Darf das Existenzrecht eines Menschen von seinem „WOHLVERHALTEN“ abhängen?

Sehr geehrtes Jobcenter-MitarbeiterInnen-Team ihres lokalen Jobcenters,

sehr geehrte GeschäftsführerInnen,

sehr geehrter Vorstand der BA und

sehr geehrte weitere Damen und Herren aus der Politik als Mitwissende und Mitverursachende,

der anspruchsberechtigte ALG-II-Antragsteller Ralph Boes ist wegen der kontinuierlichen Nichtszahlung seines Existenzminimums im Hungern.

Er hat Bewilligungen seines Jobcenters in Berlin Wedding bekommen, seit Monaten, mit kleinen Unterbrechungen seit Jahren, aber keine Leistungen aufgrund fortlaufender Sanktionen. Er verhält sich NICHT im Sinne von SGB-II und das ganz öffentlich, denn er stellt am eigenen Leib die Frage:

Darf das Existenzrecht eines Menschen von seinem „WOHLVERHALTEN“ abhängen?

Hinter seinem Hungern steckt ein Hungern nach WÜRDE –

http://wir-sind-boes.de/mediapool/133/1338286/data/Flyer_Aktion_17.Juni.pdf

Er ist NICHT freiwillig im „Hungerstreik“ sondern lebt dar, was es heißt, ausgeschlossen zu sein von der Versorgung – und damit WIRD ER verhungert – bei Klärung der Verhältnisse „in Sinne der Menschenwürde“ wäre sofort Geld für Essen wieder da und er würde sofort wieder Nahrung zu sich nehmen können – sofern es rasch genug passiert bevor er gesundheitliche (Dauer)schäden erlitten haben wird.

Auch Sie haben Verantwortung – hinterfragen und remonstrieren Sie, wenn sie jemanden vorsätzlich „in den Hunger“ „in die Obdachlosigkeit“ schicken – ja, sicher haben sie gute Gründe IM SINNE von SGB-II jemanden zu sanktionieren, der nicht regelkonform war, sie vielleicht sogar persönlich nervt, ihnen moralisch als „schmarotzer“ erscheint… doch die WÜRDE des MENSCHEN steht in Form des LEBENSRECHTS für das sie in diesem Staat „letzter Garant“ sind, vor allem anderen… Diskussionen, dass es „anderswo härter zuginge“ möchte ich nicht führen – es geht mir um die Wahrhaftigkeit unserer eigenen Gesetze, die sich so darstellen, als wäre es hier NICHT so.

Ferner hinterfrage ich auch den ARBEITSBEGRIFF als solchen, der in einer erwerbsfixierten Welt, wo GELD im Zentrum steht und nicht der Mensch, zu enormen Pervertierungen geführt hat – wo maßgeblich viele kreative Menschen wie Ralph Boes (mit oder ohne geregelstes Einkommen) den Teufelkreis durchbrechen und sich gemeinwohlorientiert für Benachteiligte, Frieden, Freiheit, Mensch und Natur einsetzen. Sie als Jobcenterpersonal dürften durch eigene Beobachtungen einen Blick für diese Absurditäten gewonnen haben.

Nochmal zu Sanktionen: sie sind keine Wohltat – sie stärken und schützen nicht die Menschenwürde.

Wer durch erzieherische Maßnahmen später nach eigener Aussage „ein besserer Mensch“ geworden ist, durch medizinische Therapie oder Psychothrapie „wieder in seine eigene volle Kraft kommt“ (um damit auch zu arbeiten und Anerkennung zu erlangen), muss „die Wahl“ gehabt haben ob er solche Erziehung akzeptiert und darf dennoch nicht mit dem TODE bedroht werden, der willkürlich durch Vorenthalten von Ressourcen oder Geld, das den Zugang zu Ressourcen regelt, verhängt wird. Wer erzogen werden möchte, kann das selbst wünschen. Wenn „erzieherische Maßnahmen“ nicht zum Ziel führen, sondern zum Tod oder auch nur zu einer tatsächlichen Lebensverschlechterung, sind sie ein Verbrechen – daher ist Lehrern und Eltern auch die Züchtigung ihrer Kinder u.ä. verboten.

Sanktionen sind auch kein „Notmittel“ um die Volkswirtschaft zu retten – da könnte man auch Bankenrettungen unterlassen und statt dessen ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen und vor allem auch unser Geldsystem reformieren.

Lassen Sie (und ihre gesamten MitarbeiterInnen) sich nicht an der Nase herumführen und für Zwecke missbrauchen, für die Sie schlussendlich dann persönlich haftbar gemacht werden. Die Anmaßung, über andere erwachsene Menschen erzieherisch tätig zu sein, wird Ihnen von oben aufgetragen – aber sie alle haben das RECHT zu remonstrieren und aus meiner Sicht auch die PFLICHT – Ihre ehem. Kollegin Hannemann wird Ihnen das bestätigen.

