sanktions-Pädagogik zu einer Arbeitsmarktpolitik zurückzukehren…”. Mir bleibt die Kotze so im Hals stecken, wenn man überlegt, daß dort einer ganz offen ausspricht, daß HartzIV-Empfänger monate- bzw. jahrelang mit Sanktionspädadgogik statt Arbeitsmarktpolitik “geholfen” wurde … SANKTIONSPÄDAGOGIK - schon die Wortzusammensetzung alleine. Man könnte auch ERPRESSUNGSPÄDAGOGIK (Erpressung, indem man ohne wenn & aber alles mitmachen muß oder es wird das Existenzminimum sanktioniert) sagen. Mit Pädagogik hat das nichts mehr zu tun.

By the way: Verdienen Pfarrer der Diakonie auch ~10000€ / Monat. Wieviel bekommen Hilfsangestellte der Diakonie? Auch ~20€ / Stunde netto? …worauf ich hinaus will: Im Zusammenhang mit 1€ bzw. bald 0€-Jobs und den 2500 kcal-Nahrungsmitteldarf kann man von modernen Lagern (ohne Duschräume) sprechen.


4. ... Kommentar von Braunes Hartz am Sonntag, 1.11.2009.

Hallo Nickname,

glaubst Du nicht, daß Du Dich da ein bißchen verrennst ? Wenn jemand, wie dieser Pfarrer, bisherige Mißstände - Sanktionspädagogik - zutreffend anprangert ist das doch sehr positiv zu werten. Der letzte Absatz des Artikels ist doch eine Anklage gegen Arbeitszwang, Zwangsarbeit und eine „Treffsicherheit des Sozialstaates“, die „kein Recht auf staatlich bezahlte Faulheit“ zugestehen könne. Es ist geradezu ein vernichtendes Urteil über die “Help-and-Hassle”-Ideologie der internationalen Sozialdemokratie, die bei uns den Grundgesetz-Artikel 12 aushebeln wollte.

Ich kenne zwar nur diesen redaktionellen Artikel über dieses Thema. Allein aus diesem kann ich Deine Bewertung aber überhaupt nicht nachvollziehen. Die Einführung von Null-Euro Jobs und Beibehaltung der Pflichtarbeit und -dienstleistung würde diesem in seiner Aussage völlig widersprechen.


5. ... Kommentar von Einstein am Sonntag, 1.11.2009.

Wer den Diakonischen Zwischenruf in seiner gesamten Länge lesen will der kann dies unter nachlesen - pdf 16 Seiten:
Arbeit für alle?! - “Diakonischer Zwischenruf” kritisiert Mythen und Vorurteile der Arbeitsmarktpolitik”


6. ... Kommentar von Braunes Hartz am Sonntag, 1.11.2009.

Einstein,

danke für den Link. Ich habe mir das Werk jetzt durchgelesen und könnte fast jeden Satz unterschreiben. Auf jedem Parteitag der Linken hätte man damit Zustimmung.
Sehr empfehlenswert !

Auszug:

“Logischerweise und in der Konsequenz einer gescheiterten Aktivierungspolitik muss das Angebot einer solchen Tätigkeit freiwillig sein.

4.7 Ebenso muss aus diakonischer Perspektive der Sanktionsmechanismus durchbrochen werden. Denn diese Form der sozialen Kontrolle wäre – wenn überhaupt – nur dann zu rechtfertigen, wenn Verweigerungen von Auflagen der ARGEn die berechtigte Aussicht auf die Integration in den Ersten Arbeitsmarkt zerschlagen. Der ausgeübte Zwang zur Aufnahme einer Tätigkeit wie der Ein-Euro-Jobs, die nach Einschätzung des Betroffenen aber keinerlei Aussicht auf eine Zukunft in Arbeit eröffnet, ist abzulehnen.”


7. ... Kommentar von Nickname am Sonntag, 1.11.2009.

Hallo Braunes Hartz !

Du fragst “glaubst Du nicht, daß Du Dich da ein bißchen verrennst ?” - meinst Du damit die Nazivergleiche oder die Zahlen? Die Zahlen kann ich alle belegen und die Fascho-Methodik auch - Du mußt mir nur genau sagen, was!

Dieser Pfarrer m.E. ein doppeltes Spiel: Nach außen wird das Image der Kirche/Diakonie gestärkt um das erst in den letzten Jahren etablierte System weiter auszunutzen. Habe in dem Bericht ( Kommerzielle 1-€uro-Job-Ausbeutung ) nur KURZ die Verhältnisse der Diakonie im diesem Bereich vor Ort dargestellt.

Statt Arbeitszwang wird mithilfe der Diakonie Arbeitspflicht eingeführt - dieselbe Diakonie, welche beim Bundesgerichtsverfahrens von T. Kallay als Berater auf keine Erhöhungen von HartzIV-Regelleistungen pocht, weil sonst der finanzielle Anreiz für 1€-Jobs fehlen würde. Nur weil das Wort “Zwang” noch nicht gebraucht wird, ist es dennoch schon real. Mindestens die Hälfte aller 1€-Jobber sind gut qualifiziert und arbeiten für 1€, weil ihnen sonst die Decke auf den Kopf fällt und diese die zusätzlichen €uros für eine menschenwürdige Existenz benötigen. Ein Diakonie-Mitarbeiter vor Ort meinte mal, daß die 1€-Jobs heißbegehrt wären und man glücklich sein solle, einen derartige Arbeit zu bekommen. Praktisch wird aus der Not und falscher Wirtschaftspolitik ein großes Geschäft gemacht.

Habe mir jetzt den kompletten Text (@Einstein: Danke für den Link!) durchgelesen.

Unter dem Kapitel 3 (”Die Grenze der Aktivierungs-
philosophie am Beispiel der Ein-Euro-Jobs”) findet man die Behauptung, daß 24 von 104 1€-Jobbern (also rund 23%) danach echte Arbeit fanden - in Wirklichkeit sind es 2%. Es wird von Dumpinglöhnen, Niedriglohnjobs und anderer präkerer Arbeit gesprochen, wobei ganz bewußt nicht die 1€-Jobs dazu gezählt werden; hierbei bekommt der Arbeitgeber (Diakonie) noch Geld (dreistellige Summen) für jeden Arbeitnehmer. Außerdem haben diese reguläre Arbeitsplätze verdrängt.

Den Endsatz des Kapitels “Die Forderung nach Aktivierung ohne die dazu notwendigen freien Arbeitsplätze kann nur mit einer großen Portion Schizophrenie durchgehalten werden.” kann ich unterschreiben. Auch die Erkenntnisse in Kapitel 4.1 .

Bei Kapitel 4.2 geht es neoliberaler als Satan ;) weiter:
“Das Prinzip der „Zusätzlichkeit“ steht im Widerspruch zu einer effektiven, arbeitsmarktnahen Integrationsbemühung in den Arbeitsmarkt. Wenn innerhalb der Beschäftigungsförderung passgenau für die Arbeitsmarktsegmente qualif ziert werden soll, die Arbeitskräfte benötigen, dann müssen Übergangsmärkte beispielsweise auf der Basis öffentlicher Vergabe von Aufträgen an Beschäftigungsträger erfolgen und die geförderte Arbeit muss unter nahezu „echten“ Bedingungen erfolgen. Ob die Leistungen zur Beschäftigungsförderung (§ 16e SGB II) wirklich auf die richtige Zielgruppe setzen, ist fraglich. Denn es bleibt abzuwarten, ob eine Produktivität von mindestens 40 Prozent (inklusive des notwendigen Overheads für Anleitung und Infrastruktur), die zur Kostenneu-
tralität erforderlich ist, mit dieser Zielgruppe von Personen zu bewerkstelligen ist, die mindestens „zwei weitere in (ihrer) Person liegenden Vermittlungshemmnisse“ aufweisen müssen.”
D.h., die Diakonie fordert, daß jeder Arbeitslose übliche (nicht gemeinnützige bzw. zusätzliche) Tätigkeiten als 1€-Jobber ausführen sollte.