Was sie Ralph Boes oder anderen Hartz-IV-Betroffenen abverlangen, „alles nur Erdenkliche zu tun, um Hilfebedürftigkeit zu beenden“ (was eher eine moralische Forderung ist als ein Lebensberechtigungsgrund), VERLANGT das GRUNDGESETZ von Ihnen, alles nur erdenkliche zu tun, um das Existenzrecht eines Menschen zu sichern bzw. nicht zu gefährden. Oder gibt es noch andere Ämter, die solche Fälle abfangen? Wenn ich mich in der ZUSTÄNDIGKEIT irre- sagen Sie mir GERN wer dafür zuständig IST. DANKE.

Ein Arzt, der mich warnt, dass rauchen schädlich ist, tut gut daran – wenn er mir aber sagt: ich schlag Dir auf den Kopf oder nehme Dir auch noch das Essen weg – verfehlt seinen Beruf.

Thüringen geht mutig voran durch Richter Petermann und das Gothaer Sozialgericht – schließen Sie sich alle diesem Geiste an.

Können Sie tatenlos zusehen, wie Ralph Boes verhungert? Ich kann es nicht – daher erhalten Sie diese Zuschrift und vermutlich noch etliche weitere von anderen ebenso betroffenen Menschen.

Mit ernstem aber persönlich freundlichem Gruß,

FriGGa Wendt -Grundrechtschutz-

8 Gedanken zu „Darf das Existenzrecht eines Menschen von seinem „WOHLVERHALTEN“ abhängen?“

  1. Ja Jobcenter in den Angestellte so Handeln passen nicht in unsere Zeit.
    Rufe alle Hartz 4 er auf diese Sache nun Öffentlich allen zu Erzählen das auch die Bürger erfahren wie Jobcenter ihre Kunden behandeln.

  2. Leider, lieber Korbacherjunge, finden das die Bürger da draußen vollkommen richtig wie die Jobcenter mit Sanktionen um sich werfen! Ja viele fordern sogar noch härtere Starfen für uns „Faulenzer und Sozialschmarotzer“.

  3. habe vor wochen von einem wissenschaftler irgendwo gelesen , dass 60% aller bürger hartziv – empfänger hassen .

  4. Kleine Schritte, aber es tut sich was!
    Stern.de
    Die Bürger die Hartz IV Betroffene hassen können so schnell in Hartz IV rutschen, das sie das erst glauben wenn es soweit ist.
    Ich hoffe das Ralph Boes vor Gericht gewinnt sonst haben alle verloren!!!

  5. Ich bin 59 Jahre alt, diplomierter Akademiker auf dem Fachgebiet
    Elektronik (weitergebildet in Richtung IT).
    Ich bekomme jeden abgeschmierten Rechner, jedes gecrashte Netzwerk und so ziemlich jede „Sauerei“ wieder hin.
    Dennoch bin ich „Hartzie“, seit Beginn.
    Warum?
    Erstens stammt der größte Teil meiner Bildung aus DDR- Zeit.
    Zweitens wurde die Weiterbildung auf der Informatik- Strecke „nur“ zertifiziert und zählt nichts.
    Drittens zählt Alles, was ich mir in unzähligen Stunden selbst beigebracht habe überhaupt nichts.
    Drittens ist meine Frau schwerstbehindert, pflegebedürftig Stufe 3 und sitzt im Rollstuhl. (kein selbst verschuldeter Unfall sondern eine Erkrankung, die jeden treffen kann)
    Wenn ich Letzteres beim Vorstellungsgespräch sage gehen alle Vorhänge zu. (Ist mehrfach passiert.)
    Früher hab ich auf die Frage „Warum gehst Du denn nicht arbeiten?“ immer versucht aufzuklären und zu argumentieren.
    Es ist einfach beschämend, mit welcher Selbstverständlichkeit man durch unsere ach so aufgeklärten „GutbürgerInnen“ zum Schmarotzer abgestempelt wird. (Ich kann’s nicht mehr zählen, wie oft mir das passierte.)
    Heute dreh ich mich um und gehe weg.
    Da gibt es nämlich ein Problem.
    Ich bin 1,80 groß, wiege 80 Kilo und war 17 Jahre beim Militär. (entsprechend Ausbildung inclusive)
    Oft, sehr oft, hat’s mich in den Fäusten gejuckt.
    Es hat jedesmal unglaublich viel Behrrschung gekostet, nicht das zu tun, was gegenüber derartigen Lackaffen vom menschlichen Standpunkt aus richtig und angemessen gewesen wäre.
    Ja, ich hasse diese Leute. Der Staat produziert ein neues Feindbild.
    Der Feind aller „ehrbaren“ BürgerInnen ist der „Hartz IV“- Empfänger.
    Ich habe mich jedenfalls nicht selber zu diesem Feind gemacht.
    Und diese sogenannte Regierung der „etablierten Volksparteien“
    sollte sehr, sehr gut überlegen, wie weit sie den sozialen Frieden
    noch gefährden will und kann.