In Kapitel 4.6 wird gefordert, 1€-Jobs auf Dauer auszuschreiben, um dann wieder christlich-nett in Kapitel 4.7 gefordert, daß dies nicht mit Sanktionen erwirkt werden darf.

Bei Kapitel 5 steht: “…Beschäftigungsförderung macht natürlich Sinn, aber nur dann, wenn sie auch nahe am Arbeitsmarkt vollzogen wird und sich nicht primär durch ihre „Zusätzlichkeit“ legitimiert.Aber auch durch Beschäftigungsförderung wird es nicht gelingen, all diejenigen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, die arbeiten wollen. Wenn also Arbeitsmarktintegration nicht ausreichend gelingen kann, dann müssen wenigstens die Chancen zu mehr sozialer Teilhabe auch auf der Basis höherer Transferleistungen und einer breiten Angebotsstruktur gemeinwohlorientierter, sinnstiftender und mit Mehraufwand versehener Tätigkeiten auf Freiwilligkeitsbasis eröffnet werden. Arbeit für alle – das ist wünschenswert, aber so lange die Erfüllung dieses Wunsches nicht in Sicht ist, müssen Alternativen gefunden werden.”.
Was das bedeutet, habe ich oben schon beschrieben = 1€-Jobs 4 all. Und jetzt frag’ Dich mal, warum sich die Diakonie für keine Erhöhung der HartzIV-Regelsätze vor dem Bundesverfassungsgericht einsetzt?

Nur weil “Kirche” draufsteht, muß es noch lange nicht heilig sein. In diesem Land werden “Ungläubige” regelrecht ausgestossen, Muslim’s vom Verfassungsschutz beobachtet und in die Ecke des Terrorismus geschoben. Laut Grundgesetz soll die Kirche vom Staat getrennt existieren - wäre das nicht nur ein Gesetz auf einem Stück Papier, würde es nicht so höllisch aussehen.

Weil ich nicht nur meckern will, ein paar Zukunftsgedanken:
- Die vorhandene Arbeit muß gerecht verteilt werden; evtl. durch eine erhöhte (fast unbezahlbare) Lohnsteuer ab der 35./40. Arbeitsstunde.
- Ein allgemeiner Mindestlohn, der sich mindestens an dem Existenzminimun einer Einzelperson + 0.7 Kinder (die Hälfte von der durchschnittlichen Familie mit 1.4 Kinder) richtet und somit bei ~10€ Brutto liegen müßte.
- Abschaffung sämtlich unentgeldlicher Langzeit-Praktikantenstellen und Vergütung (zumindest in Höhe der Fahrtkosten).
- Einführung der Pflicht, daß Arbeitgeber ab einer gewissen Firmengröße Langzeitarbeitslose und andere bis dato nicht-vermittelbare Mitbürger (Ü55, U25 ohne Ausbildung, Behinderte) beschäftigt.
- Sofortige schließung aller nicht gemeinnützigen 1€-Job-Maßnahmen und Überführung der profitorientierten Firmen in Staatliche oder Private Firmen.
- Ausweitung des “freiwilligen ökologischen oder sozialen Jahres” auf die übrig-verbliebenen sozialen/ökologischen 1€-Jobs unter Aufsicht des Staates (anstatt der Kirche/Diakonie).
- Schaffung von Arbeitsplätzen im künstlerischen Bereich (Literatur, Musik, Kunst, Theater pp.), damit Menschen verbunden werden anstatt im Arbeitsamt verwaltet zu werden.
- ……

Hoffentlich wurde dieser Text nicht zu lang :D
Schöne Grüße
“Nickname”


8. ... Kommentar von Braunes Hartz am Sonntag, 1.11.2009.

Nickname,

ich glaube, Du hast da ein Feindbild liebgewonnen, von dem Du nimmermehr lassen willst, egal was passiert. Manche Dinge stellst Du auch etwas sehr einseitig dar. In Deinem verlinkten Beitrag, der offenbar um einen windigen Geschäftemacher geht, finde ich nur einmal ganz unten das Wort Diakonie, unter - “sonstige Tätigkeiten: Aktiv in „Kirche&Diakonie“”.

Der von Dir zitierte Satz aus dem Kapitel 3 lautet vollständig:

“Wenn der Erfolg der Ein-Euro-Jobs an der Integrationsquote in den Ersten Arbeitsmarkt gemessen wird, dann gibt – zumindest wenn man von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen als Ziel ausgeht – diese Studie ein nur wenig verheißungsvolles, aber durchaus bundesweit „repräsentatives“ Gesamtbild ab. Von den 103 in der jüngsten Telefonbefragung interviewten Personen geben 24 an, in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zu sein, 14 in Vollzeit und zehn in Teilzeit. Von den 24 Personen sind mehr als die Hälfte der Stellen (14) zeitlich befristet, sechs Personen beziehen aufstockendes Arbeitslosengeld II, elf waren zwischenzeitlich arbeitslos und drei der Vollzeitstellen sind Leiharbeitsverhältnisse”

Ich habe jetzt nicht ausgerechnet, ob der verbleibende Rest 2% ergibt, aber das unterschlägst Du einfach. Im Prinzip wird damit in absoluten Zahlen genau das ausgedrückt, was Du in Prozenten formulierst.

In den in Kaptel 5 geforderten Alternativen war aber als Grundlage höhere Transferleistungen gefordert und im gesamten Beitrag mehrfach die Freiwilligkeit der Tätigkeiten. Wie soll das der Autor sonst noch ausdrücken? Das ist doch fast schon ein BGE, allerdings einkommensabhängig.

Wenn aber ein nicht kürzbares und auskömmliches Grundeinkommen vorliegt ist es aus Sicht des Leistungsempfängers ziemlich wurscht, ob Jobs “zusätzlich” sind oder nicht. Wenn sich dann dennoch jemand für lau abplacken will ist ihm halt nicht mehr zu helfen, dann soll er’s halt machen, Dummheit gehört bestraft.

Andererseits bin ich vehement gegen eine von Dir angefügte Alternative:

- Einführung der Pflicht, daß Arbeitgeber ab einer gewissen Firmengröße Langzeitarbeitslose und andere bis dato nicht-vermittelbare Mitbürger (Ü55, U25 ohne Ausbildung, Behinderte) beschäftigt.

Du provozierst damit eine “Gegenpflicht” für den Arbeitslosen, namlich diese Stellen im Gegenzug pflichtgemäß annehmen zu müssen. Das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Amen.


9. ... Kommentar von Emanuel Vidada am Montag, 2.11.2009.

zur Nachricht:

Mir sind beispielsweise häuserbauende Menschen, die nur eine Stunde pro Woche tätig sind, lieber als schauspielende Menschen, die 40 Stunden pro Woche tätig sind. Wenn die gegenwärtige Zwangs-Arbeit so ausgerichtet wäre, wäre schon viel erreicht.

Existenz-Ängste, die die Haupt-Ursache für das Theater um die Arbeitslosigkeit sind, bekämpft man nicht durch die bloße Beseitigung von Freiheit oder Freizeit. Bitte nicht noch mehr Künstler oder Erwachsenen-Bastel-Gruppen! Das ist mit “sinnstiftende Tätigkeit” hoffentlich nicht gemeint!


10. ... Kommentar von Nickname am Montag, 2.11.2009.

Hallo Braunes Hartz !

Vielleicht sieht mein Verhalten etwas drastisch aus - das gebe ich zu. In meinem verlinkten Artikel (”Komm.1€-Job-Ausb.”) geht es NUR um die Diakonie bzw. den windigen Geschäftemacher, welcher unter dem Label Diakonie arbeitet.

Zu den positiven 1€-Job-Erfahrungen: 24 von 103 sind ~23.3% - laut anderen Statistiken bekommen aber nur ~2% nach Vollendung eines 1€-Jobs weitere Beschäftigung. D.h. 49 bleiben arbeitssuchend und einer findet Arbeit. Meine Zahlen sind etwas anders als die von der Diakonie-veröffentlichten, oder nicht?