  6. Man vergleiche doch die Arbeitsweise der Stasi mit dem Jobcenter und zu welchen Ergebnis kommen wir.
    Nur zu einem, beide waren auf Drangsalierung aus und auf Sammeln von Daten. Natürlich auch einer Menschenunwürdigen Behandlung der Kunden denn die wollen doch was, aber wie sie dahergekommen sind sagt man nicht das nämlich gerade das Jobcenter durch ihre Sinnlosen Maßnahmen die Leute dahin treibt, ohne Rücksicht ob es ins Berufsfeld des Kunden passt sie wollen doch nur die Zahlen der Statistik manipulieren, ein Kunde der älter als 58 ist bekommt die gleichen Maßstäbe auferlegt wie ein junger Kunde, doch in der Arbeitslosenzahlstatistik werden sie herausgenommen.
    Deutschland ist schon lange nicht mehr das was es einmal war, nämlich „Sozial“ und „Demokratisch“.
    Warum sind dann nicht alle vor dem Gesetz gleich, sondern es werden ausnahmen gemacht die keiner Nachvollziehen kann.
    So könnten wir doch gleich das Grundgesetz abschaffen, dann würde man allem aus dem Weg gehen.

  7. Liebe FriGGa-Wendt!

    Ich hoffe, Du hast nichts dagegen, wenn ich Deinen Brief übernehme/benutze in meiner Sache, um die Zahlung des mir zustehenden menschenwürdigen Existenzminimums durchzusetzen OHNE diesen Zirkus von ungültigen Formularen, offenlegung der kmpl. Kontenbewegung der letzten 4 Monate und ähnlichen Schikanen/Infos, welche der Firma Jobcenter alle schon mehrfach vorlagen, mitzumachen.

    Daß ich das etwas modifiziere, dient nur dazu, es anzupassen, daß es nicht eins-zu-eins aussieht auf Ralph Boes zugeschnitten. Es muß Druck gemacht werden auf allen Fronten – so erfährt dieser Mensch am ehesten Unterstützung.

    Nicht einer allein, sondern alle gemeinsam!

    mfg

    – Konrad Fitz –

  8. Schuld an dieser Misere ist die Politik, die immer nur von Aufschwung redet. Dieser Aufschwung besteht darin, Firmen zu fusionieren und Arbeiter und Angestellte zu entlassen. Genau diese Firmen stellen auch Zeitarbeiter zu miesen Löhnen ein. Viele arbeitenden Menschen verdienen so wenig, dass sie trotz Arbeit von der ARGE unterstütz werden müssen. Dazu kommt, dass sie dann des öfteren neben ihrer Arbeit im Betrieb noch zur ARGE laufen dürfen, deren Angestellten alles Mögliche und Unmögliche überprüfen, was ich als reine Schikane erachte. Die Superreichen in Deutschland vergessen, dass nicht sie alleine im Betrieb standen und solch unermesslichen Reichtum erwirtschaftet haben. Nein, dieser Reichtum stammt aus dem Geld, um dass sie ihre Angestellten mit zu niedriger Entlohnung betrogen haben. Arbeiter und Angestellte, die ja alle gemeinsam am Erfolg beteiligt waren, ja mit in den Betrieben gearbeitet hatten. Nein, sie haben die Leute über Generationen hinweg unterbezahlt, anstatt sie an dem Erarbeiteten teil haben zu lassen und sie haben sie teilweise in Armut und Abhängigkeit getrieben. So und jetzt können sie Menschen, gerade wie es ihnen beliebt entlassen. Warum wohl haben wir heute soviele Arbeitslose? Weil man die wenigen, die man weiterhin in den Betrieben arbeiten ließ, ausdrückte wie Zitronen. Die einen schuften sich total kaputt, die anderen bleiben ausßen vor. Man beabsichtigte kaltblütig die Menschen in die Arbeitslosigkeit zu treiben. Und nun nimmt man ihnen auch noch das Letzte, nämlich ihre Würde. Die Verantwortlichen sollten sich schämen. Sie haben unverantwortlich, unsozial, ja gar egoistisch gehandelt. Und für dieses Machwert brauchen sie ihre Schergen, die ihre Schandtaten schamlos als sozialgesetzlich bezeichnen.

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