Halte von einem BGE genausowenig wie die in Kapitel 5 beschriebenen Wunsch der Diakonie. Mit diesen Methoden wird ein 2. bzw. 3. Arbeitsmarkt aufgebaut, wobei die Nutznießer die Diakonie ist. Die werden für die Bereitstellung von Arbeitsplätzen relativ hohe Subventionen vom Staat bzw. der EU einfordern - in einem christlich-geprägten Staat(enverband) ist dies sehr einfach zu bewerkstelligen. Ich denke nicht, daß die Diakonie/Kirche (bzw. dessen Vertreter) uneigennützig handeln; eher wird moderne Marktwirtschaft betrieben. Es stimmt, daß dort höhere Transferleistungen gefordert werden - da geb’ ich mich geschlagen ;).

Du schriebst: “…Wenn sich dann dennoch jemand für lau abplacken will ist ihm halt nicht mehr zu helfen, dann soll er’s halt machen, Dummheit gehört bestraft….”.
Für manche Tätigkeiten würde ich sogar für lau anpacken - sei es aus ideelen oder wirklich gemeinnützigen Zwecken. Das finde ich alles andere als dumm. Bei kommerziell-verwertbaren Tätigkeiten (z.B. Produktionshelfer über eine Zeitarbeitsagentur) finde ich Dumpinglöhne nicht nur dumm, sondern Gesellschaftsschädigend, weil andere Steuerzahler nämlich den Lohn (z.Zt. in Form von HartzIV) aufstocken müssen und so Firmen indirekt subventioniert werden.

Du schriebst: “Andererseits bin ich vehement gegen eine von Dir angefügte Alternative: Einführung der Pflicht, daß Arbeitgeber ab einer gewissen Firmengröße Langzeitarbeitslose und andere bis dato nicht-vermittelbare Mitbürger (Ü55, U25 ohne Ausbildung, Behinderte) beschäftigt. Du provozierst damit eine “Gegenpflicht” für den Arbeitslosen, namlich diese Stellen im Gegenzug pflichtgemäß annehmen zu müssen.”
Das sehe ich anders. Kenne niemand Arbeitslosen (Ü55, U25, Behinderte oder sonstwen), welcher nicht gerne in Arbeit sein will. Dieses Konzept müßte auf der Arbeitnehmerseite auf Freiwilligkeit basieren. Derartige Konzepte werden höchstens von Profitsüchtigen Arbeitgebern abgelehnt. Das Vorurteil von Arbeitsunwilligkeit bewahrheitet sich selten - meistens ist es nur eine Frage des Lohns oder der Arbeitsumgebung (z.B. Fließband-Akkord-Arbeit).

Amen :D

- - -

@Emanuel Vidada!
Erwachsene-Bastel-Gruppen - LOL. Wahre Kunst ist keine Ware Kunst, wie diese in der westlichen Welt verkauft wird. Man kann mit Kunstgruppen Graffiti-Sprüher von den Straßen holen, Musiker (unterschiedlicher Genres) zusammenführen und noch vieles mehr. Ein reales Beispiel (leider nur mit überregional-etablierten Künstlern). Das alte Konzept der Musikschule moderner und für Menschen zugänglich aufgelebt wäre besser als weiterhin Staats-Theater durch Subventionen am Leben zu halten; das Theater unserer Stadt verschlingt 10 Millionen Subventionen pro Jahr. Falls Erwachsenen-Bastel-Gruppen gewünscht sind, sollten auch die eine Existenzberechtigung für Bastel-Willigen haben. Wäre auf jedenfall besser, diese als 1€-Jobs zu deklarieren und mittels Sanktionen Arbeitssuchende dorthin zu verfrachten.
Kunst hat die Macht, unterschiedlichste Menschen zusammenzuführen und leistet so einen nicht-käuflichen sozialen Beitrag zur Gesellschaft.


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